Röbel sucht Wege aus der Innenstadt-Krise
Im Winter präsentiert sich der Röbeler Wochenmarkt mit überschaubaren Angeboten. Doch die eigentliche Herausforderung liegt woanders: Immer mehr Geschäfte in der Innenstadt stehen leer, was weniger Kundschaft anlockt – ein Teufelskreis, dem die Kommune nicht tatenlos zusehen will.
Vom Slogan zur Leere
„Fahr’ nicht fort – Kauf im Ort!“ – dieser Werbespruch einer ehemaligen Drogerie in Röbel klingt heute wie aus einer anderen Zeit. Das Geschäft existiert nicht mehr, und in zahlreichen anderen Schaufenstern der City klaffen Lücken. Besonders ältere Einwohner, die den Wandel über Jahrzehnte miterlebten, zeigen sich resigniert. Aus dem Eisladen wurde ein Reisebüro, aus der Bonbonniere ein Bestattungshaus, und nun hat auch die Post ihren Standort im Spielzeugladen aufgegeben.
„Es war mehr als nur Paketannahme“, erklärt ein alter Röbeler vor dem ehemaligen Postgeschäft. „Es war das Erzählen, die Ratschläge zur Frankierung, es war menschliche Nähe im Herzen der Stadt. Und wo die Post jetzt ist, da gehen nicht alle hin.“
Lichtblicke und Herausforderungen
Dennoch gibt es positive Signale: Ein Optiker, eine Buchhandlung, Schönheitssalons, ein Tortenladen mit Frühstücksangebot und Mobilfunkgeschäfte halten die Stellung. Dazu kommen ein Schuhladen und ein altes Familiengeschäft für Porzellan und Messer. Doch reicht das für ein pulsierendes Stadtleben? Ganze Straßenzüge stehen teilweise leer, und die Frage „Warum machen die nichts?“ hallt regelmäßig durch die Stadt.
Bürgerrat und medizinische Strategie
Bürgermeister Matthias Radtke und die Stadtverwaltung haben die Probleme erkannt. In diesem Jahr startet der Bürgerrat „Lebenswerte Innenstadt“, in dem zufällig ausgewählte Einwohner Ideen zur Stadtentwicklung sammeln sollen. Parallel setzt die Kommune auf ein Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) in zentraler Lage. „Mehr Ärzte in der City sollen Menschen aus dem Umland anlocken und Kaufkraft generieren“, so Radtke gegenüber dem Nordkurier.
Im März plant eine Delegation eine Studienreise nach Perleberg, um ein ähnliches Projekt in Aktion zu sehen. Neben medizinischen Angeboten betont der Bürgermeister die Bedeutung von Verweilorten wie Cafés und einer lebendigen Gastronomie – nicht nur in der Sommersaison.
Verkehr und Tourismus als Stützpfeiler
Der Kleine Stadtverkehr, der Bewohner aus Ortsteilen wie Marienfelde ins Zentrum bringt, soll erweitert werden, um auch die Südachse abzudecken. Gespräche mit der Verkehrsgesellschaft laufen bereits. Beim Thema Tourismus möchte die Stadt vermehrt Wohnraum statt Ferienwohnungen in der Innenstadt schaffen, doch hier stößt die Kommune an Grenzen: „Wenn ein Privater seine Immobilie vermietet – und sei es für die dritte Parfümerie – können wir dem kaum etwas entgegensetzen. Das reguliert der Markt“, erklärt Radtke.
Unternehmerisches Engagement und Kultur
„Jeder einzelne Unternehmer, der sich ansiedelt, ist ein wichtiges Rädchen“, betont der Bürgermeister. Er lobt die Solidarität unter Händlern, die Kunden bei Bedarf an andere Geschäfte verweisen. Kulturelle Angebote wie Veranstaltungen auf dem Mühlen-Areal, der Herbstmarkt mit regionalen Produkten oder die Galerie „radius“ bringen zusätzliches Leben in die Stadt. Diese Akteure wurden beim jüngsten Jahresempfang der Stadt gewürdigt.
Onlinehandel versus lokaler Einkauf
Die Konkurrenz durch Amazon und Co. stellt eine weitere Hürde dar. Ein Amtskollege aus Wittstock brachte es auf den Punkt: „Wer nur zehn Prozent seiner Online-Einkäufe in der eigenen Stadt tätigt, hat schon viel getan.“ Einzelhändler hoffen auf bewusste Kaufentscheidungen zugunsten der Region, wissen aber, dass sie nicht das gesamte Sortiment des Internets vorhalten können.
In Röbel zeigt sich ein Bild, das viele Kleinstädte in Deutschland teilen: Der Kampf gegen Leerstände erfordert kreative Lösungen, Zusammenarbeit und langen Atem. Mit Bürgerbeteiligung, medizinischen Ankern und verkehrstechnischer Anbindung versucht die Müritzstadt, ihre Innenstadt wiederzubeleben.



