Apothekensterben erreicht alarmierende Dimensionen
Die deutsche Apothekenlandschaft befindet sich in einer tiefgreifenden Krise. Im vergangenen Jahr mussten zahlreiche Apothekenbetreiber ihre Geschäfte für immer schließen, während die Insolvenzzahlen einen historischen Höchststand erreichten. Diese Entwicklung bedroht zunehmend die flächendeckende medizinische Versorgung der Bevölkerung.
Besorgniserregende Zahlen aus dem Apothekensektor
Laut aktuellen Statistiken meldeten im Jahr 2025 insgesamt 44 Apothekeninhaber Insolvenz an – der höchste Wert seit dem Jahr 2008. Noch dramatischer stellt sich die Situation bei den tatsächlichen Schließungen dar: 502 Apotheken mussten im selben Zeitraum ihre Türen endgültig schließen. Von den verbleibenden 16.601 Apotheken in Deutschland waren 246 Einrichtungen mit einem kritischen Bonitätsindex von 4,5 bis 6,0 akut von Zahlungsunfähigkeit bedroht.
Christian Splett vom Apothekerverband ABDA erklärt gegenüber Medien: „Bei Apotheken-Schließungen geben viele Inhaberinnen und Inhaber ihre Geschäfte schlichtweg zum Jahresende auf. Oftmals wird einfach keine Nachfolge gefunden, weil der Betrieb nicht genug Gewinn abwirft.“
Wirtschaftlicher Druck durch stagnierende Einnahmen
Die wirtschaftliche Situation vieler Apotheken hat sich in den letzten Jahren kontinuierlich verschlechtert. Aktuellen ABDA-Zahlen zufolge schrieben sieben Prozent der Apotheken zuletzt rote Zahlen. 35 Prozent erwirtschafteten 2025 ein Betriebsergebnis von weniger als 100.000 Euro – ein Betrag, der noch vor Steuern, Altersvorsorge und notwendigen Investitionen steht.
Christian Splett verdeutlicht das Problem: „In solchen Apotheken verdienen manche Inhaber dann weniger als ihre Beschäftigten.“ Mehr als 80 Prozent des Apothekenumsatzes werden mit rezeptpflichtigen Arzneimitteln erzielt, deren Preise staatlich reglementiert sind. Die Apothekenvergütung pro Packung beträgt dabei unverändert 8,35 Euro netto, ergänzt durch einen dreiprozentigen Zuschlag auf den Großhandelsabgabepreis.
Kostensteigerungen bei gleichbleibenden Einnahmen
Der ABDA-Sprecher weist darauf hin, dass sich diese Vergütungsstruktur seit 13 Jahren nicht verändert hat, während die Kosten für Personal, Energie und Miete kontinuierlich angestiegen sind. Dr. Frank Schlein, deutscher Geschäftsführer der Kreditauskunftei CRIF, bestätigt: „Die zunehmende Schere zwischen wachsenden Ausgaben und stagnierenden Einnahmen führt zu einem erheblichen wirtschaftlichen Druck in der Apothekenlandschaft.“
Proteste für bessere Rahmenbedingungen
Vor diesem Hintergrund blieben am vergangenen Montag zahlreiche Apotheken in ganz Deutschland geschlossen. Die Betreiber und Angestellten demonstrierten gegen die aktuelle Gesundheitspolitik der Bundesregierung und forderten eine verbesserte finanzielle Ausstattung. Mit den Protestaktionen wurde gleichzeitig vor einer drohenden weiteren Schließungswelle gewarnt.
Christian Splett betont die Dringlichkeit politischer Maßnahmen: „Die flächendeckende Versorgung ist gefährdet. Im Koalitionsvertrag ist eine Vergütung in Höhe von 9,50 Euro und anschließend eine jährliche Anpassung festgelegt. Nur so bekommen Apotheker wieder eine wirtschaftliche Perspektive. Genau dafür wird protestiert.“
Branchenvergleich zeigt relative Stabilität
Im Vergleich zur Gesamtwirtschaft bleibt der Apothekensektor dennoch relativ stabil. Während deutschlandweit 10,3 Prozent aller Unternehmen als insolvenzgefährdet gelten, droht „nur“ 1,7 Prozent der Apotheken die Pleite. Dennoch erreicht die Zahl der Apothekenfilialen bereits den tiefsten Stand seit fünf Jahrzehnten, was langfristige Auswirkungen auf die medizinische Grundversorgung haben könnte.
Für das Jahr 2026 zeichnet sich bereits ab, dass wahrscheinlich noch mehr Apotheken von der wirtschaftlichen Schieflage betroffen sein werden. Die Branche steht damit vor einer existenziellen Herausforderung, die nur durch grundlegende Reformen der Vergütungsstrukturen und eine nachhaltige Gesundheitspolitik bewältigt werden kann.



