Planspiele zum Kerosinmangel: Welche Lufthansa-Verbindungen im Ernstfall bedroht sind
Was passiert, wenn Kerosin tatsächlich knapp wird? In der Luftfahrtbranche kursieren konkrete Szenarien, Flüge zu streichen. Von Martin U. Müller, 02.05.2026, 13.17 Uhr.
Die Vorstellung, dass Flugzeuge am Boden bleiben müssen, weil der Treibstoff fehlt, ist für die Luftfahrtindustrie ein Albtraum. Doch genau mit diesem Szenario beschäftigen sich derzeit die Planer der Lufthansa. Interne Dokumente zeigen, dass das Unternehmen konkrete Notfallpläne erarbeitet hat, um auf einen möglichen Kerosinmangel zu reagieren. Besonders betroffen wären demnach bestimmte Verbindungen, die im Ernstfall als erste gestrichen werden könnten.
Hintergrund der Krise
Die Ursachen für die drohende Knappheit sind vielfältig. Steigende Rohölpreise, geopolitische Spannungen und Lieferengpässe in der Raffinerieindustrie haben die Kerosinvorräte weltweit schrumpfen lassen. Auch die Lufthansa muss sich daher auf eine Verknappung des Treibstoffs einstellen. Die Airlines haben bereits damit begonnen, ihre Flugpläne anzupassen und weniger profitable Strecken zu identifizieren.
Welche Verbindungen sind betroffen?
Laut den internen Planspielen stehen vor allem Langstreckenflüge mit geringer Auslastung auf dem Prüfstand. Dazu zählen Verbindungen zu Zielen in Nordamerika und Asien, die nicht täglich bedient werden. Auch innerdeutsche Flüge, die parallel zu bestehenden Bahnverbindungen verkehren, könnten gestrichen werden. Die Lufthansa prüft zudem, ob bestimmte Ziele saisonal oder ganz aus dem Programm genommen werden müssen.
Ein Sprecher der Lufthansa betonte jedoch, dass es sich um reine Vorsorgemaßnahmen handele. Man wolle für alle Eventualitäten gerüstet sein, um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Die genauen Streichungen würden erst bei einer tatsächlichen Treibstoffverknappung bekannt gegeben.
Reaktionen aus der Branche
Die Nachricht hat in der Luftfahrtbranche für Unruhe gesorgt. Experten warnen vor einem Dominoeffekt: Wenn die Lufthansa als größte deutsche Airline Flüge streicht, könnten auch andere Gesellschaften gezwungen sein, nachzuziehen. Dies würde zu erheblichen Einschränkungen im Flugverkehr führen und die Wirtschaft beeinträchtigen.
Verbraucherverbände fordern von den Airlines frühzeitige Informationen und flexible Umbuchungsmöglichkeiten. Passagiere sollten sich auf mögliche Ausfälle einstellen und alternative Reisemöglichkeiten prüfen.
Die Bundesregierung beobachtet die Entwicklung mit Sorge. Ein Sprecher des Verkehrsministeriums erklärte, man stehe im Austausch mit der Branche, um die Versorgung mit Kerosin zu sichern. Notfalls könne man auf strategische Reserven zurückgreifen.
Bis zu einer Entscheidung bleibt die Situation angespannt. Die Lufthansa wird voraussichtlich in den kommenden Wochen konkrete Maßnahmen vorstellen, falls sich die Lage nicht entspannt.



