Der Serienmörder "Rosa Riese": Brandenburgs dunkles Kapitel nach dem Mauerfall
In den turbulenten Jahren nach dem Mauerfall versetzte ein Serienmörder den brandenburgischen Landkreis Potsdam-Mittelmark in tiefe Angst und Schrecken. Wegen seiner imposanten Körpergröße und seiner Vorliebe für rosafarbene Damenunterwäsche ging der Täter als "Rosa Riese" in die regionalen Kriminalannalen ein. Die Boulevardpresse titulierte ihn zudem als "Bestie von Beelitz", was die allgemeine Panik in der Bevölkerung weiter anheizte.
Eine düstere Mordserie beginnt in Deetz
Die schreckliche Serie nahm ihren Anfang knapp dreißig Kilometer westlich von Potsdam, in der beschaulichen Bungalowsiedlung Deetz, die zur Stadt Groß Kreutz gehört. Im Oktober 1989 wurde die 51-jährige Edeltraud N. am helllichten Tag bei Gartenarbeiten brutal ermordet. Nachbarn fanden ihre schwer zugerichtete Leide wenig später vor einer Hecke, in eine Decke gewickelt. "Wir haben die alle gekannt", erinnert sich Manfred Apel in der ARD-Dokumentation "Rosa Riese – Jagd auf ein Phantom". "Und 'ne Stunde vorher hab ich noch mit ihr gesprochen. Und dann kommst du her und findest sie als Leiche."
Zunächst geriet der Ehemann des Opfers in den Fokus der Ermittlungen. Obwohl die Polizei ihn später als Täter ausschloss, hielten sich die Gerüchte in der Bevölkerung hartnäckig. Von der öffentlichen Vorverurteilung zermürbt, nahm sich der Mann das Leben – eine tragische Fehlentwicklung, die das Grauen der Mordserie zusätzlich unterstrich.
Unterwäsche-Lager und weitere grausame Morde
Ein halbes Jahr später ereignete sich ein weiterer Mord in der Region. Ein Mann entdeckte am Rand einer Müllkippe seine tote Ex-Frau Christa N., die 55-jährige Betreiberin der Deponie, begraben unter Kleidungsstücken. Der Tatort in Ferch lag fast hundert Kilometer vom ersten entfernt, sodass die Ermittler zunächst keinen direkten Zusammenhang herstellten.
Kurz darauf verschwand die 34-jährige Köchin Inge F. in der Nähe von Borkheide. Bei der Suche nach der Vermissten stießen die Polizisten auf mehrere Depots mit Damenunterwäsche. Nach acht Tagen fanden sie die Leiche von Inge F. am Waldrand, verborgen unter Reisig und Moos. Sie trug ein Bikini-Oberteil, das nicht ihr gehörte, und war posthum sexuell missbraucht worden. Erst jetzt erkannten die Ermittler den Zusammenhang zu den vorherigen Morden und realisierten, dass sie es mit einem Serienmörder zu tun hatten.
Angst greift um sich: Opfer aller Altersgruppen
Die Mordserie eskalierte weiter. Nur wenige Tage später wurden die 44-jährige Tamara P. und ihr drei Monate alter Sohn Stanislaw ermordet. Die Angst in der Bevölkerung wuchs exponentiell, und der Druck auf die Ermittler wurde immens. Zwei Wochen später attackierte der Täter zwei zwölfjährige Freundinnen bei Sputendorf und verletzte sie lebensgefährlich mit einem Messer. Kurz darauf fand man die stark verweste Leiche der 66-jährigen Talita B. in ihrem Haus in Fichtenwalde.
Die Polizei setzte eine Belohnung von 20.000 D-Mark für Hinweise aus, die zur Ergreifung des Serienmörders führen sollten. In den Wäldern von Potsdam-Mittelmark entdeckten die Ermittler immer mehr Depots mit Damenunterwäsche, die der "Rosa Riese" angelegt hatte – ein makaberes Sammelsurium, das sein psychopathisches Profil schärfte.
Die Festnahme durch einen aufmerksamen Jogger
Der entscheidende Hinweis kam schließlich aus der Bevölkerung. Mike Klein, ein leidenschaftlicher Jogger, beobachtete ein verdächtiges Zelt im Wald, das von Damenunterwäsche und Erotikmagazinen umgeben war. Er verständigte umgehend die Polizei, in der Hoffnung, die ausgesetzte Belohnung zu erhalten.
Während die Beamten dem "Rosa Riesen" im Unterholz eine Falle stellen wollten, nahmen Mike Klein und ein Freund die Sache selbst in die Hand. Sie stellten Wolfgang Schmidt, einen ehemaligen Beamten der Volkspolizei-Bereitschaft, im Wald und übergaben ihn der Polizei. Nach weniger als vier Stunden Vernehmung gestand Schmidt alle Taten: sechs Morde und drei versuchte Morde in der Region.
Vom "Rosa Riesen" zur Transfrau Beate
Im Jahr 1992 wurde Wolfgang Schmidt zu fünfzehn Jahren Haft mit anschließender Unterbringung im Maßregelvollzug verurteilt. Doch der Wolfgang Schmidt von damals existiert heute nicht mehr. Wie in der Dokumentation bekannt wurde, lebt der "Rosa Riese" nach einer Hormontherapie heute als Transfrau Beate. Mit fast sechzig Jahren befindet sie sich noch immer im Vollzug eines Fachklinikums.
Die ARD-Dokumentation "Rosa Riese – Jagd auf ein Phantom", die von der Kriminalbuchautorin Sophie Sumburane präsentiert wird, zeichnet diese düstere Spurensuche nach. Der erste Teil wurde bereits ausgestrahlt, Teil zwei und drei folgen im SWR. Die dreiteilige Dokumentation ist zudem jederzeit in der ARD-Mediathek abrufbar und hält die Erinnerung an diesen schrecklichen Fall wach, der Brandenburg in den Nachwendejahren nachhaltig prägte.



