Mieten in Güstrow explodieren: Wohnungssuche wird zur Geduldsprobe
Trübe Aussichten für Wohnungssuchende in der Barlachstadt Güstrow. Der Mietmarkt ist hart umkämpft, und die Preise steigen kontinuierlich. Nettokaltmieten von bis zu 16 Euro pro Quadratmeter werden inzwischen verlangt, während ein offizieller Mietspiegel fehlt. Die Wohnungssuche entwickelt sich für viele zur zermürbenden Geduldsprobe.
Harte Konkurrenz und hohe Preise
„Da haben Sie ja was vor sich! Mein Beileid!“ oder „In der Innenstadt? Können Sie vergessen!“ – solche niederschmetternden Sätze hören Wohnungssuchende in und um Güstrow derzeit häufig. Die Nachfrage übersteigt das Angebot bei Weitem. Viele Pendler aus dem nahen Rostock, wo die Mieten explodieren, suchen nun in Güstrow nach bezahlbarem Wohnraum. Gleichzeitig gibt es in der Stadt selbst wenig verfügbare Wohnungen.
Private Vermieter in der City wissen um ihre starke Position und verlangen zwischen 12 und 16 Euro Miete pro Quadratmeter netto kalt. Selbst auf dem platten Land bei Schwaan werden WG-Zimmer von elf Quadratmetern für 450 Euro angeboten. Die Konkurrenz ist enorm: Auf Portalen wie ImmoScout oder ebay Kleinanzeigen tummeln sich oft bis zu 800 Interessenten auf einer einzigen Wohnungsanzeige.
Erfahrungen aus der Praxis
Björn Kozic, Geschäftsführer der Integra Güstrow, suchte Wohnungen für indische Arbeitskräfte und machte ähnliche Erfahrungen. „In der Innenstadt war das einfach hoffnungslos“, berichtet er. Interessant fand er jedoch, dass die Angebote in der Südstadt zunehmend hochwertiger werden, da viele Familien hier Wohnungen suchen. Dies gebe Hoffnung, dass die sogenannten Satellitenstädte im Wohnniveau angehoben würden.
Besonders schwierig wird die Suche für Menschen mit Haustieren. Sehr häufig akzeptieren Vermieter keine Hunde oder Katzen. Kathrin Büttner, Mutter mit Kindern, einem Hund und zwei Katzen, beschreibt ihre Suche als „wie die Nadel im Heuhaufen zu suchen“. Nach einer einjährigen, frustrierenden Wohnungsjagd fand die Familie schließlich in der Falkenflucht eine Unterkunft – nur durch private Beziehungen.
Fehlender Mietspiegel und rechtliche Lücken
Ein zentrales Problem: Güstrow verfügt über keinen Mietspiegel, anders als etwa Rostock. Matthias Geißer, Anwalt des Mietervereins Rostock, spricht von einem „Wildwest“-Feeling bei Mieterhöhungen. Zwar beschränken gesetzliche Kappungsgrenzen die Preisanstiege, aber während in Rostock die Miete alle drei Jahre nur um maximal 15 Prozent erhöht werden darf, sind in Güstrow 20 Prozent der Normalfall.
Hinzu kommt, dass die „Mietpreisbremse“, die den Mietanstieg bei Neuvermietung limitiert, in Güstrow nicht gilt. Geißer bestätigt den „Speckgürteleffekt“ von Rostock: Viele Menschen weichen in die nahegelegene Barlachstadt aus, weil die Mieten in der Hansestadt bereits mit denen in München verglichen werden.
Politische Perspektiven und steigende Nebenkosten
Constanze Oelrich, wohnungspolitische Sprecherin von Bündnis 90/Die Grünen in Mecklenburg-Vorpommern, betont: „Der Wohnungsmarkt im Land insgesamt spitzt sich zu.“ Bestandsmieten bildeten die Vergangenheit ab, während die soziale Realität sich bei Neuverträgen und in Regionen mit angespanntem Wohnungsmarkt entscheide.
Vor allem steigende Nebenkosten und Wärmepreise belasten Mieter zusätzlich. „Diese können vermeintlich günstige Kaltmieten vollständig aufzehren“, so Oelrich. Zudem fielen mehr Sozialwohnungen weg, als neue entstünden. Leerstände im ländlichen Raum könnten das Problem an beliebten Orten wie Güstrow nicht auffangen.
Fazit: Die Wohnungssuche in Güstrow bleibt eine Herausforderung. Ohne politische Maßnahmen und mehr Wohnungsbau wird sich die Situation voraussichtlich weiter verschärfen.



