Rostock stemmt Millionenprojekt: Grundstücksverkäufe finanzieren neues Volkstheater
In der Rostocker Innenstadt zwischen Lange Straße und Stadthafen schreiten die Bauarbeiten für das neue Volkstheater zügig voran. Rund 100.000 Kubikmeter Erdaushub wurden bereits abtransportiert, und die Kampfmittelsondierung ist bis auf einen kleinen Bereich abgeschlossen. Im April 2026 sollen die Bohrungen zur Nutzung von Geothermie in der Baugrube beginnen. Doch das 208 Millionen Euro teure Prestigeprojekt erfordert erhebliche finanzielle Anstrengungen der Stadt.
Verkauf von 18 Grundstücken als Finanzierungsbaustein
Um den erforderlichen Eigenanteil von 75 Millionen Euro aufzubringen, hat die Rostocker Bürgerschaft Ende 2023 beschlossen, insgesamt 18 städtische Grundstücke zu verkaufen. Dabei wurde der Grundsatz "Erbbaurecht vor Veräußerung" für diese Flächen ausgesetzt. Erbbaurecht bedeutet, dass Käufer nicht das Grundstück selbst erwerben, sondern das Recht, es über einen langen Zeitraum zu nutzen und darauf zu bauen. Statt eines Kaufpreises zahlen sie einen regelmäßigen Erbbauzins, der sich pro Jahr auf etwa 3 bis 5 Prozent des Grundstückswerts beläuft.
Zu den zur Veräußerung stehenden Grundstücken gehören unter anderem:
- Das ehemalige Best-Western-Hotel in Warnemünde
- Der aktuelle Theaterstandort im Patriotischen Weg 33
- Ehemalige Kita-Standorte und Sportplätze
- Verwaltungsgebäude und Gewerbeflächen
Die geschätzten Werte der Grundstücke reichen von weniger als einer Million bis zu weit mehr als fünf Millionen Euro.
Sechs Grundstücke bereits verkauft – Wohnraum im Fokus
Drei Jahre nach dem Bürgerschaftsbeschluss zeigt die Verkaufsbilanz erste Erfolge. "Für sechs Grundstücke gibt es bereits Käufer", sagt Arndt Draheim, Sprecher des zuständigen Eigenbetriebs Kommunale Objektbewirtschaftung und -entwicklung (KOE). Obwohl der KOE keine Details zu den konkreten Grundstücken und Käufern nennen möchte, steht fest: Mit dem Verkauf dieser ersten sechs Flächen werden insgesamt etwa 18,9 Millionen Euro eingenommen.
Die Vermarktung der sieben restlichen Grundstücke obliegt der Stadtverwaltung. Rathaussprecherin Kerstin Kanaa teilt mit: "Für einen Teil der Grundstücke gibt es bereits konkretes Kaufinteresse. Für den anderen Teil läuft die Ausschreibung beziehungsweise die Vorbereitung der Ausschreibung."
Besonders interessant: Auf allen bisher verkauften Grundstücken – mit Ausnahme einer Fläche im Güterverkehrszentrum – soll neuer Wohnraum entstehen. Im Güterverkehrszentrum ist die Ansiedlung eines Industrieunternehmens vorgesehen. Für die beiden Filetstücke, das ehemalige Best-Western-Hotel und den jetzigen Theaterstandort, finden noch baurechtliche Abstimmungen innerhalb der Stadtverwaltung statt.
Solide Finanzierung ohne Zeitdruck
Insgesamt plant der KOE, 34,5 Millionen Euro durch die Grundstücksverkäufe zu erzielen. Diese Summe fließt in den Eigenanteil von 75 Millionen Euro, der sich wie folgt zusammensetzt:
- 34,5 Millionen Euro aus Grundstücksverkäufen
- 28 Millionen Euro aus betrieblichen Jahresüberschüssen des KOE bis 2028
- 12,5 Millionen Euro Eigenmittel der Hansestadt Rostock
Zusätzlich erhält Rostock 51 Millionen Euro Fördermittel des Landes Mecklenburg-Vorpommern und nimmt einen Kredit in Höhe von 82 Millionen Euro auf. Arndt Draheim betont: "Auf Basis des bisherigen Geschäftsverlaufs sehen wir die Finanzierung des Theaterneubaus als solide gesichert." Für den Verkauf der Grundstücke bestehe kein Zeitdruck.
Die Fertigstellung des 208-Millionen-Euro-Projekts ist für das Jahr 2028 geplant. Alle Informationen zum Neubau des Rostocker Volkstheaters finden sich auf der projekteigenen Internetseite. Die Baustelle in der Innenstadt entwickelt sich damit nicht nur architektonisch, sondern auch finanziell zu einem Meilenstein der Rostocker Stadtentwicklung.



