Bus statt eigenes Auto: Ein Selbstversuch im ländlichen Raum
Wenn einer eine Reise tut, dann sollte er nicht nur planen, sondern auch viel Geduld mitbringen. Das gilt insbesondere für Fahrten mit den Bussen der öffentlichen Verkehrsbetriebe in den Landkreisen Ludwigslust-Parchim und der Prignitz. Während Carsharing in Großstädten mit dichter Nahverkehrsinfrastruktur eine praktikable Alternative zum eigenen Auto darstellt, sieht die Situation in Flächengebieten ganz anders aus.
Der Selbstversuch: Von Parchim zurück nach Wittstock
Als Redakteur unserer Lokalredaktion teile ich mir mit Kollegen ein Dienstfahrzeug. Nach einem Wochenenddienst in Parchim stand der Rückweg zu meinem Zuhause bei Wittstock an. Mit dem Auto benötige ich für die gut 50 Kilometer über Bundes- und Landstraßen normalerweise etwa 45 Minuten. Da ich kein eigenes Fahrzeug besitze, entschied ich mich für die öffentlichen Verkehrsmittel.
Frohgemut machte ich mich zum Busbahnhof zwischen Ostring und Friedhofsweg in Parchim auf. Dort zeigte das Schild am Bussteig 4 als Zielort „Meyenburg“ an – das kam mir sehr entgegen, da von dort nur noch 15 Kilometer bis zu meinem Zuhause sind. Doch die Realität sah anders aus.
Die erste Überraschung: Eine Linie, die es nicht mehr gibt
Laut Fahrplan fuhr der Bus nur noch bis Klein Pankow. Der einzige Mitarbeiter des Verkehrsunternehmens VLP, den ich antraf, saß am Steuer eines Rufbusses und konnte mir nicht weiterhelfen. Ein Linienbusfahrer klärte mich schließlich auf: „Die Buslinie gibt es schon lange nicht mehr. Sie müssen mit mir bis Plau fahren und von dort aus nach Meyenburg. Von dort geht es dann mit einer Linie von ‚Prignitz-Bus‛ weiter.“
Das für 8,20 Euro erworbene Ticket galt allerdings nur bis zur Zwischenstation in Meyenburg. Einen Verbund mit gegenseitiger Anerkennung von Fahrscheinen über Landesgrenzen hinweg suchte man vergebens. Dabei wäre genau das eine kostengünstigere Lösung für Pendler.
Wartezeiten und Umstiege: Eine Geduldsprobe
Mit der Buslinie 77 fuhr ich über Lübz nach Plau am See. Am Bahnhof angekommen, musste ich feststellen, dass der Bus Richtung Meyenburg wenige Minuten zuvor abgefahren war. Die Folge: Fast eine Stunde Aufenthalt in Plau. Immerhin waren die Busse laut Fahrplan pünktlich.
In Meyenburg angekommen, wartete die nächste Herausforderung. Für den Bus der Linie 745 Richtung Wittstock musste ich erneut fast eine halbe Stunde warten. Nach fast 80 Kilometern Fahrstrecke, knapp 12 Euro Fahrkosten und rund dreieinhalb Stunden Gesamtfahrzeit erreichte ich schließlich mein Ziel.
Fazit: Öffentlicher Nahverkehr im ländlichen Raum
Man kommt mit den öffentlichen Verkehrsmitteln auch in der Fläche ans Ziel, zumindest tagsüber. Doch die langen Fahrzeiten und häufigen Umstiege machen den Bus gegenüber dem eigenen Fahrzeug nahezu chancenlos. Als Reporter, der regelmäßig Termine wahrnehmen muss, wäre ich ohne Auto schlichtweg nicht arbeitsfähig.
Die Probleme im ländlichen Nahverkehr sind vielfältig:
- Veraltete oder falsche Beschilderungen an Haltestellen
- Fehlende Verbundlösungen zwischen verschiedenen Verkehrsunternehmen
- Lange Wartezeiten durch unpassende Anschlüsse
- Hoher Zeitaufwand im Vergleich zum Individualverkehr
Solange sich an diesen grundlegenden Problemen nichts ändert, wird der Verzicht auf das eigene Auto im ländlichen Raum für die meisten Menschen eine kaum praktikable Option bleiben.



