Malchower Politikreihe vor dem Aus: Ex-TV-Star Peter Hahne übt scharfe Kritik
In der Uckermark steht das beliebte Malchower Format vor seinem endgültigen Ende. Die Politikreihe, die über Jahre hinweg bedeutende Gäste und kontroverse Diskussionen in die kleine Dorfkirche brachte, wird nach der 70. Auflage eingestellt. Diese Entscheidung sorgt für erheblichen Unmut, besonders bei einem der letzten Redner der Reihe.
Wütende Reaktion eines Publikumslieblings
Der ehemalige ZDF-Moderator und Autor Peter Hahne zeigt sich im Vorfeld seines Auftritts am 7. Mai äußerst verärgert. Der 73-Jährige, der lange Jahre stellvertretender Leiter des ZDF-Hauptstadtstudios war und im öffentlich-rechtlichen Rundfunk einen Nachmittagstalk moderierte, reagierte wütend auf die Nachricht vom Aus der Reihe. „Danke für den Artikel darüber. Ich habe in zwei eindringlichen Briefen an den Kirchenvorstand gebeten, Pfarrer Thomas Dietz zu bitten, damit weiterzumachen … null Interesse, im Gegenteil“, erklärte Hahne dem Nordkurier.
Seine Prognose für das künftige Kirchenleben in Malchow fällt entsprechend düster aus: „Dann sitzt da bald nur noch ein Opa meiner Generation und macht das Licht aus.“ Der Ex-TV-Star betont, dass viele Menschen ähnliche Befürchtungen hegen, da ein Format mit dieser Strahlkraft und Reichweite, das weit über den Kirchenkreis und das Bundesland hinaus Beachtung findet, lange gesucht werden müsse.
Gemeinde sieht sich außerstande zur Fortführung
Auf der letzten Veranstaltung mit Antje Hermenau hatte Dietlind von Zitzewitz aus Cremzow im Namen des Gemeindekirchenrates um Verständnis für die schwierige Entscheidung geworben. Nach dem Weggang des pensionierten Pfarrers, der das Malchower Format vor fünf Jahren während der Coronazeit ins Leben gerufen hatte, fehle der Gemeinde einfach die Kraft, weiter solche Höhepunkte zu stemmen. Besonders problematisch: Die Suche nach einem Pastor als Nachfolger gestaltet sich bisher erfolglos.
Diese Erklärung sorgte bereits während der Veranstaltung für lautstarke Empörung im Publikum. Selbst eine von engagierten Bürgern initiierte Unterschriftensammlung konnte die Verantwortlichen nicht umstimmen. Die Entscheidung scheint endgültig.
Letzte Höhepunkte vor dem Finale
Bevor Peter Hahne mit seiner provokanten Frage „Warum macht ihr uns kaputt?“ aufwartet, wird noch der israelisch-deutsche Psychologe und Autor Dr. Ahmad Mansour aus Berlin erwartet. Der Experte für Islamismus spricht am 22. April zum Thema „Wie der Extremismus Deutschland spaltet - eine intellektuelle Selbstzerstörung?“ bei der 67. Auflage des Formats.
Nach Hahnes Auftritt folgen noch zwei weitere Veranstaltungen: Am 4. Juni spricht Maren Müller, bekannt als die Frau, die Markus Lanz stoppen wollte und Pionierin der Medienkritik. Den Abschluss bildet am 25. Juni Universitätsprofessor Dr. Dr. Christian Schubert aus Innsbruck mit dem Thema „Der Transhumanismus träumt von einer sinnentleerten Welt“.
Neue Initiativen in der Region
Während in Malchow ein bedeutendes Kultur- und Diskussionsformat zu Ende geht, entstehen andernorts in der Uckermark neue Initiativen. In Ueckermünde wird aktuell ein ähnliches Gesprächsformat aufgebaut. Dort war bereits am 25. März der Datenanalyst Tom Lausen in der Strandhalle zu Gast und berichtete über seine Arbeit in der Enquetekommission des Bundestages. Interessanterweise wurden am Rande dieser Veranstaltung sogar Unterschriften für den Erhalt des Malchower Formats gesammelt – ein Zeichen der Solidarität über Gemeindegrenzen hinweg.
Das Aus des Malchower Formats markiert somit nicht nur das Ende einer erfolgreichen Veranstaltungsreihe, sondern wirft grundsätzliche Fragen nach der Zukunft des kulturellen und politischen Diskurses in ländlichen Regionen auf. Die scharfe Kritik von Peter Hahne unterstreicht die Bedeutung solcher Formate für den gesellschaftlichen Zusammenhalt und die politische Bildung abseits der urbanen Zentren.



