Lehel verliert Wahrzeichen: Rote Brücke über Sternstraße wird abgerissen
Ein markantes Stück Münchner Stadtgeschichte verschwindet: Die sogenannte "rote Brücke" über die Sternstraße im Lehel wird an diesem Wochenende abgerissen. Jahrzehntelang verband die Spannbetonkonstruktion zwei Gebäude der Versicherungskammer und prägte das Stadtbild des Viertels.
Totalsperrung und zügiger Abriss
Seit Freitag, eine Minute nach Mitternacht, ist die Sternstraße komplett für den Verkehr gesperrt. Die Wiederfreigabe ist für Montag, 0.01 Uhr geplant, könnte aber aufgrund des schnellen Fortschritts der Arbeiten sogar früher erfolgen. Ein riesiger Abbruchbagger und eine Seilsäge leisteten am ersten Tag bereits ganze Arbeit.
Projektleiterin Daniela Kullmann erklärte gegenüber der AZ: "Einen Brückenabriss hat man nicht alle Tage. Das ist eine diffizile Sache. Da eines der Gebäude abgerissen wird, musste sie auch weg." Zum Schutz der denkmalgeschützten Nachbarhäuser kam ein spezieller Abbruchvorhang zum Einsatz, der an einem Autokran hing.
Historischer Kontext und kulturelle Bedeutung
Die Brücke entstand in den 1970er Jahren als Verbindung für Mitarbeiter der Versicherungskammer. Tausende Autos fuhren täglich unter der Konstruktion durch. Die umliegenden Gebäude haben reiche Geschichte:
- Das Gebäude Sternstraße 3 stammt aus dem Jahr 1877 und diente einst als Amtsgebäude der Königlichen Brandversicherungs-Kammer
- Im Erdgeschoss von Maximilianstraße 53 befand sich bis 2024 das Kunstfoyer der Versicherungskammer Kulturstiftung mit 60 kostenlosen Ausstellungen
- Der Innenhof an der Sternstraße 8 war in den späten 1970er Jahren Drehort für zahlreiche Pumuckl-Filme
Umfassendes Neubauprojekt bis 2029
Der Brückenabriss markiert den Beginn eines großangelegten Bauvorhabens. Ab April werden die Gebäude an der Maximilianstraße 53 (Baujahr 1972) und Sternstraße 8 (Baujahr 1985) abgerissen. Bis 2029 entsteht hier ein sechsgeschossiger Bürokomplex nach Entwürfen des niederländischen Architekturbüros Mecanoo.
Besonders bemerkenswert: Ab 2027 wird der Bayerische Landtag Teile des Gebäudeensembles für 25 Jahre anmieten und dafür 209 Millionen Euro Miete zahlen. Eine neue Brücke ist bereits in der Planung – allerdings als leichtere, eingeschossige Konstruktion mit möglicherweise begrünten Außenflächen.
Die Veränderungen im Lehel sind somit weitreichend. Was als einfacher Brückenabriss beginnt, entwickelt sich zu einem umfassenden Stadtentwicklungsprojekt, das das Gesicht des historischen Viertels nachhaltig verändern wird.



