Tanktourismus nach Polen boomt: Deutsche fahren für günstigen Sprit über die Grenze
Tanktourismus nach Polen: Deutsche fahren für günstigen Sprit

Tanktourismus nach Polen boomt: Deutsche fahren für günstigen Sprit über die Grenze

Die Benzin- und Dieselpreise in Polen liegen nach wie vor deutlich unter dem Niveau, das Autofahrer in Deutschland pro Liter bezahlen müssen. Dieser Preisunterschied führt dazu, dass viele Deutsche spontane Fahrten über die Grenze unternehmen, um ihre Tanks zu füllen. An den polnischen Tankstellen, insbesondere in Grenzregionen wie Swinemünde, reihen sich häufig Autos mit deutschen Kennzeichen aneinander.

Massive Preisunterschiede motivieren zum Grenzübertritt

In der vergangenen Woche konnten Autofahrer durchschnittlich fast 40 Cent pro Liter Super sparen, wenn sie in Polen tankten. Während der Liter Benzin in Deutschland oft bei etwa 1,80 Euro lag, kostete er direkt hinter der Grenze in Swinemünde nur rund 1,40 Euro. Diese erhebliche Differenz macht den Tanktourismus für viele Fahrer attraktiv, selbst wenn längere Anfahrtswege in Kauf genommen werden müssen.

Steuern und Abgaben als Hauptursache für hohe deutsche Preise

Laut ADAC gibt es mehrere Gründe für die hohen Tankpreise in Deutschland, die alle mit Steuern und Abgaben zusammenhängen. Die Energieerzeugungssteuer, früher als Mineralölsteuer bekannt, schlägt mit stolzen 65,45 Cent pro Liter Benzin und 47,04 Cent pro Liter Diesel zu Buche. Zusätzlich kommt auf den gesamten Tankbetrag die Mehrwertsteuer von 19 Prozent obendrauf.

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CO₂-Abgabe als weiterer Kostentreiber

Ein weiterer signifikanter Faktor ist die CO₂-Abgabe, die 2021 eingeführt wurde, um den Ausstoß von Treibhausgasen zu reduzieren. Die Einnahmen fließen in den Klima- und Transformationsfonds und dienen der Wirtschaftsförderung und dem Klimaschutz in Deutschland. Der Preis stieg von anfänglich 25 Euro je Tonne Kohlendioxid auf 55 Euro im Jahr 2025. Seit 2026 bildet sich der Preis durch die Versteigerung von begrenzt verfügbaren CO₂-Zertifikaten, die sich laut ADAC in einem Korridor von 55 bis 60 Euro bewegen.

Bei einem angenommenen Preis von 60 Euro pro Tonne CO₂ kostet ein Liter Benzin im Jahr 2026 etwa 17 Cent und ein Liter Diesel ganze 19 Cent mehr als ohne diese Abgabe. Diese zusätzlichen Belastungen machen das Tanken in Deutschland deutlich teurer und treiben viele Verbraucher über die Grenze.

Persönliche Erfahrungen: „Eine Stunde Fahrt lohnt sich“

Für den deutschen Autofahrer Harald W., der in Polen nicht nur sein Auto, sondern auch einen Extra-Kanister volltankt, sind diese hohen Abgaben unverständlich. „Wir müssen doch mal schauen, dass die Leute wieder ein wenig mehr Geld in der eigenen Tasche haben“, erklärt der Rentner dem Nordkurier. Er nimmt bewusst eine dreißigminütige Fahrt auf sich, um vom Festland auf die Insel zu gelangen. „Wenn ich hier volltanke und dann noch einkaufe, lohnt sich das auf jeden Fall“, betont er.

Ein einfaches Rechenbeispiel verdeutlicht die Ersparnis: Bei einer Gesamtstrecke von 100 Kilometern und einem durchschnittlichen Benzinpreis in Polen von 1,42 Euro kosten Hin- und Rückweg lediglich 8,52 Euro. Ein 50-Liter-Tank mit Super kostet in Deutschland im Durchschnitt etwa 87,50 Euro, in Polen dagegen nur 71 Euro. Die Differenz von fast acht Euro reicht in Polen für ein gutes Mittagessen, wie Harald grinsend anmerkt.

Lange Anfahrtswege rechnen sich noch immer

Selbst wenn man andere Gründe für einen Ausflug nach Polen, wie günstigere Zigaretten oder Wocheneinkäufe, außer Acht lässt, lohnt sich nach dieser Rechnung eine Anfahrt von mehr als 80 Kilometern allein zum Tanken. Es ist daher kein Wunder, dass an den Tankstellen direkt hinter der Grenze hauptsächlich deutsche Autos zu sehen sind. Der Tanktourismus bleibt für viele Deutsche eine attraktive Möglichkeit, trotz steigender Lebenshaltungskosten zu sparen.

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