Gemeinsames Fastenbrechen in Schwerin stärkt interreligiösen Dialog
In der Außenstelle der Schweriner Volkshochschule "Ehm Welk" im Campus am Turm haben sich am Freitag Muslime und Christen zu einem besonderen Ereignis versammelt: dem gemeinsamen Fastenbrechen. Die Veranstaltung, die bereits seit mehreren Jahren stattfindet, bot Raum für Begegnung und Austausch zwischen den Religionen.
Vorbereitungen für ein festliches Mahl
Bereits am frühen Morgen begannen die Vorbereitungen für das große Festmahl. Saafa Awwad, eine palästinensische Integrationslotsin, und ihre Freundin Diana standen gemeinsam mit weiteren Helfern in der Küche, um arabische Spezialitäten zuzubereiten. Auf den Tischen im Atrium der Volkshochschule fanden sich gefüllte Weinblätter, Fleischgerichte, arabischer Reis, Suppen und Nudeln – ein reichhaltiges Buffet für die erwarteten Gäste.
"Seit neun Uhr haben wir gekocht und gestern alles zubereitet", berichtete Saafa Awwad. Ursprünglich waren rund 100 Teilnehmer erwartet worden, doch am Ende kamen noch mehr Menschen, um gemeinsam das Fasten zu brechen.
Die Bedeutung des Fastens in beiden Religionen
Dr. Naeem Altahhan, Projektleiter beim Verbund für soziale Projekte (VsP), erläuterte die religiösen Hintergründe. Im Ramadan fasten Muslime von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang, verzichten also auf Essen und Trinken. Doch das Fasten hat eine tiefere Bedeutung: "Er ist ein Monat der Besinnung, der Warmherzigkeit, der Solidarität und der inneren Einkehr", so Altahhan.
Besonders bemerkenswert ist in diesem Jahr die zeitliche Übereinstimmung: Eine gemeinsame Fastenzeit von Muslimen und Christen kommt nur etwa alle 124 Jahre vor. Diese seltene Gelegenheit wurde in Schwerin genutzt, um Brücken zwischen den Gemeinschaften zu bauen.
Veranstalter und Ziele der Begegnung
Organisiert wurde das gemeinsame Fastenbrechen vom Verbund für soziale Projekte (VsP) in Zusammenarbeit mit der Sozial-Diakonischen Arbeit Evangelische Jugend (Soda-EJ) und dem Projekt "Ein Quadratkilometer Bildung Schwerin" bei der RAA Mecklenburg-Vorpommern.
Das primäre Ziel der Veranstaltung war es, Räume zu schaffen, in denen Menschen einander begegnen und ins Gespräch kommen können. Naeem Altahhan betonte: "Oft stellen wir fest: Was uns vereint, ist größer, als was uns trennt."
Muslime als Teil der deutschen Gesellschaft
Altahhan wies darauf hin, dass gegenseitiges Verständnis zwischen allen Menschen unabhängig von Glauben und Herkunft notwendig sei. "Wir Muslime verstehen uns als Teil der Gesellschaft, für viele von uns ist dieses Land erste oder zweite Heimat", erklärte er.
Diese Perspektive teilte auch Ali, ein junger Iraner, der als Tragwerksplaner in einem Schweriner Ingenieurbüro arbeitet. Über einen Freund hatte er von der Veranstaltung erfahren und nahm teil. "Eine Universität wäre gut", merkte er an, als er über Potenziale für die Stadt sprach.
Gespräche über den Tellerrand hinaus
Nach dem gemeinsamen Mahl, das mit einem muslimischen Gebet eingeleitet worden war, entwickelten sich bei süßem Tee und Gebäck lebhafte Gespräche. Diese gingen weit über religiöse Themen hinaus und berührten auch weltliche Angelegenheiten wie Arbeit, Wohnen oder die Politik im Wahljahr 2026.
Unter den Gästen befanden sich neben Muslimen und Christen auch Vertreter der Polizei sowie Schüler der Volkshochschule. Die Veranstaltung zeigte, wie interreligiöser Dialog praktisch gelebt werden kann – durch gemeinsames Essen, offene Gespräche und die Erkenntnis, dass Gemeinsamkeiten oft größer sind als Unterschiede.



