Apotheken-Protest: Bundesweite Schließungen für höhere Vergütungen
Am Montag blieben zahlreiche Apotheken in ganz Deutschland geschlossen, um im politischen Ringen um eine bessere Bezahlung Druck zu machen. Die Branche protestiert damit gegen eine seit Jahren ausgebliebene Honoraranhebung, die zu einer chronischen Unterfinanzierung geführt hat.
Demonstrationen in Berlin und München
Unter anderem in Berlin und München versammelten sich Apothekerinnen und Apotheker zu Demonstrationen. Während des Protestzuges trugen sie Schilder mit der Aufschrift „Ihr macht Politik, wir machen dicht“. Für dringend benötigte Medikamente sollten Notdienstapotheken geöffnet bleiben, um die Versorgung der Patientinnen und Patienten sicherzustellen.
Forderung nach Honoraranhebung
Den Apotheken geht es darum, einen lange nicht erhöhten Fix-Bestandteil des Honorars von 8,35 Euro pro Packung auf 9,50 Euro anzuheben. Union und SPD hatten dies im Koalitionsvertrag vereinbart, die Umsetzung wurde jedoch wegen der angespannten Finanzlage der gesetzlichen Krankenkassen zurückgestellt. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) kündigte kürzlich an, die Erhöhung jetzt anzugehen und im Frühjahr eine Verordnung vorzulegen.
Folgen des Honorar-Stillstands
Der Präsident der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (Abda), Thomas Preis, beklagte die gestiegenen Betriebs- und Personalkosten. „Wegen des Honorar-Stillstands musste seit 2013 jede fünfte Apotheke schließen“, sagte Preis. Dies habe extrem negative Auswirkungen auf die Versorgung der Patientinnen und Patienten. Der Spitzenverband der gesetzlichen Kassen betonte hingegen, die Apotheken erhielten bereits Jahr für Jahr mehr Geld.
Schrumpfendes Apothekennetz
Die Zahl der Apotheken schrumpft seit längerem. Zum Jahresende 2025 gab es bundesweit noch 16.601 Apotheken, 440 weniger als zum Ende des Vorjahres. Die Barmer Krankenkasse wandte sich gegen „Alarmismus“ wegen dieser Entwicklung und verwies auf eine eigene Analyse zur Erreichbarkeit. Demnach könnten 78 Prozent der Bevölkerung in maximal zwei Kilometern eine Apotheke erreichen, im Radius von sechs Kilometern 96 Prozent der Bundesbürger. Von Apothekenschließungen seien Städte stärker betroffen als ländliche Regionen.
Kontroverse um Verteilung der Vergütung
Verbands-Vize Stefanie Stoff-Ahnis erläuterte, die Vergütung aus den Portemonnaies der Beitragszahler sei von 2013 bis 2024 um 26 Prozent auf 7,1 Milliarden Euro pro Jahr gestiegen. Es brauche in der Summe keine Anhebung, aber eine bessere Verteilung. „Apotheken in Ballungsräumen mit Millionenumsätzen brauchen keine Vergütungserhöhung, umsatzschwache Apotheken in strukturschwachen Regionen hingegen schon“, so Stoff-Ahnis.



