Winterreifen im Sommer: Bis zu 10.000 Euro Risiko trotz fehlendem Wechselzwang
Winterreifen im Sommer: Teures Risiko bis 10.000 Euro (18.03.2026)

Winterreifen im Sommer: Ein teures Sicherheitsrisiko

In Deutschland herrscht eine situative Winterreifenpflicht, die sich an den Witterungsverhältnissen orientiert. Die gängige Faustregel „von O bis O“ – also von Oktober bis Ostern – dient vielen Autofahrern als Richtlinie. Doch was passiert, wenn man auch nach Ostern weiterhin mit Winterreifen unterwegs ist? Zwar gibt es kein Gesetz, das den Wechsel zu Sommerreifen im Frühjahr vorschreibt, doch das Risiko ist erheblich.

Die versteckte Gefahr: Versicherungsrechtliche Konsequenzen

Die meisten Autofahrer wissen, dass Winterreifen bei sommerlichen Temperaturen schneller verschleißen, den Spritverbrauch erhöhen und die Höchstgeschwindigkeit reduzieren. Was jedoch weniger bekannt ist: Kommt es zu einem Unfall, kann die Verwendung von Winterreifen im Sommer die Schuldfrage negativ beeinflussen. Selbst wenn man sich an alle Verkehrsregeln gehalten hat, können Versicherungen das Verhalten als grob fahrlässig einstufen.

Die Kfz-Haftpflichtversicherung übernimmt in der Regel die Kosten für Schäden, die man mit Winterreifen im Sommer verursacht. Bei einer Kaskoversicherung sieht die Sache anders aus: Wenn die Versicherung nachweisen kann, dass die Reifen aufgrund hoher Temperaturen an Stabilität verloren haben, muss sie nicht für die Schäden am eigenen Fahrzeug aufkommen. Die weiche Gummimischung von Winterreifen ist für sommerliche Bedingungen nicht ausgelegt.

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ADAC-Test belegt: Deutlich längere Bremswege

In einem aktuellen Test hat der ADAC drei verschiedene Winterreifen-Modelle mit unterschiedlichen Profiltiefen unter sommerlichen Bedingungen geprüft und mit Sommerreifen verglichen. Die Ergebnisse sind alarmierend: Auf trockener Straße verlängerte sich der Bremsweg aus Tempo 100 km/h mit Winterreifen erheblich. Ein Fahrzeug mit Sommerreifen kam vor einem Hindernis bereits zum Stehen, während das Auto mit Winterreifen noch mit etwa 37 km/h unterwegs war.

Verursacht ein Autofahrer beispielsweise einen Auffahrunfall, kann die Versicherung argumentieren, dass dieser nur aufgrund der verlängerten Bremswege mit Winterreifen geschehen konnte. In solchen Fällen kann ein Schaden schnell mehr als 10.000 Euro kosten.

Praktische Tipps für den Übergang

Der ADAC empfiehlt, rechtzeitig auf Sommerreifen zu wechseln. Wer jedoch aus Nachhaltigkeitsgründen abgenutzte Winterreifen weiterfahren möchte, sollte folgende Punkte beachten:

  • Hohe Temperaturen meiden: Die Nutzung in der Übergangszeit (Mai/Juni) ist weniger kritisch, da die Temperaturen noch nicht konstant hoch sind. Im Hochsommer stellen Winterreifen aufgrund der hohen Asphalttemperaturen ein Sicherheitsrisiko dar.
  • Profiltiefe beachten: Winterreifen mit nahezu voller Profiltiefe (über vier bis fünf Millimeter) sollten im Sommer nicht weiterverwendet, sondern für den nächsten Winter aufgehoben werden. Bei reduzierter Profiltiefe können die Nachteile geringer ausfallen. Allerdings sollte das Profil nicht weniger als drei Millimeter betragen, da sonst das Aquaplaning-Risiko steigt.
  • Geschwindigkeit reduzieren: Hohe Geschwindigkeiten können dazu führen, dass Winterreifen überhitzen und ihre Leistung beeinträchtigt wird.
  • Beladung berücksichtigen: Besonders bei voll beladenen Fahrzeugen, etwa auf Urlaubsreisen, ist die Verwendung von Winterreifen im Sommer kritisch. Hohe Temperaturen und schwere Lasten führen zu einer stärkeren Erwärmung der Lauffläche und unzureichendem Grip.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Auch wenn es keine gesetzliche Pflicht zum Reifenwechsel gibt, sollte die Nutzung von Winterreifen im Sommer gut überlegt sein. Die finanziellen und sicherheitstechnischen Risiken sind erheblich und können im Ernstfall teuer zu stehen kommen.

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