Historische Hakenbüchsen kehren endlich nach Woldegk zurück
Nur wirkliche Kenner erkennen den unschätzbaren Wert dieser alten Eisenstangen. Für die meisten Betrachter mögen sie wie simple Rohre erscheinen, doch in Wahrheit handelt es sich um zwei historische Hakenbüchsen aus dem Jahr 1460, die nun nach Woldegk zurückgekehrt sind. Diese wertvollen Zeitzeugen wurden einst von einem Büchsenmacher oder Waffenschmied gefertigt und dienten der Verteidigung der Stadtmauer.
Die Rückkehr eines städtischen Schatzes
Über Jahrzehnte waren die Hakenbüchsen im Woldegker Mühlenmuseum ausgestellt, bis sie plötzlich verschwanden und im Neubrandenburger Museum landeten. Zur 775-Jahrfeier der Stadt im vergangenen Jahr sollte das Woldegker Eigentum endlich zurückkehren. Nach intensiven Verhandlungen und unter Berufung auf historische Urkunden, die das Eigentum der Stadt Woldegk eindeutig belegen, konnten die wertvollen Stücke zurückgewonnen werden.
Frank Michael, Mitglied des Vereinsvorstands des Schützenvereins Woldegk 1514, betont: „Damit so etwas nicht noch einmal passiert, werden die Büchsen jetzt sicher im stets verschlossenen Waffenschrank unseres Vereins verwahrt.“ Der Verein öffnet interessierten Besuchern seine Türen und bewahrt damit ein wichtiges Stück Stadtgeschichte.
Funktion und Bedeutung der historischen Waffen
Mit einem Gewicht von etwa vier Kilogramm waren diese Hakenbüchsen äußerst unhandliche Waffen. Sie wurden in Schießscharten der Stadtmauer eingehakt, um den starken Rückstoß beim Abfeuern zu kompensieren. Geladen wurden sie über die vordere Öffnung, während das Schießpulver von oben über ein kleines Loch gezündet werden musste.
Friedrich-Ernst Wilfarth, Experte für historische Waffentechnik, rekonstruiert die Nutzung dieser Büchsen im Bereich der Woldegker Stadtmauer. Da es nach 1460 zahlreiche Konflikte in und um Woldegk gab, ist es sehr wahrscheinlich, dass diese Waffen tatsächlich zum Einsatz kamen und die Stadt vor Angreifern schützten.
Tradition des Woldegker Schützenvereins
Der Schützenverein Woldegk 1514 blickt auf eine lange und traditionsreiche Geschichte zurück. Schon im 16. Jahrhundert fanden sich die ersten Schützen zusammen und entwickelten über Jahrhunderte feste Bräuche rund um das Schießen – selbstverständlich nur auf Scheiben und ähnliche Ziele.
Die Woldegker Chronik von Heimatforscher Hermann Schüßler zitiert aus dem Freimütigen Abendblatt über das Schützenfest im Jahre 1827: „Die Woche vor Johannis ist die Hauptwoche des Jahres, Jahrmarkt und Festlichkeit der Schützenzunft ... In den Häusern trifft man Vorkehrungen zum Empfang auswärtiger Verwandter, denn jeder in der Fremde wohnende Woldegker wählt gerne diese Tage zum Besuch seiner Heimat.“
Die Schützengilde wurde stets vom Rat der Stadt unterstützt, aus ganz pragmatischen Gründen: Man wollte sie „bei etwaigem Aufruhr“ zur Seite haben. Die Gilde hatte sogar einen eigenen langsamen Parademarsch, dessen Noten leider 1945 verbrannten. Chronist Schüßler vermutete keinen Geringeren als Carl Maria von Weber hinter dieser Komposition.
Moderne Vereinsaktivitäten und Nachwuchssuche
1990 wurde der Schützenverein Woldegk neu gegründet und zählt heute 38 Mitglieder. Frank Michael bestätigt, dass der Verein gerne Nachwuchs aufnehmen würde. Interessierte können sich dienstags zwischen 14 und 15 Uhr auf dem Vereinsgelände einfinden und mehr über die traditionsreiche Geschichte sowie die aktuellen Aktivitäten erfahren.
Die Rückkehr der historischen Hakenbüchsen markiert nicht nur die Wiedererlangung eines wichtigen Kulturguts, sondern unterstreicht auch die lebendige Verbindung zwischen der reichen Geschichte Woldegks und der gegenwärtigen Vereinsarbeit. Diese wertvollen Artefakte bleiben nun dauerhaft in ihrer Heimatstadt und können von künftigen Generationen bewundert werden.



