Trauerzug für ermordete Taxifahrerin Jaroslava: Kollegen nehmen mit geschmückten Autos Abschied
Mit einem bewegenden letzten Gruß und geschmückten Fahrzeugen haben die Taxi-Kollegen von Jaroslava M. (44) Abschied von ihrer ermordeten Kollegin genommen. Die Mutter von drei Kindern im Alter von 15, 20 und 22 Jahren hatte vier Tage lang im Krankenhaus um ihr Leben gekämpft, doch die schweren Halsverletzungen, die ihr ein Fahrgast mit einem Messer zugefügt hatte, waren zu gravierend. Am vergangenen Freitag versammelten sich Familie, Freunde und Arbeitskollegen in Šumperk, Tschechien, um der Verstorbenen die letzte Ehre zu erweisen.
Taxi-Konvoi als letzte Ehrung
Nach der offiziellen Trauerfeier in der kleinen Stadt am Ufer der Desná formierte sich ein beeindruckender Konvoi aus über 20 Taxis, die durch die Straßen von Šumperk fuhren. Viele der Fahrzeuge waren mit schwarzen Schleifen an den Rückspiegeln geschmückt, andere trugen gelbe und rosafarbene Bänder – eine Hommage an die persönliche Gestaltung, mit der Jaroslava ihren eigenen Škoda verziert hatte. Ein Taxifahrer äußerte gegenüber dem tschechischen Nachrichtenportal Idnes: „Mir fehlen die Worte, und es tut mir leid. Ich bin seit zwanzig Jahren im Taxigewerbe und kannte sie sehr gut, genau wie die anderen Taxifahrer hier. Niemand nannte sie anders als Sluníčko.“ Dieser Kosename bedeutet auf Deutsch so viel wie Sonnenschein und spiegelt die warmherzige Persönlichkeit der Verstorbenen wider.
Das Taxiunternehmen, für das Jaroslava arbeitete, stellte seinen Betrieb für die Dauer der Trauerfeier vollständig ein und veröffentlichte in den sozialen Medien ein ergreifendes Video. Darin sind die Kollegen zu sehen, wie sie an ihren geschmückten Fahrzeugen stehen und ihrer ermordeten Kollegin ein letztes Mal zuwinken. Der tragische Vorfall ereignete sich am 17. Februar, als ein 38-jähriger Fahrgast die blonde Chauffeurin attackierte, ihr mit einem Messer in den Hals stach und anschließend das Fahrzeug stahl. Bei der darauffolgenden Flucht in den Gegenverkehr wurden zwei Menschen schwer verletzt. Der Täter überlebte und wurde festgenommen; ihm droht nun eine Anklage wegen Mordes und möglicherweise lebenslange Haft.
Bürgermeister kündigt Sicherheitsmaßnahmen an
Auch der Bürgermeister von Šumperk, Miroslav Adamek, nahm an der Trauerfeier teil und kündigte in den sozialen Medien konkrete Schritte zur Verbesserung der Sicherheit für Taxifahrer an. Zu den geplanten Maßnahmen gehören:
- Der Einbau von Schutzplexiglas in den Fahrzeugen
- Die Installation von Alarmknöpfen, mit denen Fahrer sofort Hilfe rufen können
- Spezialisierte Sicherheitstrainings für das Personal
Adamek betonte, dass nach diesem schrecklichen Verbrechen dringender Handlungsbedarf bestehe, um ähnliche Vorfälle in Zukunft zu verhindern. Der Škoda des Mordopfers, der nach dem Unfall beschädigt zurückblieb, diente mit seinem charakteristischen rosa-gelben Schmuck als Inspiration für den Trauer-Konvoi der Kollegen.
Spendenaktion für die hinterbliebene Familie
Parallel zu den Sicherheitsinitiativen unterstützt der Bürgermeister auch eine Spendenaktion für die Familie der ermordeten Frau. Auf einer Online-Spendenplattform sind bereits über 17.000 Euro zusammengekommen. Dort meldete sich offenbar auch der Lebensgefährte von Jaroslava M., Michal, zu Wort. In einem bewegenden Beitrag schreibt er: „Ich bin völlig am Boden zerstört. Meine Welt bricht Tag für Tag zusammen und der Schmerz, den ich empfinde, ist unbeschreiblich.“ Das gesammelte Geld soll den Kindern Filip (22), Isabel (20) und Nicolka (15) zugutekommen.
Michal schilderte den letzten gemeinsamen Tag mit seiner Partnerin: „An jenem schicksalhaften Morgen wollte sie zur Arbeit fahren. Ich ging zum Auto, um mich von ihr zu verabschieden. Wir küssten, umarmten und lächelten uns an wie an jedem anderen Tag. Jaruška stieg ins Auto, kurbelte das Fenster herunter und fuhr mit den Worten ‚Ich liebe dich, Schatz, ich bin zum Mittagessen wieder da‘ davon. Ein paar Stunden später erhielt ich die schlimmste Nachricht.“ Diese persönlichen Zeilen unterstreichen die tiefe menschliche Tragödie, die sich hinter den nüchternen Fakten des Verbrechens verbirgt.



