Eine Katze sucht nach ihrer verschwundenen Artgenossin. Sie durchstreift jeden Raum und geht schließlich zu ihrem Soundboard. Dort drückt sie zwei Wörter: „Where“ und „Friend“. Was wie zwei einfache Knopfdrücke wirkt, wirft eine grundlegende Frage auf: Können Tiere gezielt nach Informationen suchen – also tatsächlich Fragen stellen?
Lange galt genau das als Fähigkeit, die dem Menschen vorbehalten ist. Doch mit dem Einsatz sogenannter Soundboards bekommt diese Annahme zunehmend Risse. Ein Fall macht diese Thematik besonders deutlich: die Katze Flounder. PETBOOK (gehört ebenfalls zu Axel Springer) sprach mit Flounders Besitzerin.
„Where friend“ – eine Frage, die Fragen aufwirft
Ausgangspunkt ist ein konkretes Ereignis. Einen Tag nach dem Tod von Mitbewohner-Katze Fiki sucht Flounder das Haus ab. Sie schaut in Räume, prüft gewohnte Plätze, aber offenbar ohne Erfolg. Anschließend geht sie zu ihrem Soundboard und drückt zwei Buttons: „Where“ und „Friend“ (zu Deutsch: „Wo Freund“).
Für Halterin Nina Leipold ist genau dieser Moment entscheidend. Dass ihre Katze gezielt über die Buttons kommuniziert, war ihr lange bewusst. Doch diese Situation habe ihre Sicht nochmal ganz neu verändert.
„Ich glaube, dass Flounder in der Lage ist, Fragen zu stellen“, sagt Leipold gegenüber PETBOOK. Der Vorfall deute für sie darauf hin, „dass es sich nicht nur um erlernte Abläufe oder einfache Bedürfnisse handelt, sondern um ein aktives Suchen nach Information“.
Kommunikation per Knopfdruck
Soundboards sind Geräte mit programmierbaren Buttons, die beim Drücken Wörter oder kurze Phrasen abspielen. Tiere können dadurch bestimmte Begriffe nutzen und miteinander kombinieren.
Während solche Systeme vor allem bei Hunden verbreitet sind, sind vergleichbare Beispiele bei Katzen eher selten. Umso größer ist das Interesse an Fällen wie Flounder.
Entscheidend ist bei der Kommunikation immer der Kontext. Das Drücken der Worte „Where friend“ erfolgt nicht einfach so, sondern nach einer Suchbewegung durch das Haus. Für Leipold spricht das dafür, dass Flounder nicht nur ein Bedürfnis äußert, sondern auf eine fehlende Information reagiert.
Abgrenzung zwischen Frage und Wunsch
Eine Herausforderung bleibt: Wie ordnet man solche Äußerungen unserer Haustiere ein? Wann handelt es sich um eine Frage und wann um eine Aufforderung?
Leipold beschreibt dafür typische Muster: „Bitten werden in der Regel von Wörtern wie ‚bitte‘ oder ‚möchte‘ begleitet, und Fragen enthalten meist Fragewörter wie ‚warum‘, ‚wo‘ oder ‚hmm?‘.“ Gleichzeitig betont sie, dass auch der situative Zusammenhang entscheidend ist.
Für Leipold ist außerdem wichtig, dass Flounder nicht durch feste Abläufe konditioniert wird. „Ich achte sehr darauf, beim Vorzeigen keine Abläufe zu wiederholen, damit sie Kommunikation nicht als eine Abfolge von Schritten betrachtet, die es zu lernen gilt“, erklärt sie.
Zwischen Beobachtung und Interpretation
Der Fall zeigt, wie schwierig die Bewertung tierischer Kommunikation ist. Eindeutig belegen lässt sich nicht, ob Tiere tatsächlich Fragen im menschlichen Sinne stellen.
Gleichzeitig macht das Verhalten von Flounder deutlich, wie nah Tiere in bestimmten Situationen an eine solche Form der Kommunikation herankommen können. Wenn eine Katze nach dem Verschwinden eines Artgenossen „Where friend“ drückt, geht es offenbar um mehr als eine bloße Reaktion, sondern um den Umgang mit einer fehlenden Information.



