Berliner Verkehrsbetriebe setzen auf intelligente Videoüberwachung
Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) haben ihre Sicherheitsmaßnahmen deutlich ausgebaut und verzeichnen erste Erfolge. Im Jahr 2025 sank die Zahl der Straftaten in Bussen und Bahnen des Berliner Nahverkehrs um 16 Prozent auf rund 12.560 Delikte. Dies teilte das Unternehmen mit und betonte, dass insbesondere die Investition in moderne Technologie und zusätzliches Personal Früchte trage.
KI-gestützte Videodetektion an 13 Bahnhöfen im Einsatz
Ein zentraler Baustein der Sicherheitsstrategie ist die KI-gestützte Videodetektion. Nach einem erfolgreichen Pilotprojekt am Kottbusser Tor kommt diese Technik mittlerweile an 13 weiteren Bahnhöfen zum Einsatz. Sieben weitere Standorte sollen im zweiten Halbjahr folgen. Die Kameras erkennen automatisch, ob sich Unbefugte in nicht-öffentlichen Bereichen wie Tunneln oder Gleiszonen aufhalten und senden ein Signal an die Sicherheitsleitstelle.
Derzeit prüft die BVG, ob diese Technologie auch in öffentlichen Bereichen eingesetzt werden kann. Ein entsprechendes Pilotprojekt am Kottbusser Tor ist geplant. Dadurch könnten Sicherheitskräfte schneller bei kritischen Situationen eingreifen, beispielsweise bei Personen im Gleis, Rauch- oder Brandentwicklung oder herrenlosem Gepäck. Die Abstimmung mit der Berliner Datenschutzbeauftragten läuft derzeit.
105 Millionen Euro Investition und mehr Personal
Die BVG hat im vergangenen Jahr rund 105 Millionen Euro in Sicherheitsmaßnahmen investiert. Dazu gehören:
- Gemeinsame Reinigungs- und Sicherheitsstreifen auf bestimmten U-Bahnlinien
- Erhöhung des Sicherheitspersonals auf rund 250 Bedienstete im 24-Stunden-Einsatz
- Steigerung der täglichen Einsatzstunden von 1.900 auf 2.275 Stunden
Diese Maßnahmen zeigen Wirkung: Die Zahl der Gewaltdelikte sank um 120 auf etwa 4.000 Fälle. Auch Delikte gegen BVG-Beschäftigte gingen zurück – von knapp 330 im Jahr 2024 auf etwa 270 im vergangenen Jahr. Besonders die Beleidigungen und Bedrohungen nahmen ab, während Körperverletzungen gegen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zunahmen.
Herausforderungen bei Sexualdelikten bleiben bestehen
Trotz der positiven Entwicklung gibt es weiterhin besorgniserregende Trends. Die Zahl der Sexualdelikte gegen Fahrgäste stieg auf 314 Fälle – den höchsten Stand seit 2015. Auch Nötigungen haben sich in den letzten zehn Jahren nahezu verdoppelt und lagen 2025 bei 644 Fällen. Die BVG sieht darin einen gesamtgesellschaftlichen Trend, dessen genaue Ursachen unklar bleiben.
Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) äußerte sich besorgt: „Die hohe Anzahl an Übergriffen gegen Frauen in unserer Gesellschaft, ob nun in den Öffis oder bei häuslicher Gewalt oder an anderen Orten, ist definitiv zu hoch.“ Er betonte die Notwendigkeit, öffentliche Orte und private Räume besser zu schützen.
BVG-Chef: „Jeder Angriff ist einer zu viel“
BVG-Chef Henrik Falk zeigte sich zwar erfreut über die rückläufigen Zahlen, warnte jedoch vor Selbstzufriedenheit. „Das Unternehmen könnte sich auf den Zahlen zu Straftaten im vergangenen Jahr nicht ausruhen. Jeder Angriff ist einer zu viel und jede Straftat ist eine zu viel.“ In einer Weltmetropole wie Berlin würden solche Delikte immer ein Thema bleiben. Die BVG verzeichnete im vergangenen Jahr rund 1,1 Milliarden Fahrgastfahrten – ein Umfeld, in dem Sicherheitsmaßnahmen kontinuierlich angepasst werden müssen.
Der Besuch des Regierenden Bürgermeisters in der Sicherheitsleitstelle der BVG unterstreicht die politische Bedeutung des Themas. Die Kombination aus technologischen Innovationen wie KI-Kameras und personellen Verstärkungen scheint erste Erfolge zu bringen, auch wenn bestimmte Deliktsbereiche weiterhin Herausforderungen darstellen.



