Akademischer Schwindel: Professor verleiht sich selbst eine Goldmedaille
Professor verleiht sich selbst Goldmedaille

Florent Montaclair war ein unscheinbarer Hochschullehrer, als er vor zehn Jahren plötzlich ins Licht der Öffentlichkeit trat. Im Juni 2016 wurde dem damals 46-jährigen Experten für fantastische Literatur eine große Ehre zuteil. Bei einer feierlichen Zeremonie in der französischen Nationalversammlung, an der Nobelpreisträger, Ex-Minister und führende Akademiker teilnahmen, wurde dem Dozenten die „Goldmedaille für Philologie“, also die Wissenschaft von Sprache und Texten, überreicht. Später stellte sich heraus: Montaclair hatte die Auszeichnung selbst erfunden, die preisstiftende Universität existierte nur im Internet! Jetzt sollen Gerichte klären: Ist dieser Literatur-Professor ein charmanter Blender oder ein raffinierter Täuscher?

Der Fall beschäftigt die Justiz

Was damals wie der Beginn einer glänzenden Karriere wirkte, beschäftigt heute die Justiz. In Frankreich ermitteln Behörden gegen Montaclair unter anderem wegen des Verdachts auf Urkundenfälschung und Betrug. Staatsanwalt Paul-Édouard Lallois spricht von einem außergewöhnlichen Fall. Ermittler hätten Monate gebraucht, um das Geflecht zu durchdringen: „Es war alles ein gigantischer Schwindel. Man könnte daraus einen Film oder eine Fernsehserie machen“, sagte Lallois dem britischen „Guardian“.

Die Medaille wurde selbst in Auftrag gegeben

Zwar fand die Zeremonie tatsächlich statt, doch die dahinterstehende Organisation existierte laut Ermittlern nie. Die Goldmedaille soll Montaclair selbst in Auftrag gegeben haben: für rund 250 Euro bei einem Pariser Juwelier. Einige Zeit nach der Preisverleihung wurde Montaclair befördert und zum „Maître de conférences“ ernannt, eine Position, vergleichbar mit einem außerordentlichen Professor. Der Staatsanwalt meint: „Wenn man seine Medaillen einfach zu Hause stehen hat, hat das keine rechtlichen Folgen. Wenn man sie aber im Beruf nutzt und dadurch Anerkennung bekommt, kann es Richtung Betrug gehen.“

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So erklärt der Schummel-Prof seine Tat

Montaclair sieht sich nicht als Betrüger. Er argumentiert, seine Medaille sei keine Fälschung: „Eine Fälschung setzt voraus, dass es ein echtes Original gibt.“ Sein Anwalt betonte in der Zeitung „Le Monde“, die Erfindung eines Preises sei „keine Straftat“. Montaclair erklärte laut „Le Parisien“: Wenn die Auszeichnung eine Täuschung sei, dann sei er „ihr erstes Opfer“.

Weitere Ermittlungen und mögliche Haftstrafe

Im Zentrum der Ermittlungen steht die Frage: Hat Montaclair mit seinem selbst geschaffenen Preis seine Karriere vorangetrieben? In den kommenden Wochen soll der Professor, der mittlerweile vom Lehrbetrieb ausgeschlossen wurde, erneut vernommen werden. Danach entscheiden die Behörden, ob Anklage erhoben wird. Im Falle einer Verurteilung drohen ihm bis zu fünf Jahre Haft.

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