Kastorfer Bürgertreff: Ein Leuchtturm gegen Einsamkeit im ländlichen Raum
Einsamkeit ist ein gesellschaftliches Problem, das zunehmend an Bedeutung gewinnt – sowohl in städtischen Ballungsräumen als auch in ländlichen Regionen. Besonders betroffen sind Menschen, deren Kinder bereits das Elternhaus verlassen haben oder die ihren Lebenspartner verloren haben. Vor diesem Hintergrund entstand vor vier Jahren in der Gemeinde Knorrendorf eine besondere Initiative: Doris Joachimi und Doris Warnke hatten die zündende Idee, einen regelmäßigen Bürgertreff ins Leben zu rufen.
Von der Idee zur festen Institution
Bürgermeister Sebastian Henke zeigte sich von Anfang an aufgeschlossen gegenüber dem Vorhaben. Bereits Ende April 2022 konnte der erste Bürgertreff im damals neu eröffneten Dorfgemeinschaftshaus in Kastorf stattfinden. Mittlerweile hat sich das Treffen zu einer festen Institution entwickelt – am vergangenen Donnerstag fand bereits die 15. Auflage statt.
„Wir dachten uns, bei so schönen Räumen in dem Dorfgemeinschaftshaus könnte man doch ein Bürgertreffen veranstalten“, erinnert sich Doris Warnke an die Anfänge. „Im ersten Jahr trafen wir uns dreimal, danach etablierten wir quartalsweise Treffen – also viermal im Jahr.“
Thematische Vielfalt und musikalische Highlights
Jeder Bürgertreff steht unter einem besonderen Motto. Der jüngste Termin war dem Internationalen Frauentag am 8. März gewidmet – jede Teilnehmerin konnte eine Rose mit nach Hause nehmen. Neben einer reich gedeckten Kaffeetafel mit selbstgebackenen Kuchen sorgte Schlagersänger René Ronell aus Loitz für musikalische Unterhaltung mit seinen selbstkomponierten Liedern.
Die musikalische Gestaltung variiert jedoch von Treffen zu Treffen. Doris Warnke berichtet: „Wir hatten auch schon Schüler aus Rosenow hier, die musikalisch für Stimmung sorgten – einmal mit einem Chor und dann mit einer Trommelgruppe. Das hat Jung und Alt richtig Spaß gemacht.“ An anderen Terminen stehen Gesellschaftsspiele oder kreative Bastelstunden im Mittelpunkt.
Ehrenamtliches Engagement und Finanzierung
Organisiert werden die Bürgertreffs von einem ehrenamtlichen Team um Doris Joachimi und Doris Warnke. „Wir finanzieren uns durch Spenden“, erklärt Joachimi. „Die Spenden sind nicht nur Geld. So wird der Kuchen auch von den Teilnehmern mitgebracht, natürlich meist selbst gebacken.“ Dieses Modell stärkt nicht nur die Gemeinschaft, sondern sorgt auch für eine nachhaltige Finanzierung der Veranstaltungen.
Zielgruppe und Herausforderungen
Die Teilnehmer der Bürgertreffs sind überwiegend ältere Menschen. Doris Joachimi führt dies auch auf den gewählten Zeitpunkt zurück: „Wir treffen uns immer nachmittags – zu einer Zeit, in der die meisten jüngeren Menschen noch auf der Arbeit sind.“ Die 70-jährige Joachimi und die 65-jährige Warnke betonen jedoch, dass jüngere Menschen ausdrücklich willkommen sind.
Die größte Herausforderung bleibt jedoch, wie Doris Warnke erklärt: „Vor allem wünschen wir uns, dass Menschen zu unseren Bürgertreffs kommen, die allein sind. Meist ist es jedoch sehr schwer, diese zu erreichen.“ Genau diese Zielgruppe – einsame Menschen im ländlichen Raum – soll durch die regelmäßigen Treffen angesprochen und unterstützt werden.
Gemeinschaftliches Wachstum und Anerkennung
Einer der jüngsten Teilnehmer beim Jubiläumstreffen war Bürgermeister Sebastian Henke, der den Organisatorinnen großes Lob aussprach. „Sie sorgen unter anderem dafür, dass die Gemeinde stärker zusammenwächst“, betonte er. Die Gemeinde Knorrendorf, die zum Amt Stavenhagen gehört, umfasst neben dem gleichnamigen Ort und Kastorf auch die Ortsteile Friedrichsruh, Gädebehn und Kleeth.
„Es ist einfach schön, wie die Menschen hier zusammenkommen“, fasst Bürgermeister Henke die Bedeutung der Bürgertreffs zusammen. Die Veranstaltungen haben sich zu einem wichtigen sozialen Kitt entwickelt, der nicht nur gegen Einsamkeit wirkt, sondern auch die Dorfgemeinschaft über Ortsteilgrenzen hinweg stärkt.



