Rostocks Straßenbahnstreit: SPD will Westroute stoppen und Kleingärten retten
Rostock: SPD will Straßenbahn-Westroute stoppen

Rostocks Straßenbahnstreit: SPD will Westroute stoppen und Kleingärten retten

In Rostock entzündet sich ein heftiger politischer Konflikt um die geplante Erweiterung des Straßenbahnnetzes. Während die Stadtverwaltung und die Rostocker Straßenbahn AG (RSAG) auf die sogenannte Tram West setzen, will die SPD-Fraktion in letzter Minute die Pläne stoppen und stattdessen die Ostroute vorantreiben. Der Streit dreht sich um Bäume, Kleingärten und Millioneninvestitionen.

Beschlussvorlage für Tram West liegt vor

Für die Bürgerschaftssitzung am 4. März 2026 wurde die Beschlussvorlage zum Bau der Straßenbahnnetzerweiterung zwischen Trotzenburg und Hamburger Straße vorgelegt. Es handelt sich um eines der größten Infrastrukturprojekte der RSAG in den vergangenen Jahrzehnten mit einem Investitionsvolumen von mehr als 90 Millionen Euro. Nach langen Planungen und Bürgerbeteiligungen wurde Ende 2025 die Tram West als Vorzugsvariante festgelegt.

SPD fordert Rückkehr zur Ostroute

Der SPD-Fraktionsvorsitzende Thoralf Sens erklärt: „Stattdessen sollen die Planungen zur sogenannten Ostroute wieder aufgenommen werden. Das ist die bessere Variante.“ Die Ostroute würde vom Zoo über den Trotzenburger Weg, die Tschaikowskistraße, Händelstraße, Ulrich-von-Hutten-Straße zur Goerdelerstraße und schließlich zur Hamburger Straße führen. Sens betont: „Für die Ostroute müssen keine Bäume gefällt werden und es müssen keine Kleingärten geopfert werden.“

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Im Gegensatz dazu verläuft die Tram West etwa 3,9 Kilometer von der Rennbahnallee über den Barnstorfer Ring, Groß Schwaßer Weg, vorbei am CJD-Schulstandort, durch den Edelweißweg entlang der Goerdelerstraße bis zur Hamburger Straße. Laut Sens würden bei dieser Variante mehr als 200 Bäume sowie Teile des Barnstorfer Waldes fallen. Besonders kritisch sieht er den Verlust von mindestens 53 Kleingärten am CJD-Campus, deren Kompensation unklar sei.

Stadtverwaltung verteidigt Tram West

Bausenatorin Dr. Ute Fischer-Gäde (Grüne) verteidigt die Westroute entschieden: „Der Korridor West bietet die deutlich besseren Voraussetzungen für eine Realisierung der Straßenbahnneubaustrecke.“ Diese Vorzugsvariante sei nach intensiver Planungsarbeit festgelegt worden. Eine erneute Prüfung der Ostroute würde erhebliche Zeitverzögerungen verursachen.

Fischer-Gäde weist darauf hin, dass auch die Ostvariante erhebliche Eingriffe in geschützte Alleenbaumbestände erfordern würde, insbesondere im Bereich der Händel- und Tschaikowskistraße. Sie spricht von der Fällung von mindestens rund 180 Bäumen. Der Korridor Ost sei zwar umfassend untersucht worden, weise aber in maßgeblichen Bewertungskriterien Nachteile gegenüber dem Korridor West auf.

Oberbürgermeisterin unterstützt das Projekt

Oberbürgermeisterin Eva-Maria Kröger (Linke) unterstreicht die große Bedeutung des Vorhabens: „Die Tram West ist ein Schlüsselprojekt für die Stadtentwicklung Rostocks.“ Mit der Vorzugsvariante schaffe man die Grundlage, um Stadtteile im Westen langfristig sicher und besser anzubinden. Nach Abschluss des Planfeststellungsverfahrens ist der Bau der Tram-West-Trasse für den Zeitraum von 2028 bis 2031 vorgesehen.

Historischer Kontext des Konflikts

Bereits vor drei Jahren gab es im Zuge der geplanten Straßenbahnerweiterung Proteste von Kleingärtnern in Rostock, die den Verlust ihrer Gärten befürchteten. Die aktuelle Debatte zeigt, dass diese Befürchtungen nach wie vor bestehen. Die SPD positioniert sich klar als Schutzmacht der Kleingärten und des städtischen Grüns, während die Stadtverwaltung auf verkehrliche und stadtplanerische Notwendigkeiten verweist.

Der Ausgang der Bürgerschaftssitzung am 4. März wird entscheidend sein für die Zukunft des Rostocker Nahverkehrs und das Schicksal der betroffenen Kleingärten. Beide Seiten bereiten sich auf eine intensive politische Auseinandersetzung vor, bei der es um weit mehr geht als nur um eine Straßenbahnstrecke.

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