Petritor-Neubau in Rostock endgültig abgesagt: Historische Bombenlücke bleibt ungeschlossen
Rostock • Vor zwei Jahren war die Hansestadt noch voller Hoffnung auf Investoren für den Wiederaufbau des historischen Petritores. Doch diese Hoffnungen haben sich zerschlagen. Das Millionenprojekt zur Wiedererrichtung des Stadttors ist nun offiziell gescheitert.
Jahrelange Planungen enden im Scheitern
Seit dem Jahr 2016, als Roland Methling (parteilos) noch Oberbürgermeister war, gehörte das Petritor-Projekt zu den städtebaulichen Lieblingsvorhaben im Rostocker Rathaus. Das Stadttor, das 1942 durch Bombenangriffe erheblich zerstört und später abgerissen wurde, sollte als wichtiger historischer Lückenschluss in der Östlichen Altstadt wiedererstehen. Doch jetzt ist endgültig Schluss mit diesen Plänen.
„Die Bebauungsabsicht entsprechend dem städtebaulichen Wettbewerb ‚Stadteingang Slüterstraße‛ von 2016 wird aufgehoben“, heißt es in einer aktuellen Beschlussvorlage von Oberbürgermeisterin Eva-Maria Kröger (Linke) für die Bürgerschaftssitzung am 22. April. „Die Wiedererrichtung des Petritores wird zurückgestellt. Alternativ ist eine andere städtebauliche Lösung zur Kenntlichmachung der historischen Stadtzugangssituation zu prüfen.“
Investorensuche blieb erfolglos
Die Hansestadt hatte lange Zeit intensiv nach einem Investor für das Filetgrundstück am Rand der Östlichen Altstadt gesucht. Doch es fand sich einfach kein Unternehmer, der die hier festgesetzte Bebauungsverpflichtung für ein Stadttor mit Bürogebäude umsetzen wollte. Die erste Ausschreibung der Grundstücke Slüterstraße 9 mit Petritor im Erbbaurecht in den Jahren 2024/25 scheiterte kläglich.
Die Stadt versuchte es mit einem neuen Ansatz, doch auch der angestrebte Verkauf der Grundstücksflächen einschließlich der Planungsleistungen für das Neubauvorhaben „Stadteingang Slüterstraße“ inklusive Petritor blieb ohne Erfolg. Die Flächen sollen nun öffentlich gewidmet und die neben dem bisher geplanten Petritor liegenden Grundstücksflächen privatisiert werden.
Neustart mit Konzeptausschreibung
Jetzt beginnt alles von vorne: „Geplant ist eine Konzeptausschreibung, mit der eine optimale Lösung für den Abschluss der Lückenschließung im Bereich der Östlichen Altstadt gefunden werden soll“, so Oberbürgermeisterin Kröger in der aktuellen Beschlussvorlage. Ursprünglich hatte die Stadt sogar erwogen, das Stadttor selbst wieder aufzubauen, doch diese Idee ist heute reine Utopie.
„Die ursprünglich geplante Umsetzung des aus einem Architekturwettbewerb hervorgegangenen Stadttor-Projektes sei in Anbetracht der derzeitigen Haushaltslage der Stadt aus finanziellen Gründen nicht mehr umsetzbar“, heißt es offiziell. Die finanziellen Belastungen für die Stadt sind bereits jetzt erheblich.
Finanzielle Konsequenzen für die Stadt
Das jetzt vorgeschlagene Vorgehen sei auch notwendig, um weitere finanzielle Schäden von der Stadt abwenden zu können, betont Eva-Maria Kröger. Bisher seien bereits Kosten von etwas mehr als einer Million Euro entstanden, unter anderem für:
- Planungsleistungen
- Den städtebaulichen Wettbewerb
- Vorbereitende Maßnahmen
Und weitere Kosten sind vorprogrammiert: „Das Aufheben der Bebauungsabsicht hat voraussichtlich auch die Rückzahlung der für den städtebaulichen Wettbewerb eingesetzten Städtebaufördermittel zuzüglich eines Vorteilsausgleichs durch die Stadt zur Folge“, informiert das Stadtentwicklungsamt.
Die historische Bombenlücke in Rostocks Östlicher Altstadt bleibt damit vorerst ungeschlossen. Ob eine Historismus-Variante oder moderne Version des ehemaligen Stadttors jemals realisiert wird, steht nun in den Sternen. Die Stadt sucht nach einer neuen Identität für diesen wichtigen Stadteingang, der seit Generationen eine Lücke in der Stadtstruktur darstellt.



