In Sachsen drohen nach Einschätzung des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes und der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) erhebliche Versorgungslücken bei der Kinderbetreuung, insbesondere im ländlichen Raum. Grund seien die sinkenden Kinderzahlen bei gleichbleibend hohen Fixkosten, die viele Einrichtungen in finanzielle Schwierigkeiten brächten.
Kita-Schließungen nehmen zu
Wie aus Daten des Statistischen Landesamtes hervorgeht, wurden im vergangenen Jahr bereits 15 Kitas geschlossen. Michael Richter, Landesgeschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes in Sachsen, warnte vor „weißen Flecken“ in der Betreuungslandschaft. Außerhalb der Großstädte Leipzig, Dresden und Chemnitz liege die nächste Kita oft nicht auf dem Weg zur Arbeit, sondern in entgegengesetzter Richtung. „Das heißt, es entstehen Riesenwege, die Kita im Umfeld der Familie ist weg“, so Richter.
Arbeitsplätze von Erzieherinnen bedroht
Die Schließungen und reduzierten Öffnungszeiten führen auch zu einem Verlust von Arbeitsplätzen. Allein im Jahr 2025 sank die Zahl der Erzieherinnen und Erzieher in Sachsen um fast 900, wie Richter berichtete. Weitere 1.000 Fachkräfte wechselten in die Teilzeit. Burkhard Naumann, Vorsitzender der GEW Sachsen, betonte die finanziellen Folgen für die Betroffenen: „Wenn eine Vollzeitkraft mal eben auf 30 Stunden reduziert wird, ist ein Viertel des Einkommens von einem auf den anderen Tag weg.“ Viele pädagogische Fachkräfte suchten sich daher einen Zweitjob.
Fachkräftemangel droht erneut
Richter und Naumann warnten vor einem erneuten Verlust von Fachkräften, wie er bereits nach dem letzten Geburtenknick in den 1990er Jahren zu beobachten war. Besonders betroffen seien junge Frauen. Diese würden später fehlen, wenn die Kinderzahlen wieder steigen und ältere Erzieherinnen in den Ruhestand gehen, erklärte Richter.
Reform der Kita-Finanzierung gefordert
Um die Versorgung zu sichern, fordern GEW und der Paritätische Wohlfahrtsverband eine Reform der Kita-Finanzierung. Statt des bisherigen „Pro-Köpfchen-Modells“ solle sich der Freistaat stärker an den Fixkosten beteiligen. Zudem müssten Kitas als Teil der regionalen Infrastruktur betrachtet werden. „Ähnlich wie bei Schulen kann man vor Ort mit einer Netzplanung über die Standorte entscheiden“, sagte Richter, um Kindern und Eltern weiterhin kurze Wege zu ermöglichen.



