Große Aufregung im Vergewaltigungs-Prozess gegen Harvey Weinstein (74)! Der gefallene Hollywood-Mogul klagte plötzlich über Brustschmerzen und Unwohlsein – und konnte deshalb nach der Mittagspause nicht mehr im Gerichtssaal erscheinen. Weinsteins Anwalt Marc Agnifilo erklärte vor Gericht, sein Mandant habe Schmerzen in der Brust und fühle sich schlecht. Die Situation sei so ernst, dass er nicht zurück ins Gericht gebracht werden könne.
Die Jury-Beratungen im neu aufgerollten Vergewaltigungs-Prozess hatten erst am Mittwochmorgen gegen 11 Uhr begonnen: Weinstein ist wegen Vergewaltigung 3. Grades im Fall der ehemaligen Schauspielerin Jessica Mann (40) angeklagt. Bei diesem „kritischen Moment“ des Prozesses wolle Weinstein unbedingt anwesend sein. BILD beobachtete schon während der Mittagspause, dass sein Anwaltsteam äußerst angespannt und besorgt wirkte. Jetzt ist klar, warum: Weinstein befindet sich inzwischen auf der Krankenstation im New Yorker Gefängnis Rikers Island und wird dort medizinisch betreut. Der ehemalige Hollywood-Produzent hat eine lange Krankenakte und leidet schon seit Jahren an Herzproblemen sowie Diabetes und Leukämie.
Sitzung wegen fehlender Unterlagen abgebrochen
Währenddessen forderte die Jury in einer Notiz an den Richter, gewisse Beweise noch einmal einzusehen: Unter anderem wollen die Geschworenen eine PowerPoint-Präsentation sowie eine bestimmte Seite aus Jessica Manns Aussage sehen – ausgerechnet aus dem harten Kreuzverhör durch Weinstein-Anwältin Teny Geragos. Wegen fehlender Unterlagen schickte Richter Curtis Farber die Jury am Mittwoch schließlich früher nach Hause. Die angeforderten Unterlagen sollen die Geschworenen erst am Donnerstagmorgen erhalten.
„Komplizierte, teils einvernehmliche Beziehung“
Mann sagte in den vergangenen Wochen aus, sie habe zwar eine komplizierte, teils einvernehmliche Beziehung mit Weinstein gehabt. Doch am 18. März 2013 soll er sie in einem Hotelzimmer in Manhattan vergewaltigt haben. Weinstein bestreitet das – seine Anwälte sprechen von einer einvernehmlichen Begegnung und verweisen darauf, dass Mann ihn danach weiter traf und ihm liebevolle Nachrichten schrieb.
Verteidiger Marc Agnifilo griff in seinem Abschlussplädoyer am Dienstag Jessica Mann frontal an – und stellte ihre gesamte Glaubwürdigkeit infrage. Seine explosive Behauptung vor der Jury: Mann und Harvey Weinstein hätten eine Beziehung geführt, sie habe sich sogar in ihn verliebt.
Agnifilo verwies auf Handy-Notizen und Nachrichten, in denen Mann Weinstein als wichtigste Stütze ihres Lebens beschrieb. Vier Jahre lang habe sie sich immer wieder an ihn gewandt – bei Liebeskummer, Problemen und Karrierefragen. „Er war der Einzige, der sie als Schauspielerin ermutigt hat“, so der Anwalt. Dann der nächste Seitenhieb: „Jessica war keine großartige Schauspielerin. Sogar ein Casting-Direktor hat das gesagt. Wissen Sie, wer das nie gesagt hat? Harvey Weinstein.“ Für die behauptete Vergewaltigung gebe es „keinerlei Beweise“. Keine Polizeiakte, keine medizinische Behandlung, keine klaren Erinnerungen. Agnifilo spottete vor den Geschworenen: „Das ist kein süßes ‚Ich erinnere mich nicht‘. In einem Strafprozess ist das nicht okay.“
Staatsanwältin: „Nein heißt nein“
Staatsanwältin Nicole Blumberg hielt mit einer klaren Botschaft dagegen: Es spiele keine Rolle, ob Jessica Mann jahrelang eine einvernehmliche Beziehung mit Harvey Weinstein hatte. „Nein heißt nein.“ Blumberg zeichnete Weinstein als manipulativen Machtmenschen. Mann sei für ihn das „perfekte Opfer“ gewesen: unsicher, verletzlich und voller Hollywood-Träume. Weinstein habe ihr eine Karriere versprochen – und sie glauben lassen, dass er sich wirklich um sie kümmere.
Die zentrale Botschaft der Anklage an die Jury: Nur weil sie an einem Tag zugestimmt habe, bedeute das nicht automatisch Zustimmung am nächsten. „Nein heißt nein – für jeden. Außer offenbar für Harvey Weinstein.“
Ein Prozess mit langer Vorgeschichte
Der Fall zieht sich seit Jahren: 2020 wurde Weinstein in New York unter anderem wegen der Vergewaltigung von Jessica Mann zu 23 Jahren Haft verurteilt. 2024 kippte ein Berufungsgericht das Urteil. 2025 der nächste Anlauf: Schuldspruch im Fall Miriam „Mimi“ Haley, Freispruch im Fall Kaja Sokola – und eine blockierte Jury beim Mann-Vorwurf.



