Münchens ungenutzte Baupotenziale: Stadt lässt Hunderte Wohnungen brachliegen
Die Stadt München verfügt über zahlreiche Flächen, auf denen dringend benötigter Wohnraum entstehen könnte. Doch trotz akuter Wohnungsnot bleiben viele dieser Grundstücke ungenutzt, und Bauprojekte verzögern sich über Jahre hinweg. Besonders im Fokus stehen dabei zwei Areale im Werksviertel, die bereits seit 2019 im Besitz der Stadt sind und Platz für insgesamt 420 Wohnungen bieten würden.
Kauf von Immobilien mit verstecktem Potenzial
Um Mieter zu schützen und den sozialen Wohnungsbau voranzutreiben, haben die Regierungsparteien Grüne und SPD in der aktuellen Legislaturperiode den Erwerb von Immobilien durch die Stadt forciert. Zwischen 2020 und 2023 hat München elf Mehrfamilienhäuser mit knapp 790 Wohnungen erworben. Die Ausgaben beliefen sich laut Kommunalreferat auf rund 470 Millionen Euro.
Doch mit diesen Käufen ging ein oft übersehenes Potenzial einher: die sogenannten Baurechtsreserven. Diese beinhalten das Recht, auf den erworbenen Grundstücken nachzuverdichten oder aufzustocken, um zusätzlichen Wohnraum zu schaffen. Nach aktuellen Angaben des Kommunalreferats wurden allein in diesem Zeitraum Reserven für mindestens 200 weitere Wohnungen mitgekauft.
CSU übt scharfe Kritik an mangelnder Umsetzung
CSU-Chef Manuel Pretzl zeigt sich über die ausbleibende Realisierung dieser Potenziale empört. "Es ist nicht akzeptabel, dass die Stadt diese Wohnungen noch nicht realisiert hat. Schließlich hat der Steuerzahler dafür schon bezahlt", so Pretzl. Er bezeichnet die Zahl von 200 potenziellen, aber ungenutzten Wohnungen als "erschreckend".
Pretzl hat bereits mehrere Anfragen gestellt, um das volle Ausmaß der Baurechtsreserven zu ermitteln. Da die Stadt auch vor 2020 Immobilien erworben hat, geht er davon aus, dass die tatsächliche Zahl noch deutlich höher liegt. Mit einer weiteren Anfrage will er nun für mehr Transparenz sorgen und auf eine schnellere Bebauung drängen.
Langwierige Planungen im Werksviertel
Ein besonders krasses Beispiel für die Verzögerungen sind die beiden Grundstücke im Werksviertel. Das eine umfasst 4.000 Quadratmeter, das andere 10.700 Quadratmeter. Laut Münchner Wohnen sind für den ersten Bauabschnitt 152 Wohnungen geplant. Ein Baubeginn soll "vorbehaltlich der Finanzierung" noch in diesem Jahr erfolgen – sieben Jahre nach dem Erwerb durch die Stadt.
Für das zweite Grundstück mit geplanten 270 Wohnungen sowie zwei Pflege-Wohngemeinschaften sieht die Perspektive noch düsterer aus. Ein Baustart ist frühestens ab 2029 vorgesehen. Die Pressestelle begründet dies damit, dass die Grundstücke noch nicht an die Münchner Wohnen übertragen wurden. Das Kommunalreferat verweist seinerseits auf den Zeitplan der Wohnungsbaugesellschaft.
Für CSU-Chef Pretzl ist dieses Tempo inakzeptabel. Er fordert eine zügige Bebauung durch die Münchner Wohnen, um die Wohnungsnot in der Landeshauptstadt zu lindern. Die Debatte um die ungenutzten Flächen und Baurechtsreserven dürfte die politische Diskussion in München weiter anheizen.



