Am Samstag wird die diesjährige Kunstbiennale von Venedig offiziell eröffnet, doch bereits während der Vorbesichtigungstage für Fachbesucher sorgt die renommierte Ausstellung für Unruhe. Am Mittwochmorgen protestierten Aktivistinnen der Performancegruppen Pussy Riot und Femen gegen die erneute Teilnahme Russlands an der Biennale. Kurz nach Öffnung des Geländes um 11 Uhr versammelten sich mit lila Mützen maskierte Personen vor dem russischen Pavillon in den Giardini. Es erklang Punkrock von Pussy Riot, lila bengalische Feuer wurden gezündet. Die Protestierenden skandierten Slogans wie „War is Russia's art“, „Art for show, graves below“ oder „Fuck Russia“.
Protestaktionen vor dem russischen Pavillon
Ähnliche Parolen hatten sich Aktivistinnen der Gruppe Femen auf ihre nackten Oberkörper geschrieben und präsentierten sie an dem regnerischen Vormittag, während sie ukrainische Flaggen hochhielten. Aus dem russischen Pavillon kam keine erkennbare Reaktion; die Biennale-Organisation ließ die Protestierenden gewähren. Die Europäische Union hatte zuvor angekündigt, der Biennale einen Millionenzuschuss zu streichen. Wie die „Financial Times“ berichtete, warnte die EU die Organisatoren, dass die Teilnahme Russlands als Verstoß gegen die Sanktionen wegen des Angriffskriegs gegen die Ukraine gewertet werden könne. Zweimal hatte Russland zuvor nicht teilgenommen, diesmal ist es jedoch wieder dabei.
Jury tritt geschlossen zurück
Im Streit um den Umgang mit Russland und Israel trat die Jury geschlossen zurück. Sie hatte Kunst aus den beiden Ländern bei der Preisvergabe nicht berücksichtigen wollen. Die Eröffnungsfeier wurde abgesagt, ebenso wie die übliche Vergabe der Goldenen Löwen zu Beginn. Die Preise sollen nun erst am letzten Tag der Ausstellung im November vergeben werden. Entscheiden darüber wird keine Jury mehr, sondern eine Abstimmung unter den Besuchern. Die Biennale steht damit in diesem Jahr im Zeichen politischer Kontroversen, die weit über die Kunst hinausreichen.



