In Neubrandenburg sorgt das Thema Fahrradbügel in der Turmstraße weiterhin für Diskussionen. Ratsherr Steven Giermann (CDUplus) hatte bereits vor zwei Jahren die Aufstellung neuer Abstellanlagen gefordert. Nun, im Frühjahr 2026, beginnt die Stadt endlich mit der Installation – allerdings nur auf einem kurzen Abschnitt. Der Streit um die restlichen Bügel bleibt bestehen.
Versprechen aus dem Jahr 2024
Bereits vor zwei Jahren, so Giermann, sei ihm die Aufstellung von Fahrradbügeln in der Turmstraße zugesagt worden. Doch die Umsetzung ließ auf sich warten. Erst kurz vor Mai 2026 rückte ein Bautrupp an, um auf Höhe der Scheele-Apotheke Anlehnbügel zu installieren. Bis zum 6. Mai kommt es dort zu Verkehrseinschränkungen. Giermann hatte eine Anfrage an Oberbürgermeister Nico Klose (parteilos) gestellt, in der er die Verzögerung kritisierte. Die Antwort aus dem Rathaus fiel jedoch anders aus als erwartet.
Kein konkreter Beschluss?
Die Stadtverwaltung widerspricht Giermanns Darstellung. Laut Klose habe es keinen konkreten Beschluss zur Aufstellung in der Turmstraße gegeben. Der Beschluss zum Landesprogramm „Re-Start Lebendige Innenstädte M-V“ habe lediglich die Beschaffung von Innenstadtmobiliar allgemein vorgesehen. Das Kernproblem: 27 Anlehnbügel wurden aus dem Programm angeschafft – Gesamtkosten 7435 Euro, davon 5948 Euro Fördermittel und 1487 Euro städtischer Eigenanteil. Doch nicht alle sind aufgestellt. Ein Teil sei bereits im Fördergebiet installiert, weitere Standorte würden geprüft, so Klose, ohne konkrete Orte zu nennen.
Technische Hürden als Begründung
Als Hindernisse nennt die Verwaltung städtebaulich verträgliche Standorte, die unterirdische Leitungsinfrastruktur und die dauerhafte Befestigung. Die für die Turmstraße beschafften Bügel seien über Bodensysteme grundsätzlich demontierbar. Geplant sei eine weitere Aufstellung zwischen Scheele-Apotheke und der Gaststätte Uns Eck, abgestimmt mit den Versorgungsträgern. Giermann lässt diese technische Begründung nicht gelten. Auf Nachfrage erklärt er, Leitungsverläufe seien bekannt und müssten bei der Beschaffung mitbedacht werden. Sitzmöbel und Pflanzkübel seien längst angeschafft, von Fahrradständern sei ebenfalls immer die Rede gewesen. Niemand wolle sein E-Bike zwei Kilometer vom Laden entfernt anschließen.
Forderung nach dezentraler Verteilung
Giermann verlangt eine dezentrale Verteilung der Bügel über den gesamten Boulevard. Wer den Innenstadthandel unterstützen wolle, müsse „Möglichkeiten schaffen, die auf der gesamten Turmstraße bestehen“. Wie groß der Bedarf ist, lässt sich nur grob beziffern. Beim ADFC-Fahrradklimatest 2024 bewerteten rund 213.000 Teilnehmer bundesweit sichere Abstellanlagen mit der Schulnote 3,85 – leicht besser als zuvor, aber im Schnitt ausreichend. Die Befragung des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs läuft 2026 in zwölfter Auflage. Vom 1. September bis zum 30. November können Radfahrer auch in Neubrandenburg ihre Bewertung abgeben.
Teilerfolg für Giermann
Für Giermann ist die jetzt anlaufende Installation an der Apotheke ein Teilerfolg. Seine Anfrage habe Bewegung in die Sache gebracht, schreibt er. Wann und wo die übrigen Bügel aufgestellt werden, bleibt jedoch offen. Die Stadtverwaltung prüft weiterhin mögliche Standorte, ohne konkrete Zusagen zu machen.



