Apotheken-Insolvenzen erreichen Höchststand: Proteste gegen Gesundheitspolitik
Apotheken-Insolvenzen auf Höchststand - Proteste

Apotheken in der Krise: Insolvenzen erreichen Rekordniveau

In ganz Deutschland bleiben am Montag zahlreiche Apotheken geschlossen. Betreiber und Angestellte demonstrieren damit gegen die Gesundheitspolitik der Bundesregierung und fordern eine bessere finanzielle Ausstattung. Die Protestaktionen sind auch ein Warnsignal vor einer drohenden Schließungswelle, denn immer mehr Apotheken geraten in wirtschaftliche Schwierigkeiten.

Besorgniserregende Zahlen für die Apothekenlandschaft

Die Zahl der Insolvenzen von Apotheken hat im Jahr 2025 den höchsten Stand seit 2008 erreicht. Laut aktuellen Daten mussten 44 Apotheken-Inhaber Insolvenz anmelden. Noch alarmierender ist jedoch die Zahl der tatsächlichen Schließungen: 502 Apotheken haben im vergangenen Jahr für immer ihre Türen geschlossen.

Von den insgesamt 16.601 Apotheken in Deutschland waren 246 mit einem Bonitätsindex von 4,5 bis 6,0 akut von einer Zahlungsunfähigkeit bedroht. Für das Jahr 2026 deutet sich bereits an, dass wahrscheinlich noch mehr Apotheken von dieser Entwicklung betroffen sein werden.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Wirtschaftlicher Druck durch stagnierende Einnahmen

Christian Splett vom Apothekerverband (ABDA) erklärt: „Bei Apotheken-Schließungen geben viele Inhaberinnen und Inhaber ihre Geschäfte schlichtweg zum Jahresende auf. Oftmals wird einfach keine Nachfolge gefunden, weil der Betrieb nicht genug Gewinn abwirft.“

Aktuellen Zahlen des ABDA zufolge schrieben sieben Prozent der Apotheken zuletzt rote Zahlen. 35 Prozent erwirtschafteten 2025 ein Betriebsergebnis von weniger als 100.000 Euro. „Also noch vor Steuern, Altersvorsorge und Investitionsbedarf. In solchen Apotheken verdienen manche Inhaber dann weniger als ihre Beschäftigten“, so Splett weiter.

Das zentrale Problem: Mehr als 80 Prozent des Umsatzes werden mit rezeptpflichtigen Arzneimitteln erzielt. Die Preise dafür sind staatlich reglementiert, wobei die Apothekenvergütung pro Packung seit 13 Jahren unverändert bei 8,35 Euro netto liegt. Hinzu kommt lediglich ein prozentualer Zuschlag in Höhe von drei Prozent auf den Großhandelsabgabepreis.

Splett betont: „An diesen Zahlen hat sich seit 13 Jahren nichts geändert, während die Kosten für Personal, Energie und Miete immer weiter angestiegen sind.“ Dr. Frank Schlein, deutscher Geschäftsführer der Kreditauskunftei CRIF, bestätigt, dass die zunehmende Schere zwischen wachsenden Ausgaben und stagnierenden Einnahmen zu einem erheblichen wirtschaftlichen Druck in der gesamten Apothekenlandschaft führt.

Flächendeckende Versorgung in Gefahr

ABDA-Sprecher Christian Splett warnt eindringlich: „Die flächendeckende Versorgung ist gefährdet.“ Die Bundesregierung müsse jetzt ihre Versprechen einlösen: „Im Koalitionsvertrag ist eine Vergütung in Höhe von 9,50 Euro und anschließend eine jährliche Anpassung festgelegt. Nur so bekommen Apotheker wieder eine wirtschaftliche Perspektive. Genau dafür wird am Montag protestiert“, erklärt Splett.

Im Vergleich zur Gesamtwirtschaft bleibt die Apothekenbranche zwar stabiler. Während deutschlandweit 10,3 Prozent aller Unternehmen als insolvenzgefährdet gelten, droht „nur“ 1,7 Prozent der Apotheken die Pleite. Dennoch ist die Zahl der Apothekenfilialen bereits auf dem tiefsten Stand seit 50 Jahren gesunken – ein deutliches Zeichen für die anhaltenden strukturellen Probleme im Gesundheitssektor.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration