Flughafen München gesteht Fehler ein: 600 Passagiere mussten in Flugzeugen übernachten
Flughafen München: 600 Passagiere übernachteten in Flugzeugen

Chaotische Nacht am Flughafen München: Hunderte Passagiere festsitzen

Ein außergewöhnlicher Vorfall hat am Flughafen München für erhebliche Unruhe gesorgt. Etwa 600 Passagiere waren gezwungen, eine gesamte Nacht in Flugzeugen zu verbringen, die auf dem Rollfeld geparkt waren. Die Situation eskalierte, nachdem stundenlange Wartezeiten den Abflug unmöglich machten. Erst vier Tage nach dem Geschehen reagierte der Flughafen auf Medienanfragen und gestand „Defizite“ ein – ohne jedoch konkrete Details zu den Ursachen preiszugeben. Die Lufthansa bezeichnete die Zustände als unzumutbar.

Sechs Flüge betroffen: Wetterlage und Nachtflugregelung als Auslöser

Laut offiziellen Angaben des Airports waren insgesamt sechs Flüge mit rund 600 Reisenden involviert. Fünf davon gehörten zur Lufthansa Group, einer zu Air Arabia. Ursprünglich war von fünf Maschinen und 500 Passagieren die Rede gewesen. Ein Sprecher des Flughafens erklärte: „Zwischen 0 Uhr und 5 Uhr morgens gilt in München die strikte Nachtflugregelung, die Flüge nur nach Einzelfallgenehmigung des Verkehrsministeriums erlaubt. Um möglichst viele Verbindungen aufrechtzuerhalten, wurde eine Sonderfluggenehmigung eingeholt, die Flugzeuge ausnahmsweise bis 1 Uhr nachts auf die Rollfelder schickte.“

Doch das Wetter spielte nicht mit: „Aufgrund der außergewöhnlichen Wetterlage mussten diese Flugzeuge unvorhergesehen umkehren“, so eine Flughafen-Sprecherin. „Starker, nasser Schneefall führte zu überdurchschnittlich langen Enteisungszeiten sowie kurzfristig notwendigen Schließungen der Start- und Landebahnen zur Schneeräumung. Dadurch konnte das Zeitlimit bis 1 Uhr nicht eingehalten werden.“

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Kommunikationsdefizite und fehlende Busse verschärften die Lage

Da alle Terminals bereits belegt waren, blieben die betroffenen Maschinen auf ihren Positionen stehen. Was folgte, war laut Flughafen eine Kette von Pannen: „Aufgrund der nächtlichen Uhrzeit und Defiziten bei der Kommunikation war der Busverkehr stark eingeschränkt. Es bestand zu keiner Zeit Gefahr für die Fluggäste. Die Passagiere wurden in den Flugzeugen von den Airlines bestmöglich versorgt.“

Doch welche Defizite genau vorlagen und warum angesichts der absehbaren Probleme keine Busse vorgehalten wurden, darauf gab es bisher keine klaren Antworten. Berichte von Betroffenen, wie einer Familie, die von mangelnder Versorgung mit Nahrung und Decken sprach, werfen weitere Fragen auf.

Entschuldigungen und Entschädigungszusagen

Der Flughafen München äußerte sich reumütig: „Uns ist bewusst, dass die Lage am Donnerstagabend eine schwierige und kaum nachvollziehbare Situation für die Passagiere war. Wir entschuldigen uns dafür bei den betroffenen Fluggästen ausdrücklich.“ Die Lufthansa, die anfangs noch von „Unannehmlichkeiten“ gesprochen hatte, korrigierte ihre Haltung: „Wir bitten all unsere Gäste für diese unzumutbare Situation ausdrücklich um Entschuldigung. Lufthansa hat noch am Freitag mit den betroffenen Passagieren Kontakt aufgenommen. Die Gäste erhalten entsprechende Entschädigungszahlungen.“

Eine Sprecherin der Fluggesellschaft betonte: „Die Crews informierten die Gäste fortlaufend und versorgten sie bestmöglich mit der an Bord vorhandenen Verpflegung. Alle Flugzeuge waren beheizt und hatten ausreichend Strom.“

Rechtliche Konsequenzen unklar

Ob der Flughafen oder die Fluggesellschaften mit weiteren rechtlichen Schritten rechnen müssen, bleibt offen. Rechtsanwalt Dr. Adam Ahmed aus München wies darauf hin, dass eine unterlassene Hilfeleistung in Betracht käme, wenn es Notfälle an Bord gegeben hätte. Bisher sind solche Vorfälle jedoch nicht bekannt. Auch eine Freiheitsberaubung lag laut Jurist Raban Funk offenbar nicht vor.

Die Ereignisse werfen ein Schlaglicht auf die Herausforderungen bei extremen Wetterbedingungen und die Grenzen von Notfallplänen an großen Verkehrsknotenpunkten. Passagiere und Beobachter erwarten nun transparente Aufklärung und konkrete Maßnahmen, um ähnliche Vorfälle in Zukunft zu verhindern.

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