Prozessauftakt zu mysteriösen Bränden in Neubrandenburger Hochhaus
Vor dem Amtsgericht Neubrandenburg hat ein aufsehenerregender Prozess begonnen, der sich um zwei rätselhafte Brände in einer Erdgeschosswohnung eines elfgeschossigen Hochhauses dreht. Die Staatsanwaltschaft wirft einer 24-jährigen ehemaligen Behindertenbetreuerin schwere Brandstiftung vor, doch die Angeklagte bestreitet die Vorwürfe mit Nachdruck.
Die Vorwürfe und die Verteidigung
„Das ist kompletter Quatsch, ich war zu dem Zeitpunkt mit dem Mieter und seinem Hund auf der Kuhwiese“, erklärte die junge Frau gleich zu Prozessbeginn. Ein Nachbar des betroffenen Mieters, der auf einen Elektrorollstuhl angewiesen ist, bestätigte vor Gericht weitgehend ihre Angaben zum Aufenthaltsort. Die Anklage basiert auf Ermittlungen zu zwei Brandereignissen in derselben Einraumwohnung in Neubrandenburgs Oststadt.
Der erste Brand soll sich bereits eine Woche vor dem Hauptvorfall ereignet haben, wobei nur geringer Schaden an einer Gardine entstand. Untersuchungen schlossen später aus, dass der heiße Akku des Rollstuhls die Ursache gewesen sein könnte. Am 3. November 2024 eskalierte die Situation dann: Diesmal gab es laut Staatsanwältin Heilwig Voß gleich zwei Brandherde – am Fernseher im Wohnzimmer und an einer Scheuerleiste im Flur.
Der Brandverlauf und die Folgen
Ein Nachbar berichtete als Zeuge: „Ich hörte das laute Piepsen des Brandmelders und habe kräftig an die Wohnungstür gehämmert, aber niemand öffnete.“ Da er zuvor gehört hatte, dass die Betreuerin mit dem Mieter und dessen Hund das Haus verlassen hatte, alarmierte er umgehend die Feuerwehr. Die Einsatzkräfte konnten den Brand löschen und knapp verhindern, dass das gesamte Hochhaus evakuiert werden musste.
Die Wohnung wurde jedoch unbewohnbar, der Sachschaden wird auf etwa 30.000 Euro geschätzt. Positiv zu vermerken ist, dass eine Katze des Mieters gerettet werden konnte. Die Bewohner des Elfgeschossers lebten nach den Vorfällen laut Berichten monatelang in verständlicher Angst.
Komplizierte Zeugenlage und Verfahrensverlauf
Die Beweislage gestaltet sich äußerst schwierig. Ein wichtiger Zeuge, der damals im oberen Stockwerk des Hochhauses lebte und den Brand bemerkt haben soll, ist inzwischen verstorben und kann keine Aussage mehr machen. Der betroffene Mieter selbst erschien zum Prozessbeginn nicht – er teilte dem Gericht mit, sein Elektrorollstuhl habe einen platten Reifen.
Richterin Tanja Krüske betonte: „Ohne seine Aussage können wir das Verfahren nicht abschließen.“ Daher wurde der nächste Verhandlungstermin auf den 14. April festgelegt, an dem der Mieter erscheinen soll. An diesem Tag wird voraussichtlich auch ein Brandgutachter seinen Bericht vortragen, was möglicherweise zur Verfahrensbeendigung führen könnte.
Hintergründe und Beziehungsgeflecht
Die Angeklagte erklärte vor Gericht, sie habe den behinderten Mann damals gemeinsam mit einer heute 40-jährigen Kollegin betreut. Das Verhältnis zwischen den beiden Frauen sei „bis zu dem Brand eigentlich gut“ gewesen, sagte die Kollegin, die als Zeugin vernommen wurde. Sie gab an, später vom Mieter gehört zu haben, dass die Angeklagte den Brand gelegt haben soll, und dies dem zuständigen Behindertenverband gemeldet zu haben.
Interessant ist auch ein weiterer Vorwurf: Die Angeklagte soll angeblich einmal auf der sogenannten „Kuhwiese“, einem häufigen Ausflugsziel mit dem Hund des Mieters, ein Feuer entfacht haben. Die Verteidigung wies dies jedoch entschieden zurück und verwies auf widersprüchliche Aussagen des Mieters, der anfangs sogar die 40-jährige Kollegin der Brandstiftung bezichtigt haben soll.
Das Gericht steht vor der schwierigen Aufgabe, in diesem komplexen Fall die Wahrheit zu ermitteln – insbesondere angesichts der fehlenden Aussagen wichtiger Beteiligter und der widersprüchlichen Zeugenaussagen. Der Ausgang des Prozesses bleibt vorerst ungewiss.



