Elbvertiefung zwischen Dömitz und Hitzacker: Chance oder Horror?
Elbvertiefung Dömitz-Hitzacker: Chance oder Horror?

Eingriff in die Natur: Elbvertiefung zwischen Dömitz und Hitzacker – Horror oder Chance?

Die Elbe bei Dömitz ist malerisch, aber nicht perfekt. Nun steht zur Debatte, wie der Fluss verbessert werden kann. Bei dem Begriff „Elbvertiefung“ schrillen bei vielen die Alarmglocken. Bilder von riesigen Baggern und enormen Eingriffen im Fluss tauchen auf. Kein Wunder, dass dieses Thema auch zwischen Dömitz und Hitzacker nicht nur für Jubelstürme sorgt. Hier befindet sich die sogenannte Elbe-Reststrecke. Für sie werden derzeit immer akutere Möglichkeiten der Anpassung beziehungsweise der zukunftsfähigen Entwicklung unter Maßgabe der verkehrlichen und ökologischen Zielstellungen diskutiert.

Eingriffe in die Elbe sind eine Gefahr

Dies würde unter anderem die Vertiefung der Fahrrinne in der Elbe auf diesem Abschnitt beinhalten. Die Grünen rechts und links der Elbe sehen das als Gefahr. Deshalb haben sie das Thema nun auch nach Dömitz transportiert, weil sie festgestellt haben, dass die Problematik auf dieser Seite der Elbe noch nicht richtig angekommen ist, während links der Elbe bereits kontrovers darüber diskutiert wird. So kam es zu der etwas skurrilen Konstellation, dass der niedersächsische Minister für Umwelt, Energie und Klimaschutz, Christian Meyer (Grüne), im mecklenburgischen Dömitz seine Position zu den Planungen an der Elbe-Reststrecke erläuterte.

Elbvertiefung ist grenzüberschreitend

Schlimm ist das nicht, denn in Dömitz wurde eines richtig festgestellt: Das Thema überschreitet Grenzen. Es sollte jedoch nicht nur auf die Vertiefung der Elbe reduziert werden. Das betonte Anke Hollerbach, Leiterin des Biosphärenreservatsamtes Schaalsee-Elbe. Sie saß in Dömitz auf dem Podium und stellte klar, dass eine Elbvertiefung an dieser Stelle nicht bedeuten würde, dass Bagger im Fluss arbeiten. Die Ströme der Elbe sollen so gelenkt werden, dass der Fluss seine Rinne quasi selbst freispült. Vorzugsweise soll das durch die Veränderung der Buhnen geschehen. So der Plan, der sich jedoch noch in der Konzeptionsphase befindet.

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Für die Elbe gibt es schon lange einen Plan

Grundlage für alles ist das Gesamtkonzept Elbe (GKE). Es ist das strategische Konzept für die Entwicklung der deutschen Binnenelbe und ihrer Auen. Es wurde in enger Zusammenarbeit des Bundes und der Bundesländer in der Flussgebietseinheit Elbe unter Beteiligung von Interessenvertretungen aus Wirtschafts-, Umwelt- und Naturschutzverbänden sowie Bürgerinitiativen und Kirchen erarbeitet und am 17. Januar 2017 von Bund und Ländern beschlossen. Das GKE ist eine wesentliche Grundlage für die Anpassung beziehungsweise Entwicklung der Elbe-Reststrecke und ihrer Ufer zwischen Damnatz bei Dömitz (Elbe-km 508) und Hitzacker (Elbe-km 521). Das teilt Tobias Gierra, Projektgruppenleiter Gesamtkonzept Elbe (GKE) beim zuständigen Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) Elbe, mit. Bisher gibt es eine konzeptionelle Vorstudie, die mit allen notwendigen Institutionen und Behörden abgestimmt ist. Mehr ist bislang nicht passiert.

Niedersachsen ist gegen den Ausbau der Reststrecke

Und geht es nach Christian Meyer, sollte auch nicht mehr passieren. Das Geld, das dafür ausgegeben wird, sei nicht zielführend investiert. Die rot-grüne Landesregierung in Niedersachsen hat in ihrem Koalitionsvertrag festgehalten, dass sie gegen den Ausbau der Reststrecke ist. Der Minister fordert sogar, die Elbe aus der Liste der Bundeswasserstraßen zu streichen, weil ihre Schiffbarkeit gerade zwischen Dömitz und Hitzacker ohnehin sehr eingeschränkt ist. Das wirft die Frage auf, wer den Fluss dann unterhalten soll, wenn das WSA hier nicht mehr tätig wird. Dabei werde auch immer auf die Ökologie geschaut, die an der Elbe-Reststrecke noch nicht den Wasserrahmenrichtlinien entspricht.

Man muss ganzheitlich auf den Fluss schauen

Jürgen Meyer, Bürgermeister der Samtgemeinde Elbtalaue, sieht in der Umsetzung des GKE in Verbindung mit einer Fahrrinnenvertiefung auch eine Chance für die Ökologie. Die Veranstaltung in Dömitz machte klar, dass das Thema kontrovers betrachtet wird. Es sollte jedoch nicht nur auf den Horror-Aspekt der Vertiefung reduziert werden.

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