Apotheker-Streik in Neustrelitz: Senioren müssen bis zu 70 Kilometer für dringende Medikamente fahren
Apotheker-Streik: 70 km Fahrt für Medikamente in Neustrelitz

Apotheker-Streik in Neustrelitz: Senioren müssen weite Wege für dringende Medikamente auf sich nehmen

In Neustrelitz sind am Montag, dem Tag des bundesweiten Apothekerstreiks, alle Apotheken geschlossen. Für viele Patienten, insbesondere Senioren, bedeutet dies erhebliche Probleme, da sie weite Strecken zum Notdienst zurücklegen müssen. Die Situation verdeutlicht die Herausforderungen im ländlichen Raum und die Auswirkungen von Streiks im Gesundheitswesen.

Liselotte Rogge: Eine Seniorin im Dilemma

Liselotte Rogge, eine Rentnerin aus Neustrelitz, war am Montag verärgert und frustriert. Nach ihrer Entlassung aus dem DRK-Krankenhaus Neustrelitz am Freitag hatte sie nur Medikamente für drei Tage erhalten. Da sie am Freitag keinen Hausarzt mehr aufsuchen konnte, um ein Rezept zu bekommen, ging sie am Montag dorthin. Mit dem Rezept in der Hand stand sie jedoch vor verschlossenen Türen, da sich die Neustrelitzer Apotheken am Apothekerprotesttag beteiligten.

Die Seniorin erfuhr, dass Notdienst-Apotheken in Neubrandenburg, Fürstenberg oder Malchow erreichbar seien. „Eine Notbesetzung für Neustrelitz sollte doch wenigstens da sein“, empörte sich Liselotte Rogge. Sie betonte, dass Neustrelitz kein kleiner Ort sei und die Situation für viele Patienten belastend sei.

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Neue Regelungen verschärfen die Situation

Seit Jahresbeginn dürfen Not-Apotheken nach einer Neuregelung des Dienstsystems maximal 35 statt wie zuvor 25 Kilometer entfernt sein. Dies führt dazu, dass Patienten in ländlichen Gebieten wie Neustrelitz noch längere Wege in Kauf nehmen müssen. Im Fall von Liselotte Rogge bedeutete dies, dass sie nach Neubrandenburg (30 Kilometer entfernt), Malchow (72 Kilometer) oder Fürstenberg (30 Kilometer) fahren musste, um ihre dringend benötigten Medikamente zu erhalten.

Die Probleme sind vielfältig:

  • Die weiten Wege mit dem Auto sind für Senioren und Menschen ohne eigenes Fahrzeug eine große Hürde.
  • Wenn das Medikament in der Notdienst-Apotheke nicht verfügbar ist, entstehen zusätzliche Probleme.
  • Die rückläufige Zahl der Vor-Ort-Apotheken verschärft die Situation weiter.

Hintergründe des Apothekerstreiks

Die Apotheker streiken am Montag aus mehreren Gründen. Die Vergütung wurde seit langem nicht mehr an die gestiegenen Lebenshaltungskosten angepasst, zuletzt vor 13 Jahren. Dies ist einer der Hauptgründe für die rückläufige Zahl der Apotheken. Hinzu kommen Online-Apotheken, die mit Dumping-Preisen und ohne angemessene Beratung oder Leistungen am Patienten konkurrieren.

Der Apotheken-Notdienst ist eigentlich für Notfälle gedacht, wie Medikamentenbedarf nach einem Krankenhausaufenthalt, dringend benötigte Antibiotika oder Verordnungen von Bereitschaftsärzten. In der Praxis wird die Rund-um-die-Uhr-Erreichbarkeit jedoch oft für weniger dringende Fälle wie Hustensäfte und Nasentropfen genutzt, was die Belastung für das System erhöht.

Ausblick: Mehr solche Situationen erwartet

Experten warnen, dass solche Situationen in Zukunft wohl öfter auftreten werden. Die Kombination aus Streiks, neuen Regelungen und dem Rückgang der Apotheken vor Ort stellt eine wachsende Herausforderung für die Gesundheitsversorgung in ländlichen Regionen dar. Patienten wie Liselotte Rogge müssen sich auf längere Wartezeiten und weitere Wege einstellen, was insbesondere für ältere und kranke Menschen eine erhebliche Belastung darstellt.

Die Debatte um angemessene Vergütungen für Apotheker und die Sicherstellung einer flächendeckenden Versorgung wird voraussichtlich weiter an Bedeutung gewinnen. Bis dahin bleiben Patienten in Städten wie Neustrelitz auf die Solidarität und das Verständnis aller Beteiligten angewiesen.

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