80 Kilometer in 3,5 Stunden: Selbstversuch zeigt gnadenlos, warum Auto-Verzicht auf dem Land so schwer fällt
Selbstversuch: Warum Auto-Verzicht auf dem Land so schwer fällt

80 Kilometer in 3,5 Stunden: Selbstversuch zeigt gnadenlos, warum Auto-Verzicht auf dem Land so schwer fällt

In den urbanen Zentren Deutschlands gilt Carsharing als elegante Lösung für private Mobilitätsprobleme. In Metropolen mit dichter Nahverkehrsinfrastruktur, wo Busse und Bahnen rund um die Uhr verkehren, kann man getrost auf ein eigenes Fahrzeug verzichten und bei Bedarf flexibel auf geteilte Autos zurückgreifen. Die Anbieter offerieren dabei eine breite Palette – vom kompakten Stadtauto bis zum geräumigen Transporter.

Carsharing auf dem Land: Eine unrealistische Vision

Doch wie gestaltet sich die Situation in ländlichen Regionen wie dem Landkreis Ludwigslust-Parchim und der angrenzenden Prignitz? Ein praktischer Selbstversuch offenbart die ernüchternde Realität. Gewisse Formen des Fahrzeugteilens existieren zwar auch hier im Kleinen. So teilen sich beispielsweise die Mitglieder einer Lokalredaktion in einem Verlag regelmäßig ein Dienstfahrzeug. Kürzlich brachte ich nach einem Wochenenddienst genau solch ein Auto nach Parchim zurück, parkte es ab und hinterlegte den Schlüssel in der Redaktion.

Nun stand die Heimreise zu meinem Wohnort in der Nähe von Wittstock an. Mit dem eigenen Pkw benötigt man für die gut 50 Kilometer über Bundes- und Landstraßen üblicherweise etwa 45 Minuten. Da ich kein eigenes Fahrzeug besitze, entschied ich mich, die Strecke mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurückzulegen. Optimistisch machte ich mich auf den Weg zum zentralen Busbahnhof zwischen Ostring und Friedhofsweg.

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Irreführende Beschilderung und komplizierte Umstiege

Am Bussteig vier wies das Zielschild tatsächlich „Meyenburg“ aus. Das erschien vielversprechend, denn von dort sind es nur noch 15 Kilometer bis zu meinem Heimatort. Allerdings fuhr der Bus laut aktuellem Fahrplan lediglich bis Klein Pankow. Der einzige anwesende Mitarbeiter des Verkehrsunternehmens VLP saß am Steuer eines Rufbusses und konnte keine weiterführende Auskunft erteilen.

Ein Linienbusfahrer klärte mich schließlich auf: „Diese Buslinie existiert schon lange nicht mehr. Sie müssen mit mir bis Plau fahren und von dort aus nach Meyenburg weiterreisen. Von Meyenburg aus geht es dann mit einer Linie des ‚Prignitz-Bus‘ weiter.“ Das für 8,20 Euro erworbene Ticket galt jedoch ausschließlich bis zur Zwischenstation in Meyenburg. Eine durchgängige Verbundlösung mit gegenseitiger Anerkennung der Fahrscheine, vielleicht sogar über Landesgrenzen hinweg, bleibt Wunschdenken. Dabei könnte genau dies die Reise deutlich kostengünstiger und einfacher gestalten!

Extreme Fahrzeiten fordern Geduld heraus

So fuhr ich mit der Buslinie 77 über Lübz nach Plau – nur um am dortigen Bahnhof festzustellen, dass der Bus Richtung Meyenburg wenige Minuten zuvor abgefahren war. Die Folge: fast eine Stunde Wartezeit. Immerhin verkehrten die Busse laut Fahrplan pünktlich. Am Bahnhof in Meyenburg musste ich erneut fast eine halbe Stunde auf den Bus der Linie 745 Richtung Wittstock warten. Nach insgesamt fast 80 Kilometern Fahrstrecke, knapp 12 Euro Fahrkosten und rund dreieinhalb Stunden Gesamtfahrzeit erreichte ich endlich mein Ziel.

Fazit: Man gelangt mit öffentlichen Verkehrsmitteln auch in ländlichen Regionen ans Ziel, zumindest bei Tageslicht. Doch die immensen Fahrzeiten machen den Bus gegenüber dem eigenen Auto nahezu chancenlos. Als Reporter wäre ich ohne eigenes Fahrzeug schlichtweg nicht arbeitsfähig!

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