Weltkriegsbombe in Dresden erfolgreich entschärft: 17.000 Menschen evakuiert
Um 13.19 Uhr war der Einsatz abgeschlossen: Eine britische Weltkriegsbombe in der Dresdner Innenstadt wurde erfolgreich entschärft. Sprengmeister Holger Klemig (63) aus Riesa hat den gefährlichen Fund unschädlich gemacht. Für ihn war es bereits die 232. Entschärfung in seiner 15-jährigen Karriere.
Massive Evakuierung in der Innenstadt
Rund 17.000 Menschen mussten am Mittwochmorgen ihre Wohnungen und Häuser verlassen, nachdem Bauarbeiter gegen 7.50 Uhr an der ehemaligen Carolabrücke die 250 Kilogramm schwere Bombe entdeckt hatten. Ein Evakuierungsbereich mit einem Radius von etwa 1000 Metern wurde eingerichtet, der weite Teile der Altstadt umfasste.
Betroffen waren nicht nur Wohngebäude, sondern auch bedeutende Kulturstätten: Die Semperoper, die Frauenkirche und sogar der Sächsische Landtag lagen innerhalb des Sperrgebiets. Polizei und Feuerwehr forderten alle Betroffenen auf, den Bereich bis spätestens 9 Uhr zu verlassen, um Verzögerungen bei der Entschärfung zu vermeiden.
45 Minuten der Spannung
Die Entschärfung dauerte 45 Minuten – nach Angaben von Sprengmeister Klemig „ein guter Durchschnitt“. Die britische Bombe vom Typ MC 505 steckte in einem Steinhaufen aus Granit, der etwa drei Mal so groß wie Kopfsteinpflaster war. Im Inneren befanden sich rund 100 Kilogramm fester Sprengstoff.
Nachdem der Kampfmittelbeseitigungsdienst grünes Licht erhalten hatte, begann die heikle Arbeit. Um 12.33 Uhr war die Evakuierung abgeschlossen und der Sperrbereich endgültig abgeriegelt. Einsatzkräfte suchten den Gefahrenbereich auch mit Polizeihubschraubern ab, um sicherzustellen, dass sich keine Personen mehr darin aufhielten.
Menschen in der Notunterkunft
Seit 6 Uhr morgens war die Notunterkunft in der Dresdner Messehalle geöffnet. Insgesamt 192 Menschen suchten dort Schutz und wurden vom DRK Dresden betreut. Unter ihnen war Helga Schubert (90), für die es bereits die zweite Evakuierung in diesem Jahr war: „Ich ertrage die Evakuierung, um uns wird sich gut gekümmert.“
Mama Fereshteh Arian (40) wartete mit ihren Söhnen Leo (7) und Lino (10 Monate): „Wir sind seit 8.30 Uhr auf den Beinen, wohnen in der Altstadt. Ich habe Windeln, Spiele und einen Ball eingepackt. Für den Kleinen ist es hier schwieriger.“
Andrea Wendler (58) vom DRK Dresden, die bereits im Januar eine Notunterkunft betreut hatte, erklärte: „Wir machen das alles ehrenamtlich und den Betroffenen soll es hier gut gehen. Deshalb sorgen wir uns um sie, bieten Kaffee und Snacks an und helfen älteren Menschen.“
Routine für den Sprengmeister
Für Sprengmeister Holger Klemig war der Einsatz nach 45 Minuten erfolgreich beendet. Die Bombe wird nun in die zentrale Sammelstelle nach Zeithain gebracht und dort fachgerecht zerlegt. Auf die Frage nach seiner Belohnung antwortete der erfahrene Experte lässig: „Jetzt gibt’s zur Belohnung eine Zigarre und ein Bierchen.“
Die Entschärfung verlief ohne Zwischenfälle, und die evakuierten Bewohner konnten nach Abschluss der Arbeiten wieder in ihre Wohnungen zurückkehren. Ein weiteres Kapitel in der langen Geschichte der Bombenentschärfungen in Deutschland war damit erfolgreich beendet.



