Saudi-Arabien setzt auf historische Pipeline als Antwort auf Iran-Blockade
Die globale Energiekrise spitzt sich zu, doch Saudi-Arabien hat einen strategischen Trumpf ausgespielt. Während der Iran die lebenswichtige Straße von Hormus blockiert und damit die Ölpreise in die Höhe treibt, hat der Golfstaat eine alternative Route vollständig reaktiviert. Die sogenannte Ost-West-Pipeline, auch als Petroline bekannt, wird aktuell mit maximaler Leistung betrieben und transportiert täglich rund sieben Millionen Barrel Rohöl durch die arabische Wüste.
Historische Infrastruktur in der Krise
Erbaut wurde die gigantische Pipeline bereits im Jahr 1981, genau für solche Krisenszenarien wie den aktuellen Konflikt. Damals tobte der Krieg zwischen Iran und Irak, heute ist es die politisch motivierte Blockade der Meerenge durch Teheran, die den weltweiten Ölmarkt ins Wanken bringt. Die rund 1.200 Kilometer lange Strecke windet sich mit zwei Stahlröhren von bis zu 1,40 Meter Durchmesser vom Persischen Golf durch die Große Arabische Wüste bis zum Hafen Yanbu am Roten Meer.
Diese Route umgeht die gefährliche Straße von Hormus komplett, die normalerweise etwa 20 Millionen Barrel Öl pro Tag – ein Fünftel des globalen Verbrauchs – passieren. Aramco-Chef Amin Nasser hatte bereits Anfang März angekündigt, dass die Pipeline bald voll ausgelastet sein werde. Nun bestätigen Insider gegenüber Bloomberg, dass dieses Maximum erreicht ist.
Begrenzte Kapazitäten und Sicherheitsrisiken
Doch die beeindruckenden Zahlen täuschen nicht darüber hinweg, dass die Pipeline keine perfekte Lösung darstellt. Experten weisen auf mehrere Einschränkungen hin:
- Ein erheblicher Teil des transportierten Öls wird bereits im Westen Saudi-Arabiens verbraucht, sodass für den Export weniger zur Verfügung steht als die Fördermenge vermuten lässt.
- Die Infrastruktur ist verwundbar – in der Vergangenheit wurde die Pipeline bereits Ziel von Drohnenangriffen.
- Selbst mit zusätzlichen Alternativen wie der Abu Dhabi Crude Oil Pipeline (ADCOP), an der deutsche Unternehmen wie Siemens und Salzgitter beteiligt waren, können nur Teile der weggefallenen Kapazitäten ersetzt werden.
Branchenkenner bezeichnen die Ost-West-Leitung dennoch als „entscheidenden Transportweg, um Hormus zu umgehen“. Sie könnte zumindest die schlimmsten Folgen der Blockade abfedern und den globalen Markt stabilisieren. Allerdings bleibt die Pipeline selbst ein potenzielles Ziel, gerade weil sie aktuell zu den wichtigsten Lebensadern des Ölmarkts zählt.
Geopolitisches Druckmittel mit globalen Auswirkungen
Die Blockade der Straße von Hormus durch den Iran gilt als politisches Druckmittel mit weitreichenden Konsequenzen. Viele Tanker können die Route kaum noch passieren, was Lieferketten unterbricht und Preise explodieren lässt. Saudi-Arabien reagiert mit diesem Kraftakt und setzt verstärkt auf Pipelines statt auf Tanker.
Die Bedeutung dieser Strategie ist kaum zu überschätzen. Während die Vereinigten Arabischen Emirate ähnliche Alternativen nutzen, zeigt die vollständige Reaktivierung der Petroline, wie ernst die Lage ist. Die Pipeline mag keine perfekte Lösung sein, aber sie bietet zumindest eine vorübergehende Atempause für die angespannte Weltwirtschaft.



