Schönbecks lebendiges Gedächtnis: Eine Frau bewahrt die Dorfgeschichte
Anlässlich der bundesweiten Tage der Archive am 7. und 8. März rückt eine besondere Sammlung in den Fokus, die an einem Ort aufbewahrt wird, wo man sie vielleicht nicht vermuten würde. In Schönbeck verwahrt Ute Röglin einen Schatz von unschätzbarem ideellem Wert: die umfangreiche Ortschronik des Dorfes.
Vom Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen-Projekt zum wertvollen Archiv
Die Grundlagen dieser einzigartigen Chronik legte in den 1990er Jahren Ursula Frommann, die damals in Schönbeck lebte. Über mehrere Jahre hinweg erarbeitete sie mit bemerkenswerter Akribie und Ausdauer eine strukturierte Dokumentation der Dorfgeschichte, wie sie nur wenige Gemeinden besitzen. Frommann eignete sich damals über Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen das notwendige Handwerkszeug an, um systematisch zu recherchieren, zu sammeln und zu archivieren – und das nicht nur für Schönbeck, sondern auch für den Nachbarort Rattey.
Ute Röglin übernimmt das Ehrenamt
Vor etwa einem Jahrzehnt übernahm dann Ute Röglin das Ehrenamt der Ortschronistin. „Ich wollte nicht, dass alles in einem Keller verschwindet“, erklärt die engagierte Schönbeckerin, die sich des hohen Werts der Aufzeichnungen vollkommen bewusst ist. In ihrem 1870 errichteten Haus haben die Dokumente einen Ehrenplatz im ausgebauten Dachgeschoss erhalten.
Dank ihrer sorgfältigen Arbeit kann heute problemlos und zügig auf jeden gewünschten Ordner zugegriffen werden. Ob zur Historie der Feuerwehr, die vor kurzem ihr 100-jähriges Jubiläum feierte, oder zu anderen Themen – in Schönbeck weiß jeder: Bei historischen Fragen gibt es eine verlässliche Quelle.
Von der Ersterwähnung 1298 bis zur Gegenwart
Die Chronologie von Schönbeck beginnt mit der ersten urkundlichen Erwähnung im Jahr 1298. Schriftliche Aufzeichnungen werden durch zahlreiche Fundstücke ergänzt, die teilweise separat verwahrt werden. Die aktuelle Aufgabe der Ortschronistin besteht darin, neu hinzukommendes Material in den historischen Kontext einzuordnen und an der korrekten Stelle zu archivieren.
Ute Röglin heftet akribisch jeden Zeitungsbeitrag über die Gemeinde Schönbeck ab. Zusätzlich wird sie von den Einheimischen gut versorgt:
- Fotos von aktuellen Bauprojekten und Festen
- Bilder mit historischem Wert
- Spannende Dachbodenfunde
„Ohne diese Unterstützung hätte ich nicht diesen Fundus“, bedankt sich Ute Röglin bei ihren Mitbürgern. In Schönbeck ist allgemein bekannt, dass sie die Geschichte des Heimatortes bewahrt und pflegt.
Persönliche Berührungspunkte mit der Geschichte
Besonders emotional wird die Arbeit für Ute Röglin, wenn sie Artefakte zu ihrer eigenen Familie erhält. Ein bewegender Fund war ein Umschlag voller Todesanzeigen von Gefallenen des Zweiten Weltkrieges, die jemand aus der Zeitung ausgeschnitten hatte. Alle diese Männer stammten aus Schönbeck und der Umgebung.
Unter den Todesanzeigen befand sich auch die ihres Großvaters Walter Hardow. Er war kurz vor Kriegsende im Alter von nur 35 Jahren gefallen und hinterließ zwei Kinder. Dass ein drittes Kind unterwegs war, hat Walter Hardow nie erfahren. Solche persönlichen Verbindungen machen die historische Arbeit besonders bedeutsam.
Ehrenamt zwischen Beruf und Familie
Die Arbeit einer Ortschronistin ist zeitintensiv – und Ute Röglin ist berufstätig als Dezernatsleiterin Objektmanagement im Staatlichen Bau- und Liegenschaftsamt in Neubrandenburg. Hinzu kommt die Pflege ihrer Mutter, die eine eigene Wohnung im 1870 erbauten Haus bewohnt.
Trotz dieser vielfältigen Verpflichtungen würde Ute Röglin ihre Aufgabe als Dokumentarin der Geschehnisse in Schönbeck nicht aufgeben wollen. „In 20 Jahren können die Schönbecker dann nachschlagen, was hier so passiert ist“, betont die geschichtsinteressierte Frau die langfristige Bedeutung ihrer Arbeit.
Motorradfahren für den guten Zweck
Neben ihrer Leidenschaft für die Heimatgeschichte teilt Ute Röglin mit ihrem Ehemann ein ganz anderes Hobby: das Motorradfahren. Wobei sie selbst nur mitfährt. Ihre Touren führen das Paar schon mal bis nach Kroatien oder Italien.
Die Schönbecker sind im Polizeimotorradclub „Blue Knights“ engagiert, der soziale Projekte zugunsten bedürftiger Kinder unterstützt – eine weitere Herzensangelegenheit, der sich Ute Röglin mit großem Engagement widmet. So verbindet sie auf besondere Weise Heimatverbundenheit, historisches Bewusstsein und soziales Engagement.



