Klosterstreit eskaliert: 'Schoko-Nonnen' in Spanien nach Aufstand gegen Vatikan vertrieben
Spanien: 'Schoko-Nonnen' nach Kirchenkonflikt aus Kloster vertrieben

Klosterstreit eskaliert: 'Schoko-Nonnen' in Spanien nach Aufstand gegen Vatikan vertrieben

Ein außergewöhnlicher und bizarrel Kirchenkonflikt in Spanien erreicht seinen dramatischen Höhepunkt: Sieben abtrünnige Klarissen, landesweit als 'Schoko-Nonnen' bekannt, werden nach fast zweijährigem Streit mit der katholischen Kirche aus ihrem Kloster im nordspanischen Belorado vertrieben. Die Justiz ordnete die Räumung des seit 1349 vom Orden bewohnten Gebäudes an, nachdem die Nonnen mehrere Aufforderungen ignoriert hatten.

Verzweifelter Rückzug vor der Zwangsräumung

Schwester Paloma, eine der betroffenen Nonnen, äußerte sich in einem emotionalen Video: "Wir sind Opfer einer Verfolgung, einer Verfolgung wegen unseres Glaubens. Anders lässt sich so viel Bösartigkeit nicht erklären." Die Frauen im Alter von bis zu 61 Jahren entschieden sich schließlich, das Kloster freiwillig zu verlassen, um einen demütigenden Rauswurf vor TV-Kameras zu vermeiden. Ihr Sprecher Francisco Canals berichtete: "Sie sind verzweifelt, am Boden zerstört. Sie wollen gehen, ohne gesehen zu werden - aus Würde." Am Donnerstagmorgen übergaben ihre Anwälte die Schlüssel, womit eine Zwangsräumung durch Polizei und Gerichtsvollzieher abgewendet wurde.

Bruch mit Rom und ultrakonservative Lehre

Der Konflikt begann im Mai 2024, als sich die Nonnen öffentlich von der Amtskirche lossagten und erklärten: "Wir erkennen den Vatikan nicht an - es ist eine Farce." Die Aufsässigen kritisieren, die katholische Kirche habe sich seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil von der 'wahren Lehre' entfernt und stelle den Menschen statt Gott in den Mittelpunkt. Von ursprünglich 16 Rebellinnen blieben sieben übrig, die anderen gaben aus Altersgründen auf oder änderten ihre Meinung.

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Die verbliebenen Nonnen folgen der Lehre von Pablo de Rojas Sánchez-Franco, einem selbst ernannten Bischof, der seit 2019 exkommuniziert ist. Der 45-jährige Gründer der ultrakonservativen Gemeinschaft 'Pia unio sancti pauli apostoli' behauptet, der Papstsitz sei seit dem Tod von Pius XII. im Jahr 1958 vakant, weil alle Nachfolger die wahre Glaubenslehre verraten hätten. Schwester Paloma mutmaßte: "Man will uns zerschlagen, auslöschen, weil wir wohl etwas zu sagen haben, das man nicht hören will."

Juristische Niederlagen und wirtschaftlicher Boykott

Nach ihrer Lossagung wurden die Nonnen im Juni 2024 exkommuniziert, was einen erbitterten Streit um das Kloster und weitere Immobilien der Gemeinschaft auslöste. Insgesamt acht Verfahren sind anhängig. Die Frauen lehnten jede Verhandlung mit dem Erzbischof von Burgos, Mario Iceta, ab und ignorierten wiederholte Aufforderungen zur Schlüsselübergabe.

Ein Versuch, die Gemeinschaft in eine zivile Vereinigung umzuwandeln, scheiterte am Widerstand des spanischen Innenministeriums. Nach kirchlicher und gerichtlicher Auffassung verloren die Frauen damit nicht nur ihr Wohnrecht im Kloster, sondern auch jeden Anspruch auf das Klostervermögen. Canals betonte: "So etwas hat es in Spanien noch nie gegeben!" Zudem boykottierten Gegner ihre wirtschaftlichen Aktivitäten, insbesondere den Verkauf der berühmten Schokoladen und Gebäcke, was die Nonnen finanziell ruinierte.

Ungewisse Zukunft und Solidaritätskampagne

Die vertriebenen Nonnen stehen nun vor dem Nichts. Schwester Paloma beklagte: "Unsere nächste Herausforderung ist es, zusammenzubleiben. Nicht, weil es keinen Zusammenhalt gibt, sondern weil uns die Mittel fehlen. Man hat uns alles genommen." Die Frauen fühlen sich 'entwurzelt' und spüren einen 'tiefen Schmerz'. Zunächst kommen sie bei Bekannten und Helfern unter, doch die Suche nach einer dauerhaften Unterkunft gestaltet sich schwierig, da sie zusammenbleiben wollen und viele Haustiere haben.

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Im Februar starteten Unterstützer das Online-Projekt 'Queremos un convento' (Wir wollen ein Kloster), einen Solidaritätsaufruf an alle Spanier. Man hofft auf Spenden oder ein Schnäppchen in einem der von Landflucht betroffenen Gebiete: "In einem zunehmend entvölkerten Spanien gibt es Hunderte verlassene Gebäude, in denen niemand lebt." Trotz aller Widrigkeiten blicken die Rebellinnen optimistisch in die Zukunft. Schwester Paloma erklärte: "Nun müssen wir nach vorne schauen - als starke Frauen, mit der Gnade und Kraft, die der Herr uns gibt. Er führt uns, und wir gehen vertrauensvoll dorthin, wohin er uns führt."