Vor Landtagswahl in MV: Evangelische Kirche distanziert sich deutlich von der AfD
Kirche in MV geht auf klare Distanz zur AfD vor Wahl

Evangelische Kirche positioniert sich klar vor Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern

Im Vorfeld der anstehenden Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern hat sich die evangelische Kirche mit deutlichen Worten von der Alternative für Deutschland (AfD) distanziert. Bischof Tilman Jeremias, der für den Sprengel Mecklenburg und Pommern der evangelischen Nordkirche verantwortlich ist, richtete ein eindringliches Bischofswort an die Christinnen und Christen im Bundesland.

Biblische Grundlage als Maßstab politischen Handelns

In seiner am Freitag veröffentlichten Stellungnahme berief sich Jeremias auf die biblische Lehre von der Gottesebenbildlichkeit aller Menschen. Diese theologische Überzeugung schreibe jedem Menschen einen unvergleichlichen Wert zu – unabhängig von Herkunft, Hautfarbe, Religion, sexueller Orientierung oder körperlicher Verfassung. Für gläubige Christen bleibe diese Grundüberzeugung der zentrale Maßstab politischen Handelns.

Der Bischof äußerte sich besorgt über Entwicklungen im aktuellen Landtagswahlkampf: „Wir nehmen mit Sorge wahr, wie Ängste geschürt werden und Hass gegen Minderheiten verbreitet wird.“ Ideologien, die Menschen aufgrund ihrer Abstammung, Kultur oder Religion als ungleichwertig betrachten, stünden in direktem Widerspruch zur christlichen Lehre.

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Unvereinbarkeit mit christlichen Werten und Kirchenverfassung

Jeremias stellte unmissverständlich klar: „Die Positionen der AfD und anderer rechtsextremer Organisationen, die die gleiche Würde aller Menschen bestreiten, sind mit christlichen Werten und mit der Verfassung unserer Kirche nicht vereinbar.“ Die Kirche könne nicht schweigen, wenn die Gleichwertigkeit aller Menschen bestritten oder antisemitisches und rassistisches Gedankengut verbreitet werde.

Der Bischof betonte dabei einen wichtigen Unterschied: Dass die AfD demokratisch gewählt werden könne, mache sie noch lange nicht zu einer demokratischen Partei. „Ihre Programme verfolgen eine national-völkische Ausrichtung, die den Boden der Demokratie verlässt.“ Wer AfD-Wählerinnen und -Wähler ernst nehme, müsse menschenverachtende Ideologien klar benennen, da Schweigen sonst als Zustimmung oder Akzeptanz gedeutet werden könnte.

Grenzen der Toleranz und kirchliche Handlungsfelder

Gleichzeitig mahnte Jeremias zur differenzierten Betrachtung: „Allerdings gebührt auch allen Menschen Würde, deren Meinungen man nicht teilt. Ausgrenzung darf nicht unser Weg sein.“ Die kirchlichen Gemeinden könnten Orte sein, an denen Verunsicherung und das Gefühl des Nicht-Gehört-Werdens Raum finden – in der Hoffnung, dass Begegnung Veränderung ermögliche.

Die Grenze der Toleranz liege jedoch eindeutig dort, wo die Würde eines anderen Menschen bestritten oder herabgesetzt werde. Die Kirche benenne, was menschenverachtend und antidemokratisch sei, ohne dabei Menschen zu verurteilen. „Wir nutzen die Nähe zu Menschen in Kitas, Schulen, Pflegeeinrichtungen, Seelsorge und Jugendarbeit – überall dort können wir für Zusammenhalt und Nächstenliebe eintreten.“

Mit dieser klaren Positionierung vor der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern stellt sich die evangelische Kirche bewusst in den Dienst der gelebten Demokratie und macht christliche Werte als politischen Kompass deutlich.

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