Stephanie Pliska: Ein Leben im Kampf gegen Lupus
Als Kind erhielt Stephanie Pliska eine Prognose, die ihr kaum mehr als 30 Lebensjahre versprach. Heute, mit 44 Jahren, hat sie diese Vorhersage nicht nur überlebt, sondern lebt weiterhin mit ungebrochenem Kampfgeist. Bei ihr wurde Lupus diagnostiziert, eine seltene Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem gesunde Zellen angreift. „Es ist ein täglicher Kampf“, gesteht die Frau aus Passentin, „aber den nehme ich an.“
Die Diagnose und ein klassischer Krankheitsverlauf
Mit rund 10.000 Betroffenen in Deutschland zählt Lupus zu den sehr seltenen Erkrankungen. Stephanie Pliska war ein geradezu klassischer Fall: Plötzlich trat der feuerrote Hautausschlag auf, der aufgrund seiner Form als Schmetterlingsflechte bekannt ist. Dazu kamen starke Gelenk- und Muskelschmerzen sowie entzündliche Erkrankungen innerer Organe. Bereits mit 14 Jahren saß sie zum ersten Mal im Rollstuhl – ein Zustand, der sich im Laufe ihres Lebens mehrfach wiederholte.
Lupus, dessen Name aus dem Mittelalter stammt und auf lateinisch Wolf bedeutet, tritt in unberechenbaren Schüben auf. „Das kann von einem Moment zum nächsten passieren“, erinnert sich Stephanie Pliska an ein prägendes Erlebnis vor 15 Jahren. An einem Frühjahrswochenende kehrte sie noch gut gelaunt von einem Osterfeuer zurück, um am nächsten Morgen vor Schmerzen gelähmt aufzuwachen.
Familie als größte Stütze im täglichen Kampf
Ihren Mann Robert weiß Stephanie Pliska in den schwierigsten Zeiten fest an ihrer Seite. Seit 25 Jahren sind sie ein Paar, seit 18 Jahren verheiratet. Die Krankheit war von Anfang an Teil ihres gemeinsamen Alltags. „Ohne den Rückhalt der Familie würde ich den täglichen Kampf nicht schaffen“, betont Stephanie. Besonders berührend ist die Erinnerung an ihren damals siebenjährigen Sohn Jan, der besorgt fragte, ob sie nun immer im Rollstuhl sitzen müsse. Ihre entschiedene Antwort: „Auf keinen Fall! Ich will auf deiner Hochzeit tanzen!“
Heute ist Jan 21 Jahre alt, und seine Existenz gehört zu den größten Glücksmomenten der Familie. Eine erste Schwangerschaft musste auf ärztlichen Rat hin abgebrochen werden, da das Risiko für Mutter und Kind zu groß war. Bei der zweiten Schwangerschaft blieben die Pliskas entschlossen, es zu wagen – eine Entscheidung, die sich als Segen erwies.
Medizinische Behandlung und persönliche Strategien
Die Behandlung von Lupus war für Stephanie Pliska ein herausfordernder Weg. Sie durchstand Chemotherapien, heilpraktische Versuche und Phasen, in denen sie bis zu 25 Tabletten täglich einnehmen musste. „Ich bin stärker als dieser Wolf“, hatte sie sich schon als Kind vorgenommen. Diese Entschlossenheit ließ sie alle Behandlungen überstehen.
Glücklicherweise hat die medizinische Forschung bedeutende Fortschritte gemacht. Gute Erfahrungen macht die 44-Jährige mit dem Wirkstoff Benlysta, den sie zunächst als Infusion erhielt und mittlerweile mit einem Pen zu Hause selbst verabreichen kann. Aktuell ist ihr Lupus medikamentös so gut eingestellt, dass er im Blut nicht aktiv ist – auch wenn niemand sagen kann, wie lange dieser Zustand anhalten wird.
Neben der medizinischen Behandlung hat Stephanie Pliska gelernt, auf ihren Körper zu hören und dessen Grenzen zu akzeptieren. Sonne muss sie meiden, weshalb sie nie mit ihrem Kind an den Strand gehen konnte. Alkohol, Zigaretten, Schweinefleisch und Weißmehl sind aus dem Familienleben gestrichen. Stattdessen entdecken beide Ehepartner mit Freude neue Gerichte in der Küche.
Informationsveranstaltung in Neubrandenburg
Am 11. April ab 9 Uhr findet am Dietrich-Bonhoeffer-Klinikum in Neubrandenburg eine Informationsveranstaltung zum Thema Lupus statt. „Wir wollen neue Therapiemöglichkeiten aufzeigen, Ängste nehmen und mit Mythen aufräumen“, kündigt Dr. Michaela Berndt, Leitende Oberärztin der Klinik für Innere Medizin 2, an. Das Programm umfasst Wissenswertes zur Ernährung bei rheumatischen Erkrankungen sowie Erfahrungsberichte von Betroffenen.
Stephanie Pliska wird auch diesmal von ihren Erfahrungen berichten, wie sie es bereits bei früheren Aktionstagen getan hat. Anmeldungen sind bis zum 2. April per E-Mail oder telefonisch möglich. Ihre Geschichte zeigt: Auch mit einer seltenen und schweren Erkrankung kann ein erfülltes Leben möglich sein – unterstützt von medizinischem Fortschritt, familiärem Rückhalt und persönlicher Stärke.



