„Saftbahn“ bei Bitterfeld: Machbarkeitsstudie sieht Chancen für Reaktivierung der Bahnstrecke
„Saftbahn“ bei Bitterfeld könnte reaktiviert werden

Neue Hoffnung für die historische „Saftbahn“: Studie sieht Chancen für Wiederbelebung

Seit dem Jahr 2002 rollt kein Personenzug mehr auf der als „Saftbahn“ bekannten Bahnstrecke im Landkreis Anhalt-Bitterfeld. Nun zeichnen sich nach einer aktuellen Machbarkeitsstudie konkrete Möglichkeiten für eine Wiederbelebung der historischen Verbindung zwischen Bitterfeld, Zörbig und Stumsdorf ab. Die vom Land Sachsen-Anhalt in Auftrag gegebene Untersuchung bewertet die Reaktivierung als wirtschaftlich sinnvoll.

Kosten von 130 Millionen Euro und positive Wirtschaftlichkeitsberechnung

Die Machbarkeitsstudie schätzt die Kosten für die Reaktivierung und Elektrifizierung der Strecke auf rund 130 Millionen Euro. Laut der Nahverkehrsgesellschaft Nasa hat sich ein positives Kosten-Nutzen-Verhältnis ergeben, insbesondere in Verbindung mit der stündlichen Verlängerung der S2-Linie von Leipzig nach Köthen. Infrastrukturministerin Lydia Hüskens (FDP) betonte bei der Vorstellung der Studie, dass Reaktivierungen stillgelegter Bahnstrecken eine wichtige Möglichkeit darstellen, um Kapazitätsengpässe im Verkehrsnetz zu beseitigen.

„Man setze auf das bestehende, bereits sehr dichte Streckennetz in Sachsen-Anhalt“, so Hüskens. „Reaktivierungen könnten, sofern noch Infrastruktur vorhanden ist, wirtschaftlich sinnvoll sein. Dies ersetze aber nicht den notwendigen Neubau von Strecken.“

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31.000 Menschen würden neu ans S-Bahn-Netz angebunden

Die Nahverkehrsgesellschaft Nasa prognostiziert beeindruckende Effekte durch das Reaktivierungsprojekt:

  • Rund 31.000 Menschen könnten neu an das Mitteldeutsche S-Bahn-Netz angebunden werden
  • Sandersdorf, Zörbig und Köthen erhielten eine direkte Verbindung in die Metropolregion Leipzig
  • Verbesserter Zugang zu Arbeitsplätzen, Bildungs- und Versorgungsangeboten
  • Stärkung der Verflechtung mit dem mitteldeutschen Wirtschaftsraum
  • Erhöhte Attraktivität der Kommunen als Wohn- und Unternehmensstandorte

Gleichzeitig verbessere die direkte Schienenanbindung die Erreichbarkeit wichtiger Gewerbe- und Industriestandorte wie dem Chemiestandort Bitterfeld-Wolfen, dem Industriegebiet Brehna und dem Technologiepark Mitteldeutschland. Auch touristisch könnte die Region um den Großen Goitzschesee von der besseren Anbindung profitieren.

Historische Bedeutung und aktuelle Entwicklung

Die Strecke trägt den Namen „Saftbahn“, weil über sie historisch landwirtschaftliche Produkte wie Zuckerrübensirup transportiert wurden. Eröffnet wurde die Bahnverbindung bereits im Jahr 1897 und sie war vor allem für Berufspendler in das Kohle- und Chemierevier von Bitterfeld und Wolfen von großer Bedeutung.

Der Personenverkehr auf der Strecke Bitterfeld-Stumsdorf ist seit September 2002 ausgesetzt. Auf Betreiben der Stadt Zörbig wurde im August 2005 der Streckenabschnitt zwischen Bitterfeld und Zörbig zumindest für den Güterverkehr wieder in Betrieb genommen. Die Entwicklung der Region habe zunehmend aber auch mögliche Perspektiven für den Personenverkehr erkennen lassen, so die Nasa.

Fahrgastverband begrüßt Reaktivierung, mahnt aber weitere Investitionen an

Nach Angaben des Fahrgastverbands Pro Bahn wäre es die erste Reaktivierung einer stillgelegten Bahnstrecke in Sachsen-Anhalt überhaupt. Der Verband begrüßt das Vorhaben grundsätzlich, warnt jedoch davor, darüber den Neubau und die Sanierung bestehender Strecken zu vernachlässigen.

Mit der Reaktivierung würden neue Verkehrsstationen am Chemiepark Bitterfeld, in Sandersdorf, Großzöberitz und Zörbig entstehen. Infrastrukturministerin Hüskens bezeichnete die Machbarkeitsstudie als wichtigen Schritt auf dem Weg zur Reaktivierung. „Nun müsse sich im Detail zeigen, ob das Vorhaben finanziert werden könne“, so die Ministerin.

Die Studie markiert damit einen bedeutenden Meilenstein für die Verkehrsentwicklung in der Region und gibt Anlass zur Hoffnung, dass die historische „Saftbahn“ bald wieder mit Personenzügen befahren werden könnte.

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