Reederei widerspricht Vorwürfen nach Wal-Rettung
Nach der umstrittenen Freilassung eines Buckelwals in der Nordsee wehrt sich die beteiligte Reederei gegen öffentliche Vorwürfe. In einer am Samstag veröffentlichten Stellungnahme erklärt die JEB Bereederungsgesellschaft, zu der auch das Schiff „Robin Hood“ gehört, dass zahlreiche Darstellungen über den Ablauf der Rettungsaktion falsch seien und die Persönlichkeitsrechte der Crew verletzen würden.
Kratzer durch starken Seegang, nicht durch die Crew
Besonders deutlich widerspricht das Unternehmen dem Vorwurf, der Wal sei durch ein eigenmächtiges Vorgehen der Besatzung verletzt worden. „Der Vorwurf, unsere Mandantschaft habe ‚Timmy‘ durch eigenmächtiges Handeln im Rahmen der Freilassungsaktion verletzt, ist falsch“, heißt es in dem Schreiben der beauftragten Rechtsanwältin Patricia Cronemeyer. Die bei dem Tier festgestellten Kratzer seien vielmehr durch starken Seegang entstanden. Der Wal sei dabei gegen die Längsschotten der Transportbarge gestoßen. Eine Barge ist ein flachbodiges Wasserfahrzeug, das hauptsächlich für den Transport von Gütern genutzt wird und oft keinen eigenen Antrieb besitzt.
Die Rettungsaktion hatte bundesweit Aufmerksamkeit ausgelöst. Der geschwächte Buckelwal war wochenlang in flachen Gewässern der Ostsee unterwegs und mehrfach gestrandet, zuletzt vor der Insel Poel. Schließlich wurde das Tier mithilfe einer Spezialbarge aufgenommen und Richtung Nordsee transportiert. Begleitet wurde die Aktion von einer privaten Initiative, erheblichem öffentlichen Interesse und hitzigen Diskussionen unter Experten.
Einsatz nach festem Konzept
In ihrer Stellungnahme betont die Reederei nun, der gesamte Einsatz sei „nach einem festen, vorgegebenen Konzept“ erfolgt – in enger Abstimmung mit Karin Walter-Mommert, die die Rettung mit finanziert hat, und dem Landwirtschaftsministerium Mecklenburg-Vorpommerns. Die Aufgabe der Crew habe ausschließlich im Transport des Tieres bestanden.
Ablauf der Freilassungsversuche
Der erste Versuch der Freilassung begann bereits am 1. Mai – auf Anweisung der Privatinitiative. Nachdem das Absperrnetz am Heck der Barge geöffnet worden war, habe der Wal die Konstruktion jedoch nicht eigenständig verlassen. „Um den Wal bei der Freilassung weiter zu unterstützen, wurde ihm (in Umsetzung der Vorgaben durch die Privatinitiative) mit Schläuchen eine Schlinge umgelegt. Mittels der Schläuche sollte der Wal stabilisiert werden, damit er auf diese Weise frei kommt“, heißt es in dem Schreiben weiter. Der Versuch musste laut Reederei wegen zunehmenden Seegangs und einsetzender Dunkelheit abgebrochen werden.
Am folgenden Morgen wurde ein zweiter Versuch unternommen – „begleitet durch Jeffrey Foster, der durch die Privatinitiative als Begleiter und schlussendlich als entscheidungsbefugte Person (von Frau Walter-Mommert nominiert) ausgewählt wurde“. Hohe Wellen hätten einen Transfer von weiteren Mitgliedern der Privatinitiative nicht zugelassen.
Nach Darstellung des Unternehmens gelang es schließlich, den Wal aus der Barge zu führen. „In diesem Moment wurden die Schläuche sofort gelöst“, heißt es in dem Schreiben. „Die ‚Robin Hood‘ verdriftete seitwärts und der Wal konnte frei weiterschwimmen. Er hat nochmals geatmet, ist sodann halbtauchend an den Schiffen vorbei geschwommen und dann abgetaucht.“
Weitere Vorwürfe zurückgewiesen
Die Reederei weist zugleich Vorwürfe zurück, Crewmitglieder hätten sich gleichgültig oder tierverachtend dem Wal gegenüber verhalten. Auch Behauptungen Dritter, „wonach Frau Dr. Tönnies (Tierärztin auf der „Fortuna B“, Anm. d. Red.) ohne berechtigten Grund (bestehendes Sicherheitsrisiko) an Bord zurückgelassen worden sei“, seien „allesamt unwahr“. Die Reederei und die gesamte Crew hätten alles dafür getan, dass der Wal möglichst schnell und unbeschadet in Freiheit gelangt. „Das ist gelungen.“
Unklare Zukunft des Wals
Der Fall hatte zuletzt zunehmend für Streit gesorgt. Während Unterstützer die aufwendige Rettungsaktion als außergewöhnlichen Einsatz für den Tierschutz werteten, äußerten Wissenschaftler und Meeressäuger-Experten erhebliche Zweifel an den Erfolgsaussichten. Bereits vor Beginn des Transports hatten Fachleute darauf hingewiesen, dass der Wal offenbar schwer geschwächt gewesen sei. Ob der Wal die Freilassung letztlich überlebt hat, bleibt weiterhin unklar. Nach Medienberichten lieferte ein angebrachter Sender zuletzt nur wenige Signale. Gesicherte Erkenntnisse über den weiteren Zustand des Tieres gibt es bislang nicht.



