Autobahnen im Nordosten: Frostschäden und marode Brücken führen zu langen Baustellen
Autofahrer in Mecklen-Vorpommern, Brandenburg und Berlin müssen sich auch im Jahr 2026 auf zahlreiche Baustellen und Verkehrsbehinderungen einstellen. Sanierungsbedürftige Brücken, jahrzehntealte Fahrbahnbeläge und massive Frostschäden sorgen für umfangreiche Bauarbeiten auf den Autobahnen der Region. Die bundeseigene Autobahn GmbH plant in diesem Jahr Dutzende Baumaßnahmen im Wert von insgesamt 320 Millionen Euro, wie der Direktor der Niederlassung Nordost, Ronald Normann, am Montag in Güstrow mitteilte.
Investitionen in die drei Bundesländer
Die Verteilung der Investitionssumme zeigt deutliche Unterschiede zwischen den Bundesländern. Auf Mecklenburg-Vorpommern entfallen 76 Millionen Euro, während Brandenburg mit 181 Millionen Euro den größten Anteil erhält. Berlin bekommt 63 Millionen Euro für die Sanierung seiner Autobahninfrastruktur. Im Vergleich zum Vorjahr bedeutet dies eine deutliche Steigerung, denn 2025 wurden nur 240 Millionen Euro in die Autobahnen der Region investiert.
Witterungsbedingte Schäden und Geschwindigkeitsbegrenzungen
Neben den geplanten Sanierungsarbeiten sorgen auch die Folgen des strengen Winters für zusätzliche Herausforderungen. „Der Winter war sehr streng“, erklärt Normann. Die vielen Frost-Tau-Wechsel hätten zu zahlreichen Schlaglöchern geführt. Besonders betroffen ist die A19 zwischen Röbel und der Landesgrenze zu Brandenburg in Fahrtrichtung Rostock. Hier rechnet die Autobahn GmbH mit so vielen Schäden, dass voraussichtlich eine Geschwindigkeitsreduzierung auf 80 oder sogar 60 Kilometer pro Stunde notwendig wird. Derzeit gilt auf diesem Abschnitt noch kein Tempolimit.
Brückensanierungen in Mecklenburg-Vorpommern
In Mecklenburg-Vorpommern beginnen in diesem Jahr die Arbeiten an fünf Brückenbauwerken. Ein besonderes Projekt startet im September auf der A14, wo über die Störwasserstraße bei Plate eine Behelfsbrücke für 7 Millionen Euro errichtet wird. Auf der A24 beginnen im Dezember zudem die Arbeiten für den Ersatzneubau zwischen den Anschlussstellen Zarrentin und Wittenburg. Bereits seit Oktober 2025 laufen die Arbeiten für eine Behelfsbrücke auf der A24 zwischen Wöbbelin und Hagenow, die im September abgeschlossen werden sollen.
Großprojekte in Brandenburg
Brandenburg verfügt mit rund 800 Kilometern über die längste Autobahnstrecke der drei Bundesländer, gefolgt von Mecklenburg-Vorpommern mit knapp 580 Kilometern und Berlin mit etwa 100 Kilometern. Das größte Einzelprojekt in Brandenburg ist der Ersatzneubau der Mühlenfließbrücke bei Rüdersdorf. Für den 742 Meter langen Neubau sind über drei Jahre verteilt insgesamt 221,6 Millionen Euro eingeplant. Die Bauphase beginnt im Oktober 2026 und soll bis Juni 2030 dauern.
Auf der A10 wird bereits seit Frühjahr 2025 die Fahrbahn in beiden Richtungen zwischen Freienbrink und Königs Wusterhausen erneuert. Der erste Bauabschnitt umfasst 4,9 Kilometer und kostet 81,3 Millionen Euro. Diese Arbeiten sollen gegen Ende des Jahres abgeschlossen sein. Auch auf der A13 müssen Autofahrer von Mai bis Oktober mit Verkehrsbehinderungen rechnen, denn dann laufen zwischen Ortrand und Klettwitz in Fahrtrichtung Berlin Erhaltungsarbeiten auf einer Länge von 6,1 Kilometern für 4,9 Millionen Euro.
Herausforderungen in Berlin
Berlin stellt mit seinen nur rund 100 Autobahnkilometern die größten Herausforderungen dar, was vor allem an der hohen Verkehrs- und Einwohnerdichte liegt. Die Baustelle auf der A115 Spanische Allee wird wohl noch länger erhalten bleiben, wie Normann erklärt. Dies sei der gravierendste Eingriff in das Berliner Autobahnnetz, bei dem es viele Schwierigkeiten und Probleme gebe. Der strenge Winter habe die Arbeiten zeitweise unmöglich gemacht, sodass sich der Zeitplan um etwa drei Viertel Jahr verzögert hat. Die Arbeiten werden nun voraussichtlich bis Ende 2027 dauern.
Besondere Sorgen bereiten in Berlin die Brücken. Es gibt Bauwerke aus dem Jahr 1870, bei denen auch Denkmalschutzaspekte eine Rolle spielen. Solche historischen Brücken seien nicht einfach zu beseitigen, obwohl dies notwendig wäre, weil sie nicht mehr die erforderliche Tragfähigkeit besitzen. Die zehn Tunnel im Zuständigkeitsbereich der Niederlassung Nordost liegen alle in Berlin. Die meisten wurden bereits umfangreich saniert, wobei Beleuchtung und Fluchttüren erneuert wurden. Von Juni bis Oktober dieses Jahres muss auf der A103 der Tunnel Feuerbachstraße zwischen Saarstraße und Filandastraße in beiden Fahrtrichtungen auf zwei bis drei Kilometern Länge für rund zwei Millionen Euro instand gesetzt werden.
Insgesamt müssen sich Autofahrer in der Region auf Geduld einstellen, denn viele Baustellen werden Monate, manche sogar Jahre andauern. Die umfangreichen Sanierungsarbeiten sind jedoch notwendig, um die Sicherheit und Funktionalität der Autobahnen im Nordosten Deutschlands langfristig zu gewährleisten.



