Großrazzia gegen rechtsextremen Verlag 'Der Schelm': NS-Material in mehreren Ländern sichergestellt
In einer großangelegten internationalen Razzia sind Ermittler gegen den rechtsextremen Verlag „Der Schelm“ vorgegangen. Die Durchsuchungen fanden in mehreren deutschen Bundesländern sowie in Polen und Spanien statt und zielten auf die Beschlagnahmung von volksverhetzenden und antisemitischen Schriften ab. Die Staatsanwaltschaft Karlsruhe und das Landeskriminalamt Baden-Württemberg bestätigten, dass unter den sichergestellten Materialien auch Publikationen zur Holocaustleugnung waren.
Umfangreiche Durchsuchungen in Wohnungen und Geschäftsräumen
Die Polizeieinsätze erfolgten in Baden-Württemberg, Brandenburg, Sachsen, Bayern und Nordrhein-Westfalen. Insgesamt wurden zehn Wohnungen und Geschäftsräume in Deutschland sowie vier weitere Räumlichkeiten in Spanien und Polen durchsucht. Dabei konnten die Ermittler NS-Devotionalien, Propagandamaterialien, Druckerzeugnisse, elektronische Datenträger und weitere Beweismittel sicherstellen. Konkrete Standorte in Deutschland umfassten unter anderem Leipzig, Pforzheim, Neuenbürg, Bottrop, Schönwald und Wertheim.
Acht Beschuldigte und flüchtiger Hauptverdächtiger
Gegen acht Personen wird wegen des Verdachts der gemeinschaftlich begangenen Volksverhetzung in mindestens 488 Fällen ermittelt. Im Fokus der Behörden steht ein 61-Jähriger, der sich derzeit mutmaßlich in Russland aufhält und daher nicht festgenommen werden konnte. Zu den Beschuldigten zählen zwei Druckereibesitzer, ein Grafiker, ein IT-Spezialist und der Besitzer eines Business-Centers. Der Verlag selbst äußerte sich auf Nachfrage nicht zu den Vorwürfen.
Langjährige Verbreitung verbotener Schriften
Der Verlag „Der Schelm“ betreibt seit mindestens zehn Jahren einen Onlineversand, über den rund 100 Nachdrucke von antisemitischen Büchern und Schriften aus der Zeit des Nationalsozialismus vertrieben werden. Darüber hinaus verbreitet er rassistische und den Holocaust leugnende Veröffentlichungen, deren Vertrieb in Deutschland gesetzlich verboten ist. Die Ermittlungen ergaben Hinweise darauf, dass die Verantwortlichen nach früheren Rückschlägen neue Druck- und Vertriebswege etabliert haben.
Frühere Verurteilungen und Einstufung als kriminelle Vereinigung
Bereits im Frühjahr 2024 hatte das Oberlandesgericht Dresden drei Mitarbeiter des Verlags wegen der Verbreitung rechtsextremistischer Hetzschriften zu Haft- und Bewährungsstrafen verurteilt. Das Gericht stufte den Verlag damals als kriminelle Vereinigung ein. Ein ehemaliger NPD-Politiker aus Leipzig erhielt eine Haftstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten. Die Klage war von der Bundesanwaltschaft erhoben worden.
Laut Urteilsbegründung wurde der Verlag 2014 von einem überzeugten Rechtsextremisten und Antisemiten gegründet, mit dem Ziel, nationalsozialistische, antisemitische und rechtsextreme Literatur zu verlegen, ideologische Überzeugungen zu verbreiten und finanziellen Gewinn zu erzielen. Nach den Ermittlungen des Generalbundesanwalts und mehreren Verurteilungen war der Versandhandel zunächst deutlich zurückgegangen, bevor neue Aktivitäten beobachtet wurden.



