Ver.di bestätigt Fälschung von Presseausweis in Epstein-Akten
Nach SPIEGEL-Recherchen geht die Gewerkschaft Ver.di davon aus, dass es sich bei einem in den Epstein-Akten gefundenen Presseausweis um eine Fälschung handelt. Das Dokument war offenbar in Deutschland auf den Namen von Ghislaine Maxwell, der langjährigen Vertrauten des verstorbenen Sexualstraftäters Jeffrey Epstein, ausgestellt worden.
Gewerkschaft schließt eigene Ausstellung aus
Die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju), die zur Gewerkschaft Ver.di gehört, hat nun bestätigt, dass sie den internationalen Presseausweis (IPC) nicht ausgestellt hat. Der zuständige Bereichsleiter der Gewerkschaft erklärte, die Dokumentennummer weiche von anderen im Jahr 2015 herausgegebenen Ausweisen ab. „Wir gehen deshalb von einer Fälschung der IPC aus. Wir behalten uns wie in solchen Fällen üblich rechtliche Schritte vor“, so die offizielle Stellungnahme.
Bereits vergangene Woche hatte die dju auf Nachfrage des SPIEGEL erklärt, man mache grundsätzlich keine Angaben zu Mitgliedschaften. Unterlagen zu Anträgen würden aus Datenschutzgründen regelmäßig vernichtet. Auf weitere Nachfrage teilte die Gewerkschaft mit, die verwendete Ausweisnummer sei „im 2. Quartal 2011“ vergeben worden. „Wir können nicht mehr recherchieren, an wen eine Ausstellung stattgefunden hat, weil aufgrund der Löschpflichten Daten dazu nicht mehr vorliegen“, hieß es.
Maxwells Rolle im Epstein-Skandal
Ghislaine Maxwell ist eine zentrale Figur im Missbrauchsfall um den amerikanischen Finanzier Jeffrey Epstein. Sie wurde von einem US-Gericht unter anderem wegen Menschenhandels zur sexuellen Ausbeutung zu 20 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Maxwell hatte junge Frauen, teils Minderjährige, für den Sexualstraftäter rekrutiert. Bei einer aktuellen Anhörung vor dem US-Kongress verweigerte sie am Montag die Aussage.
Der Missbrauchsring, den Epstein jahrelang aus New York betrieben hatte, fiel Dutzenden jungen Frauen und Minderjährigen zum Opfer. Epstein starb 2019 im Alter von 66 Jahren im Gefängnis, bevor es zu einer möglichen weiteren Verurteilung kommen konnte.
Funktion von Presseausweisen
Presseausweise erhalten Journalistinnen und Journalisten, um sich Zutritt zu Behörden, Ministerien und Veranstaltungen zu verschaffen. Auch bei Notfällen werden Inhaber solcher Ausweise häufig vor Ort vorgelassen. Die genauen Umstände, wie Maxwell in den Besitz des gefälschten Dokuments gelangte, bleiben weiterhin ungeklärt.
In den Epstein-Akten finden sich mehr als drei Millionen Seiten Dokumente. Der Scan des Presseausweises war vergangene Woche in diesem umfangreichen Material aufgetaucht und hatte für Aufmerksamkeit gesorgt. Die Gewerkschaft Ver.di hatte sich zunächst ratlos gezeigt, bevor sie nun die Fälschung bestätigte.



