Herzuntersuchungen in Apotheken: Regierung plant neue Früherkennungs-Offensive
Herzuntersuchungen bald auch in Apotheken möglich

Herzuntersuchungen bald auch in Apotheken: Regierung will Früherkennung revolutionieren

In einem exklusiven Doppelinterview mit BILD haben Gesundheitsministerin Nina Warken (46, CDU) und Bundesforschungsministerin Dorothee Bär (47, CSU) eine wegweisende Initiative für die Herzgesundheit in Deutschland angekündigt. Die Bundesregierung plant, künftig auch Apotheken für Herzuntersuchungen zu öffnen, um die Früherkennung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen massiv zu vereinfachen und zu beschleunigen.

Niedrigschwellige Angebote für mehr Prävention

Anlässlich des bevorstehenden Herz-Gipfels am 17. März in Berlin erklärte Gesundheitsministerin Warken im Gespräch mit BILD: „Wir müssen Dinge, die es schon gibt, breiter ausrollen. Ein Beispiel: Es gibt die 3B – das Messen von Blutdruck, Blutzucker, Blutfett.“ Die Ministerin betonte, dass viele Menschen diese wichtigen Werte nicht kennen würden und daher entsprechende Angebote zur Früherkennung nicht wahrnähmen.

„Wir wollen jetzt die Apotheken noch mehr mit ins Boot nehmen, damit auch künftig dort diese Messungen, Testungen und eine Beratung stattfinden können“, so Warken wörtlich. Die Idee dahinter ist einfach: Wenn man sich für eine Herzuntersuchung nicht erst einen Arzttermin besorgen muss, werden deutlich mehr Menschen diese wichtige Vorsorge in Anspruch nehmen.

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Experten reagieren unterschiedlich auf die Pläne

Der Vorstoß der Bundesregierung wird von verschiedenen medizinischen Fachgruppen kontrovers diskutiert. BILD hat bei Top-Experten um eine fachliche Einordnung gebeten.

Franziska Scharpf (41), Vizepräsidentin der Bundesapothekerkammer und Präsidentin der Bayerischen Landesapothekerkammer, begrüßt die Initiative: „Apotheken können sehr viel für Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen tun. Wir begrüßen die neuen pharmazeutischen Dienstleistungen, die im Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetz vorgesehen sind.“ Sie verweist auf die flächendeckende Verfügbarkeit und niedrigschwellige Zugänglichkeit von Apotheken.

Ganz anders sieht dies Dr. Markus Beier (55), Bundesvorsitzender des Hausärztinnen- und Hausärzteverbands: „Von diesem Plan halten wir überhaupt nichts! Apotheken kennen sich mit Medikation aus, nicht mit medizinischer Versorgung.“ Er warnt davor, dass isolierte Messungen ohne ärztliche Einordnung in den Gesamtzustand des Patienten zu Verunsicherung führen könnten.

Kardiologen sehen Chancen und Grenzen

Prof. Stefan Blankenberg (57), Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie, nimmt eine differenzierte Position ein: „Jedes Sichtbarmachen von Risikofaktoren für Herzkrankheiten wie Bluthochdruck, erhöhte Blutfett- oder Zuckerwerte ist wichtig. Deshalb ist es absolut sinnvoll, niedrigschwellige Angebote wie Kontrollen in Apotheken einzubeziehen.“

Der Kardiologie-Experte betont jedoch auch die Grenzen solcher Angebote: „Die Behandlung muss dann in der Praxis erfolgen. Das ist gerade bei den Blutzuckerwerten wichtig, da diese stark davon abhängig sind, was man in den letzten Stunden getrunken und gegessen hat.“ Apotheken könnten seiner Ansicht nach beraten und auf die Dringlichkeit einer ärztlichen Abklärung hinweisen.

Herz-Gipfel bringt Experten zusammen

Beim BILD-Herzgipfel am 17. März werden mehr als 100 Top-Experten aus Medizin, Forschung und Politik im Berliner Axel-Springer-Hochhaus zusammenkommen, um über innovative Ansätze in der Herzmedizin zu diskutieren. Die geplanten Apotheken-Untersuchungen werden dabei sicherlich ein zentrales Thema sein.

Die Bundesregierung verfolgt mit ihrer Initiative ein klares Ziel: Durch vereinfachte Zugänge zur Früherkennung sollen mehr Menschen für ihre Herzgesundheit sensibilisiert werden und Risikofaktoren wie Rauchen, ungesunde Ernährung und Bewegungsmangel frühzeitig erkannt und behandelt werden können.

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