Tragödie in Tripoli: Mindestens 14 Tote nach Einsturz von Wohnhaus im Libanon
Im Libanon hat sich eine schwere Katastrophe ereignet, als ein Wohnhaus in der zweitgrößten Stadt Tripoli einstürzte. Nach Angaben des Zivilschutzes wurden bis Montagabend 14 Todesopfer aus den Trümmern geborgen, darunter ein Kind und eine ältere Frau. Die Such- und Rettungsarbeiten wurden vorerst eingestellt, da keine weiteren Überlebenden vermutet werden.
Unglück in Armenviertel Bab al-Tabbaneh
Das eingestürzte Gebäude bestand aus zwei Wohnblöcken mit jeweils sechs Wohnungen und befand sich im Viertel Bab al-Tabbaneh, einem der ärmsten Gebiete Tripolis. Zum Zeitpunkt des Einsturzes hielten sich 22 Menschen im Haus auf. Auch mehrere umliegende Gebäude wurden aufgrund von Einsturzgefahr geräumt, was die ohnehin prekäre Wohnsituation in der Stadt verschärft.
Behörden reagieren mit Notmaßnahmen
Nach einer Dringlichkeitssitzung erklärte Ministerpräsident Nawaf Salam, dass die Stadtverwaltung von Tripoli beschlossen habe, 114 einsturzgefährdete Gebäude innerhalb eines Monats etappenweise zu evakuieren. Die betroffenen Familien sollen ein Jahr lang eine Wohnbeihilfe erhalten. Parallel dazu werden sanierungsfähige Gebäude verstärkt und einsturzgefährdete abgerissen. Ein Ausschuss soll eine begonnene Begutachtung von Gebäuden abschließen.
Bürgermeister Abdel Hamid Karimeh hatte Tripoli am Sonntag aufgrund der unsicheren Gebäude und der Gefahr für Tausende Menschen zur Katastrophenstadt erklärt. Präsident Joseph Aoun wies den Rettungsdienst an, sich neben den Bergungsarbeiten auch um die evakuierten Bewohner zu kümmern.
Hintergrund: Vernachlässigte Infrastruktur und illegale Bauten
Dies war bereits der zweite tödliche Hauseinsturz in Tripoli seit Ende Januar, bei dem zuvor zwei Menschen ums Leben kamen. In Tripoli und anderen Teilen des Libanon sind im Laufe der Jahre mehrere Gebäude eingestürzt, ohne dass die Behörden angemessene Schritte zur Sicherung der Infrastruktur ergriffen hätten.
Viele Gebäude im Libanon sind stark sanierungsbedürftig oder wurden ohne Baugenehmigung errichtet, insbesondere während des Bürgerkrieges von 1975 bis 1990. Oft werden bestehende Wohnhäuser illegal um weitere Stockwerke erhöht, was die Stabilität gefährdet.
Appelle von Menschenrechtsorganisationen
Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hatte die libanesischen Behörden schon 2024 aufgerufen, dringend die Sicherheit von Gebäuden im ganzen Land zu überprüfen. Besonders dramatisch ist die Lage in Tripoli, wo seit dem schweren Erdbeben im türkisch-syrischen Grenzgebiet im Februar 2023 Tausende Menschen in unsicheren Gebäuden leben. Die Erschütterungen waren damals auch im Libanon zu spüren gewesen.
Laut Amnesty war der Zustand vieler Häuser in Tripoli wegen laxer Sicherheitsvorschriften und mangelnder Instandhaltung aber schon vor dem Erdbeben katastrophal. Die Bewohner klagen seit Jahren über Baumängel und unzureichenden Schutz durch die Behörden.



