Hagenower Schüler erforschen jüdische Schicksale für digitale Stolperstein-App
Schüler erforschen jüdische Schicksale für Stolperstein-App

Hagenower Gymnasiasten beleben Geschichte mit digitaler Stolperstein-App

Im mecklenburgischen Hagenow haben sich 15 engagierte Gymnasiasten tief in die Schicksale verfolgter Juden während der NS-Zeit versenkt. Ihr Ziel: Die digitale Stolperstein-App mit persönlichen Biografien und historischen Kontexten zu füllen, um das Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus lebendiger und zugänglicher zu machen.

Von goldenen Steinen zu digitalen Biografien

Bereits 15 Stolpersteine – jene im Boden verlegten Gedenktafeln des Künstlers Gunter Demnig – erinnern in Hagenow an Menschen, die verfolgt, ermordet, deportiert oder vertrieben wurden. Fünf weitere sollen folgen. Doch nun erhalten diese Mahnmale eine besondere Aufwertung: Durch die Stolpersteine-App werden aus bloßen Fakten auf Metallplatten lebendige Geschichten.

Die App ermöglicht es Nutzern, mit der Kamera ihres Smartphones Stolpersteine zu scannen und sofort die Biografie des dort Geehrten abzurufen. Diese digitale Verknüpfung von Denkmal, persönlicher Geschichte und historischem Kontext schafft eine neue Dimension des Erinnerns.

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Freiwillige Forschungsarbeit mit tiefem Engagement

Während einer schulischen Freiarbeitswoche fanden sich 14 Schülerinnen und ein Schüler freiwillig zusammen, um zunächst umfangreich zu den jüdischen Schicksalen in Hagenow zu recherchieren. Anschließend speisten sie die App mit ihren gesammelten Informationen.

Thomas Kühn, Museumsdirektor für das Museum für Alltagskultur der Griesen Gegend und die Alte Synagoge, zeigt sich begeistert: „Das Engagement, das die Schüler in dieser Sache an den Tag legen, ist wirklich beeindruckend.“ Besonders bemerkenswert: Der Nationalsozialismus hatte im bisherigen Unterricht der Jugendlichen noch keine Rolle gespielt – umso neugieriger und eifriger näherten sie sich den historischen Ereignissen.

Persönliche Berührung und aktuelle Bezüge

Die Arbeit an den Biografien ging den Schülern emotional nahe. Marie Ann beschreibt ihre Erfahrung: „Man lernt diese Person richtig nahe kennen.“ Die Jugendlichen entdeckten, dass die Menschen, über die sie forschten, Kinder, Jugendliche, Mütter und Väter waren – mit Problemen, die sich manchmal kaum von heutigen unterscheiden.

Besonders betroffen machte die Schüler die Erkenntnis, dass das, was vor über 80 Jahren mit den Juden in Hagenow geschah, auch heute wieder geschehen könnte. Diese Parallelen zur Gegenwart empfanden viele als erschreckend und zugleich als wichtige Mahnung.

Ehrenvolle Erinnerungsarbeit mit nachhaltiger Wirkung

Für Luisa und ihre Mitstreiter ist die Arbeit an der Stolperstein-App mehr als nur ein Schulprojekt: „Ich bin froh, dass wir den damals Vertriebenen, Verstoßenen, Deportierten und Getöteten mit unserer freiwilligen Arbeit noch einmal eine Ehre erweisen können.“ Durch die intensive Beschäftigung mit den Einzelschicksalen ist Geschichte für die Jugendlichen greifbarer und lebendiger geworden.

Das Hagenower Projekt zeigt beispielhaft, wie digitale Technologien die Erinnerungskultur bereichern können. Indem Schüler selbst zu Forschern werden und ihre Ergebnisse einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen, entsteht ein lebendiges Gedenken, das über Generationen hinweg wirkt und die Bedeutung historischer Verantwortung für die Gegenwart verdeutlicht.

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