Emeritierter Würzburger Bischof gibt Ehrentitel nach Missbrauchsfall zurück
Der emeritierte Bischof von Würzburg, Friedhelm Hofmann, hat Konsequenzen aus seinem Fehlverhalten im Umgang mit Missbrauchsvorwürfen gezogen. Nach Kritik an seiner Handhabung eines Falls in der unterfränkischen Gemeinde Höchberg gab er seinen Titel als Ehrendomherr an der Kathedrale von Würzburg zurück. Dies teilte das Bischöfliche Ordinariat, die Bistumsverwaltung, mit.
Fehler im Umgang mit Vorwürfen eingeräumt
Hofmann gestand in einem Schreiben, das in den Gottesdiensten in Höchberg verlesen wurde, ein, dass sein Handeln im Jahr 2010 im Bezug auf den damaligen Pfarrer falsch war. Ich bitte aufrichtig um Entschuldigung und übernehme die persönliche Verantwortung für mein Fehlverhalten, sagte er. Die Vorwürfe betrafen sexuellen Missbrauch durch einen inzwischen verstorbenen Priester, von dem die Bistumsleitung spätestens seit 2010 durch zwei Betroffene wusste.
Der amtierende Bischof Franz Jung kritisierte, dass mehrere Verfahrensfehler unterlaufen seien:
- Es gab keine kirchliche Voruntersuchung.
- Es erfolgte keine schriftliche Meldung nach Rom.
- Der Geistliche wurde nicht aus dem Dienst entfernt.
- Die Pfarrgemeinde wurde nicht informiert.
Strafrechtliche Prüfung und Aufarbeitung
Nach dem Tod des Priesters im Jahr 2017 war eine strafrechtliche Prüfung gegen ihn nicht mehr möglich. Das Bistum übermittelte den Fall 2022 zur Überprüfung auf Fehlverhalten von Verantwortungsträgern an die Staatsanwaltschaft, die das Ermittlungsverfahren jedoch mangels ausreichendem Anfangsverdacht einstellte.
Jung betonte, dass nun die Einschätzung des römischen Dikasteriums für die Bischöfe zum Vorgehen Hofmanns zwischen 2010 und 2017 ausstehe. Die Aufarbeitung des Falls ist in zwei Phasen gegliedert:
- Reconstruction des Handelns der damaligen Diözesanleitung ab 2010.
- Bearbeitung von Emotionen in der Gemeinde, um den Heilungsprozess zu unterstützen.
Der Pfarrgemeinderat in Höchberg will sich am 18. März mit Hofmanns Stellungnahme befassen und den Einstieg in die zweite Phase vorbereiten. Dieser Schritt unterstreicht die fortlaufenden Bemühungen um Transparenz und Verantwortungsübernahme in der katholischen Kirche angesichts von Missbrauchsfällen.



