Curevac-Gründer wirft Biontech Trickserei bei Standortschließung vor
Curevac-Gründer wirft Biontech Trickserei vor

Der Tübinger Standort des einstigen Corona-Hoffnungsträgers Curevac soll nach der Übernahme durch Biontech bis Ende 2027 geschlossen werden. Rund 820 Arbeitsplätze sind betroffen. Biontech plant zudem Schließungen in Idar-Oberstein, Marburg und Singapur. Insgesamt könnten bis zu 1860 Stellen gestrichen werden.

Scharfe Kritik von Curevac-Gründer Ingmar Hoerr

Curevac-Gründer Ingmar Hoerr (58) äußerte sich deutlich: „Ich finde es total unlauter. Das ist fast schon Trickserei, meiner Meinung nach, weil wir alle im guten Glauben gehandelt haben, dass die Übernahme im Sinne von Curevac sei und dadurch ein gemeinsames, starkes Unternehmen wird.“ Er fügte hinzu, die Übernahme hätte nie erfolgen dürfen. Hoerr vermutet zudem, dass Biontech die Übernahme möglicherweise von Anfang an auch nutzte, um Patentstreitigkeiten mit Curevac zu umgehen.

Gewerkschaft kritisiert Aktionärsorientierung

Die Gewerkschaft IGBCE schloss sich der Kritik an. Roland Strasser, Leiter des Landesbezirks Rheinland-Pfalz-Saarland, sagte: „Aus kurzfristigem finanziellem Kalkül streichen sie radikal Produktionskapazitäten zusammen und schaden damit der Resilienz des Pharma- und Biotech-Standorts Deutschland.“ Er ergänzte: „Jetzt wird skrupellos Produktion geopfert, um die Aktionäre zu beeindrucken.“

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Biontech begründet Schließungen mit Überkapazitäten

Biontech begründet die Werkschließungen mit Überkapazitäten, zu geringer Auslastung und Kostendruck. Die Biontech-Gründer Ugur Sahin (60) und Özlem Türeci (59) hatten zuvor angekündigt, das Unternehmen bis Ende 2026 zu verlassen.

Vom Hoffnungsträger zum Standortverlust

Curevac galt neben Biontech lange als Hoffnungsträger bei der Entwicklung von Corona-Impfstoffen. Während Biontech mit seinem Vakzin Milliarden verdiente, hatte Curevac mit Rückschlägen zu kämpfen und musste seinen ersten Impfstoffkandidaten zurückziehen. Experten und Gewerkschaften sehen die Schließung nun kritisch: Sie befürchten, dass durch das Vorgehen nicht nur Patentrechte, sondern vor allem Forschungskapazitäten in Deutschland leiden könnten.

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