Vom plötzlichen Reichtum zur finanziellen Leere: Die Geschichte eines Bremer Lotto-Gewinners
Vor mehr als drei Jahrzehnten erlebte Oliver Intemann aus Bremen eine lebensverändernde Wendung, als er im Dezember 1994 im Lotto sechs Richtige tippte und stolze 1,8 Millionen Mark gewann. Was wie der Beginn eines sorgenfreien Lebens klang, entwickelte sich jedoch zu einer Geschichte von Verschwendung, Verlust und schließlich bescheidener Zufriedenheit.
Ein kurzes Leben in Saus und Braus
Der damalige Post-Mitarbeiter arbeitete zunächst noch ein weiteres Jahr in seinem angestammten Beruf, bevor er kündigte und sich entschied, das gewonnene Geld in vollen Zügen zu genießen. Autos, Immobilien und teure Reisen standen auf dem Programm, doch Intemann war auch großzügig gegenüber seinem Umfeld. „Ich habe viel verschenkt an meine Familie, meine Ex-Freundinnen und deren Familien“, berichtete er in einem Interview mit der Sparkasse Bremen.
Zusätzlich investierte er in verschiedene Geschäftsideen, die jedoch allesamt scheiterten. Der finanzielle Abstieg begann schleichend, bis im Jahr 2000 eine schmerzhafte Trennung den Wendepunkt markierte. Zu diesem Zeitpunkt war das Vermögen bereits stark geschrumpft, und Intemann sah sich gezwungen, seinen gesamten Hausrat über eBay zu verkaufen. „Den ganzen Schrott“, wie er es selbst beschreibt.
Tiefpunkt und ungewöhnliche Überlebensstrategien
Bis 2005 war schließlich alles verkauft, und Intemann konnte keine Rechnungen mehr bezahlen – weder für Strom noch für Telefon. Er musste Privatinsolvenz anmelden, war geschieden, depressiv und lebte in einer Notunterkunft. In dieser dunklen Phase wurde er von einem BILD-Reporter entdeckt, als er durch Bremen lief und seine Glatze als Werbefläche vermietete. Diese ungewöhnliche Geschäftsidee brachte jedoch nicht den erhofften Erfolg.
Neuanfang im Getränkemarkt
Heute, über zwanzig Jahre nach seinem finanziellen Zusammenbruch, hat Oliver Intemann seine Schulden hinter sich gelassen. Der 59-Jährige geht einem geregelten Job in einem Getränkemarkt nach, der ihm Freude bereitet. Mit einem monatlichen Nettoeinkommen von rund 1.800 Euro lebt er bescheiden in einer Wohngemeinschaft zur Miete und gibt kaum etwas aus. „Der ganze Konsum, dieser ganze Firlefanz hat mich nicht glücklich gemacht“, resümiert er. „Mein Leben ist jetzt ruhiger und besser.“ Ein neues Fahrrad war seine einzige größere Anschaffung in jüngster Zeit.
Astrologie als Wegweiser aus der Krise
Intemann ist heute überzeugt, dass die Astrologie ihm half, sich aus seinem seelischen Tief zu befreien und wieder im Alltag zurechtzufinden. „Ich weiß jetzt, dass durch die Sterne alles vorbestimmt ist im Leben, alles ist Schicksal“, erklärt er. Diese Überzeugung gibt ihm Frieden mit der Vergangenheit: „Deshalb weiß ich auch, dass ich nicht schuld bin, an dem, was passiert ist. Ich hätte nichts ändern können.“
Die Geschichte von Oliver Intemann ist mehr als nur eine Anekdote über gewonnenes und verlorenes Geld. Sie erzählt von menschlichen Schwächen, der Suche nach Glück und der schließlich gefundenen Bescheidenheit – eine Reise, die der Bremer heute als schicksalhaft vorbestimmt ansieht.



