Zukunftszentrum Halle startet mobile Gespräche zu gesellschaftlichem Wandel seit 1989
Das bundesweite Zukunftszentrum für Deutsche Einheit und Europäische Transformation in Halle bereitet sich darauf vor, seine Arbeit mit der Bevölkerung in Deutschland und Europa aufzunehmen. „Im Herbst dieses Jahres wollen wir dann richtig nach draußen gehen“, erklärte der Leiter des Zentrums, Holger Lemme, gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Das Zentrum soll ein Ort werden, der die Transformationserfahrungen der Menschen in mittel- und osteuropäischen Ländern seit den Jahren 1989/1990 dokumentiert, archiviert und auf vielfältige Weise verarbeitet.
Mobile Räume für den Dialog
Ab Herbst plant das Team einen „mobilen Raum“, der möglicherweise als Bus oder Anhänger gestaltet wird, um unterwegs mit Menschen ins Gespräch zu kommen. Lemme kündigte an, dass die Aktivitäten im halleschen Stadtteil Neustadt starten und dann schrittweise den Radius erweitern sollen. Während dieser Gespräche liegt der Fokus auf den Erfahrungen und Fragen rund um das Thema Transformation, wobei die DDR-Zeit bewusst nicht im Mittelpunkt steht. „Dieser Zeitraum wird von anderen Institutionen erforscht und aufgearbeitet“, betonte Lemme. Für die Gestaltung des mobilen Raums läuft derzeit eine Ausschreibung.
Werkstattphase und Netzwerkaufbau
Derzeit befindet sich das Zukunftszentrum in einer sogenannten „Werkstattphase“, in der zwölf Mitarbeiter aktiv sind. Bis der Neubau am Riebeckplatz in Halle in einigen Jahren fertiggestellt ist, soll die Zahl der Beschäftigten deutlich steigen. In dieser Phase baut das Team ein Netzwerk auf, knüpft Kontakte zu potenziellen Kooperationspartnern in verschiedenen Städten und Ländern und testet unterschiedliche Veranstaltungsformate. „Es wird Zeit, einen Ort für die Geschehnisse und vor allem die Erinnerungen an den gesellschaftlichen Wandel seit 1989/1990 zu schaffen“, zeigte sich Lemme überzeugt.
Archiv der Transformation und internationale Ausrichtung
Das Zukunftszentrum verfolgt das Ziel, ein „Archiv der Transformation“ zu etablieren, in dem Erinnerungen von Zeugen der Zeit ab 1989 bis heute dokumentiert werden. Auf Basis dieser gesammelten Erfahrungen sollen Handlungsempfehlungen für aktuelle und zukünftige Transformationen in Europa erarbeitet werden. Zudem sind Ausstellungen und Veranstaltungen geplant, die ein breites Publikum ansprechen sollen – von Passanten über Schulklassen bis hin zu internationalem Fachpublikum. Das Zentrum möchte damit viele Menschen in die Saalestadt locken und einen Raum für internationalen Diskurs über Transformationen bieten.
Bislang sind die konkreten Aufgaben des Zentrums noch eher vage definiert, doch Wissenschaft, Kunst, Kultur und Dialog stehen als Schlagworte im Mittelpunkt der Arbeit. Mit diesen Initiativen will das Zukunftszentrum einen Beitrag zur Aufarbeitung und Verständigung über die tiefgreifenden Veränderungen in Europa leisten.



